320 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1905.
bild von einer Strömung zu entwerfen in ähnlicher Weise, wie die täglichen
synoptischen Wetterkarten vom Nordatlantischen Ozean in bezug auf Wind und
Wetter seit Jahren es gewähren. Daß das Bild nicht im strengen Sinne ein
Augenblicksbild ist, liegt einmal im Wesen der zugrunde liegenden Strom-
versetzungen und sodann in der beschränkten Zahl von Beobachtungen be-
gründet. Welche Aussichten für die Forschung würden sich eröffnen, wenn
es in solchen Fällen oder auch überhaupt möglich wäre, einen allgemeinen
internationalen Austausch der maritimen Beobachtungen herbeizuführen! Wenn
z. B. in dem vorliegenden Falle der Deutschen Seewarte auch die holländischen,
englischen und amerikanischen Beobachtungen zur Verfügung hätten stehen
können, so würde es voraussichtlich möglich gewesen sein, ein einigermaßen
befriedigendes Bild der Strömungsverhältnisse von 24 zu 24 Stunden zu ent-
werfen. Immerhin läßt auch die Zusammenfassung der Beobachtungen von
einigen wenigen Tagen einen tiefen Blick tun in die tatsächlichen Bewegungs-
vorgänge der Meeresoberfläche, die ihrem ganzen Wesen nach diskontinuierlich
sind; dies gilt auch dann, wenn wir —- wie es sachgemäß ist — die ganz
schwachen Versetzungen (etwa bis zu 9 Sm im Etmal im vorliegenden Fall)
außer Acht lassen.
Kleinere Mitteilungen.
1. Meteorologische Station La Paz Botänica bei Puerto de Orotava
(Teneriffa). ‘Gegen Ende des Jahres 1904 gelang es dem Unterzeichneten, in un-
mittelbarer Benachbarung des Akklimations-Gartens bei Puerto de Orotava
ein Grundstück auf eine Reihe von Jahren zu pachten, auf welchem seine
meteorologische Instrumente Aufstellung fanden, die ihm bisher auf Reisen
im Kanarischen Archipel!), sowie insbesondere während eines 18-monatigen
Aufenthaltes auf Teneriffa (vom 2. Mai 1903 bis Ende Dezember 1904) bei
wechselndem Wohnsitze gedient hatten. Mit Begründung obiger Station werden
die Instrumente durch solche der Deutschen Seewarte zu Hamburg wesentlich
ergänzt werden, um der Station womöglich den Umfang einer solchen I. Ordnung
zu geben.
Die Station befindet sich auf demselben Punkte, wo vor etwa 14 Jahren
der Schweizer Baron v. Honegger seine langjährigen meteorologischen Auf-
zeichnungen gemacht hat; die neuen Beobachtungen gewinnen somit durch die
Wiederaufnahme unter annähernd den gleichen umgebenden Verhältnissen
besonderes Interesse und Bedeutung, Durch starke Ausdehnung der Bananen-
kultur mögen die Hydrometeore des Tales von Orotava gegen frühere Zeiten
vielleicht ein wenig geändert sein. Außerdem hat die ursprüngliche Bewaldung
der Insel Teneriffa (wie auch der übrigen vier westlichen Kanaren) in den höheren
Lagen der Gebirge gegen ältere Zeitläufte erheblich abgenommen. Langjährige
Bewohner glauben vor der Aufnahme und Ausdehnung der Bananenkultur
eine entschiedene Abnahme der Niederschläge bemerkt zu haben; in letzter
Zeit jedoch scheinen namentlich die Frühjahrsniederschläge wieder reichlicher
aufzutreten.
An der Nordküste Teneriffas, östlich von Puerto de Orotava, befindet
sich der durch Alexander v. Humboldt rühmlichst bekannte Felsen »La Paz«,
welcher südlich landeinwärts in ein langsam ansteigendes Plateau übergeht,
das beim sogenannten Botanischen oder Akklimatisations-Garten, etwa 1,5 km
von der Küste entfernt, eine beiläufige Seehöhe von 100 m besitzt, Der ge-
naue Betrag der Seehöhe der Station (auf 28° 25’ N-Br. und 16° 32’ W-Lg.
belegen) mag 100 m um einige Meter unterschreiten.
Das die Station umgebende, nahezu ebene Gelände ist in weiterer
Umgebung mit Bananen bestanden. Es ist dies die niedrige, aus Ostasien
3 Dr. O0. Burchard. »Meteorologische Beobachtungen auf einer Winterreise nach den
Kanarischen Inseln«. »Ann. d. Hvyvdrogr. ete.« 1902, 8. 437 ff.