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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Die Eisverhältnisse an den deutschen Küsten im Winter 1904/05, 309 
(Tönning und Husum) früher als an den vorgelegenen Inseln (Amrum und 
Sylt); während letztere erst nach Eintritt der zweiten Frostperiode Eis melden, 
haben wir in diesem Winter an der Küste zwei Eisperioden, welche durch 
eine eisfreie Periode vom 7. bis 15, Januar getrennt sind, Trotz der kurzen 
Dauer der Eisperiode war die Eisbildung hier sehr intensiv, so daß an etwa 
11 Tagen die Segelschiffahrt geschlossen war, Hierbei ist allerdings zu er- 
wägen, daß die Verkehrsverhältnisse im Vergleich zu Hamburg usw. 
gering sind, und daß das Eis nicht durch Eisbrecher in Bewegung gehalten 
wird. Ein Vergleich mit dem vorigen Winter zeigt, daß, trotzdem der Gesamt- 
charakter von 1908/04 strenger. war als derjenige von 1904/05, in diesem 
Winter Amrum und Ellenbogen 11 Tage mit. Eis aufweisen, während sie 
1903/04 gänzlich eisfrei blieben — eine Folge der intensiven Kälteperiode des 
letzten Winters, deren Temperaturminima bedeutend tiefer waren wie im 
vorhergehenden Winter. nn 
]J. Das Elbegebiet. 
Die Dauer der Eisperiode in der Elbemündung 1904/05 ähnelt der- 
jenigen des vorigen Winters; so hatte z. B. Hamburg in diesem Winter 29, 
Altona 31, Glückstadt 17 Tage mit Eis; im Winter 1903/04 Hamburg 29, 
Altona 34, Glückstadt 20 dementsprechende Tage. Das Vorkommen des Eises 
verteilte sich auf die Zeit vom 1.Januar bis 15, Februar 1905; während der ersten 
Periode, welche bis zum 9, Januar reicht, blieb die untere Elbemündung 
(Brunsbüttelkoog bis Neuwerk) eisfrei; die zweite Eisperiode reicht in dem 
unteren Mündungsgebiet (bis Brunshausen) bis Ende Januar, im Gebiet ober- 
halb Brunshausen bis zum 7. Februar. Um die Mitte des Monats Februar 
findet noch eine vorübergehende Eisbildung auf den Watten bei Glückstadt 
statt, ebenso wird bei Cuxhaven loses Eis gesichtet. 
Seitdem die hamburgische und preußische Regierung eine große Anzahl 
von Eisbrechern in Dienst gestellt haben, findet in der Elbemündung kein 
Eisstau mehr statt, da die Eisbrecher einerseits das unterhalb Hamburgs 
befindliche Eis zerkleinern und im Treiben erhalten, anderseits im Hamburger 
Hafengebiet selbst Stopfungen zu beseitigen versuchen und das Eis oberhalb 
aufbrechen. Die Eisverhältnisse in der Elbemündung sind hierdurch immer 
zum Teil abhängig einerseits vom Abtreiben der Eismassen in der unteren 
Elbe nach See, anderseits von der im oberen Flußgebiet aufgebrochenen Eis- 
menge, Außer diesem sind es in der Hauptsache (außer der Temperatur) drei 
Momente, welche die Eisverhältnisse in der Unterelbe zu einer gegebenen Zeit 
bedingen: die Tiden, die Winde nach Richtung und Stärke und die durch 
die letzteren bedingte relative Höhe des Wasserstandes, 
Die Abhängigkeit von oben genannten Faktoren wird sehr anschaulich 
durch die in den Tageszeitungen erscheinenden Berichte über die Eisverhältnisse 
in den Hamburger Häfen, von denen einige Auszüge angeführt werden. ; 
Am 19. Januar: »Der Eisgang auf der Elbe, nicht nur im Hafen und auf der Oberelbe, 
sondern auch auf der Unterelbe, beginnt jetzt schwer zu werden, Der frische östliche Wind,, der 
das Eis glatt zur Abtrift brachte, ist abgeflaut. Das Eis beginnt sich jetzt aufzustauen. In der letzten 
Nacht waren die Eisstauungen vor dem Baakenhafen usw. ganz besonders stark. Dort saßen während 
der ganzen Nacht bis heute nachmittag um 4 Uhr, als die Ebbe einsetzte, die das Eis zur Abtrift 
brachte, mehrere große Schleppdampfer fest. Die Eisbrecher waren hier unausgesetzt tätig, konnten 
aber ‚keine Bewegung in die Eismassen hineinbringen, da die Flut das von der Unterelbe aufwärts 
kommende Eis mehr und mehr vor den Häfen zusammenschob.« 
Am 20. Januar: »Der Eisgang der Elbe hat sich im hiesigen Hafen etwas gebessert. 
Der schärfer gewordene Ostwind treibt die Eismassen schnell nach der Unterelbe und hindert sie 
vor der Auftrife während des Flutstromes. Von der Oberelbe trifit jetzt nur sehr wenig Eis ein, 
da das Treibeis oberhalb zum. Stillstand gekommen ist. Das Eis auf der Unterelbe nimmt mächtig 
zu, so daß die Segelschiffahrt streckenweise nur noch mit Hilfe der Schleppdampfer möglich ist.« 
Am 26. Januar: »Durch hohen Wasserstand ist sämtliches Eis, welches auf der Unter- 
elbe am’ Strande trocken gelegen hat, zum Schwimmen gekommen und wurde mit der Flut nach 
hier getrieben, so daß im Hafen schwerer Eisgang herrschte, « 
Am 1, Februar: »Von etwa 2 Uhr nachmittags an hatten wir Sturm und Flut. Das 
Treibeis der Unterelbe schien so weit stromaufwärts getrieben, daß der Elbstrom bei Blankenese 
nahezu eisfrei war. Etwas weiter stromaufwärts, von Nienstedten an, staute sich das Eis. Von 
Finkenwärder bis zum Hamburger Hafen waren Anhäufungen, die bis zu 15 Fuß Tiefe gingen. 
Kleineren Seedampfern war es unmöglich, durch das Eis hindurchzudringen; vorden Kuhwärder- 
Häfen saßen etwa 20 Schleppdampfer im Eise fest.«
	        
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