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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1905,
Die aus obigen Berichten hervorgehenden großen Verschiedenheiten der
Eisverhältnisse, welche schon einzig und allein der Wechsel von Ebbe und
Flut bedingt, erschweren eine einheitliche Berichterstattung; zweckdienlich
dürfte es sich daher erweisen, bei der Beobachtung, welche im allgemeinen
morgens um 8 Uhr stattfindet, nicht nur den Augenblickszustand der Ver-
hältnisse anzugeben, sondern in einzelnen Fällen, bei denen der Zustand der
Eisverhältnisse um 8 Uhr früh stark von dem durchschnittlichen Zustand ab-
weicht, ergänzende Notizen zu machen.
III. Weser-, Ems- und Jadegebiet.
Eisbildung fand in der Wesermündung nur im Januar statt, und zwar,
ebenso wie bei der Elbe, im unteren Mündungsgebiet (Hoher Weg, Bremer-
haven) nur in der zweiten Hälfte des Monats, während Brake und Bremen
auch eine kurze leichte Eisperiode zu Beginn des Monats aufweisen. Letzteres
gilt auch für die Emsmündung (Nesserland), wogegen im Jadebusen (Wilhelms-
haven, Schillighörn) nur eine Eisperiode zu verzeichnen ist. Im allgemeinen
sind die Eisverhältnisse in der Weser und Emsmündung günstiger wie auf der
Elbe, und die Perioden sind kürzer, da der Nachschub aus den oberen Gebieten
nicht so groß ist wie bei der Elbe. Die Verhältnisse des letzten Winters
ähneln denen des Winters 1903/04.
IV. Ostfriesische Inseln.
Die hier liegenden Beobachtungsstationen sind Wangeroog, Borkum und
Norderney. Die ersteren, vor der Jade- bzw. Emsmündung gelegen, hatten
nur eine kurze Eisperiode im zweiten Drittel des Januar aufzuweisen,
Norderney dagegen wie die oberen Flußmündungen zwei getrennte Abschnitte
mit Eisbildung; auf den Watten war die Segelschiffahrt im ganzen 7 Tage
geschlossen.
Gänzlich eisfrei blieb im Winter 1904/05 nur Helgoland.
]. Schleswigsche Ostküste.
Die breiten offenen Föhrden der Ostküste Schleswigs (die Kieler-, Flens-
burger- und Apenrader Föhrde) verhalten sich in ihren günstigen Eis-
verhältnissen ähnlich wie die insular gelegenen Stationen der Westküste
Ellenbogen und Amrum. So weisen im Winter 1903/04 obige Stationen der
West- und Ostküste keinen oder nur einen Tag mit Eisbildung auf; im letzten
Winter 1904/05 verzeichnen die Inseln der Westküste 11 Tage, die Föhrden
der Ostküste 3 bis 1383 Tage mit Eis, Etwas ungünstiger liegen die Verhältnisse
in der schlauchartig gestalteten Schlei und der Haderslebener Föhrde sowie bei
der Eider, welche 1904/05 15—29 Tage mit Eis aufweisen und mit Tönning
und Husum vergleichbar sind; an einer Anzahl von Tagen war hier die
Schiffahrt geschlossen. Der Kaiser Wilhelm-Kanal weist 14 Tage mit Eis auf,
der Kleine Belt (Aarösund) 2 Tage: der Alsen-Sund war eisfrei,
1]. Das Rügener Fahrwasser.
Der Greifswalder Bodden hat an seinem westlichen Eingang die Station
Barhöft, am östlichen Thiessow, welche beide über die Einfahrt in den Bodden
bis Stralsund berichten, Thiessow meldet im ganzen 23 Tage mit Eis, Barhöft
deren 38, übereinstimmend melden beide, daß an 12 Tagen (in der 3. Januar-
Dekade) die Schiffahrt gänzlich geschlossen war. An der Westseite von Rügen
berichtet Wittower Posthaus über die Eisverhältnisse des Fahrwassers, welche
ähnlich denen des Boddens sind. Es sind hier im ganzen 3 Perioden mit Eis
zu verzeichnen, völlig konform den drei charakteristischen Senkungen des
Temperaturverlaufs in unserer graphischen Darstellung für Köslin: 1. bis etwa
5. Januar, 15. Januar bis Anfang Februar und Mitte Februar. Die letztere
Periode umfaßt die geringste Zahl von Eistagen, Thiessow meldet sogar kein
Ostseeküste.