314 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1905.
Vergleich mit den Haffen sehr wenig, besonders wenn man das dahinter
liegende große Flußgebiet der Weichsel berücksichtigt, deren Eismassen bei
Neufahrwasser in See geführt werden. Die Dauer der Eisperiode 1904/05
erstreckte sich vom 3. Januar bis 17, Februar 1905. Warnemünde und Trave-
münde verzeichnen 26 bzw. 22 Tage mit Eis; das Eis erreichte auf der Warnow
eine Stärke von 16 cm, jedoch wurde der Verkehr mit Rostock durch Dampfer
offen gehalten; zwischen Travemünde und Lübeck waren an 13 Tagen Eis-
brecher tätig. Die Eisperiode erstreckte sich auf Anfang Januar bis Anfang
Februar mit einer eisfreien Zeit Mitte Januar. Große Ähnlichkeit mit den
Mündungsgebieten der Trave und Warnow weist das Fahrwasser nach Wismar
auf, in welchem an 23 Tagen Eisbildung festgestellt wurde.
Da für die Schiffahrt nach und von den deutschen Häfen die gleich-
zeitigen Eisverhältnisse der dänischen Gewässer von besonderer Bedeutung sind,
so sei nachstehend eine kurze Darstellung dieser Verhältnisse im Winter
1904/05 dem Schluß angefügt.)
Von 15 dänischen Ostsee-Stationen berichten nur Randers, Mariager und
Veile über die Schiffahrtsverhältnisse während des Winters, letzteres mit
der Angabe, daß in der zweiten Hälfte des Januar die Schiffahrt erschwert
und für Segler nur mit Schlepperhilfe möglich gewesen sei. Mit einer Eis-
decke von etwa 5” Dicke ist die Nakskov Föhrde (Laaland SW) vom 1. bis
8, Januar, 16. Januar bis 3. Februar und 12, bis 19. Februar 1905 und die
Koldinger Föhrde Mitte Januar dieses Jahres bedeckt gewesen. WVon einer
‚Eisdecke« ohne Angabe der Dicke berichten Nykjöbing und Frederiksvärk
(beide am Issefjord, Nord-Seeland) in der letzten Hälfte des Januar, ferner
Kalvebodstrand (zwischen Seeland und Amager) — »dünne KEisdecke« vom
5. bis 26, Januar —, und endlich Randers vom 1. bis 22. Januar und Mariager
— »einige Tage im Januar« —, beide mit dem Zusatz, daß die Schiffahrt
unbehindert geblieben. Die Berichte der übrigen Stationen sprechen nur von
‚leichtem losen Eis« bzw. »strichweisem Treibeis« in der letzten Hälfte des
Januar, die meisten ohne nähere Angaben der Daten.
Die Deutsche Seewarte.
Der Golfstrom vom 10. Mai bis zum 10. Juni 1904.
(J]Hierzu Tafel 9.)
Im Sommer 1904 wurde mehrfach gemeldet, daß der Golfstrom im Mai
und Juni 1904 eine erhebliche Geschwindigkeitszunahme im Vergleich mit den
durchschnittlichen Versetzungsgrößen gezeigt habe. So einfach die Aufstellung
einer solchen Behauptung ist, die vielleicht nur auf wenigen Beobachtungen
beruht, so zeitraubend und umständlich ist ihre Prüfung; da aber mit einer
Untersuchung der Sachlage zugleich die Frage, ob unter Umständen eine
synoptische Darstellung von Strömungen möglich sei, beleuchtet werden mußte,
so schien die nähere Bearbeitung doch die aufzuwendende Mühe zu lohnen,
Um mehr Beobachtungen für eine Untersuchung der Frage zu erlangen,
als sie gewöhnlich zur Verfügung stehen, versandte die Deutsche Seewarte im
Juni 1904 ein Rundschreiben und erhielt daraufhin 40 Listen von Strom-
versetzungen im XNordatlantischen Ozean zwischen der europäischen und
amerikanischen Küste, Dazu kamen noch 49 meteorologische Tagebücher, so
daß im ganzen 89 Kapitäne Beiträge lieferten, 14 von Seglern und 75 von
Dampfern, denen auch hier der Dank der Deutschen Seewarte ausgesprochen sel.
Zunächst mögen hier einige allgemeine Mitteilungen Platz finden, die
zugleich mit den Stromversetzungen eingesandt worden sind,
!) Kine Darstellung der Kisverhältnisse im Bottnischen und Finnischen Meerbusen
für den gleichen Winter wird in einer demnächst in dieser Zeitschrift erscheinenden Mitteilung von
Herrn Kapt. Reinicke zu finden sein. D. Red.