306 Annalen der Hrdrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1905.
in Bodenschichten Temperaturen unter 0° im Sommer (und eine eigentüm-
liche Kaltwasser-Fauna),
Nach diesen kurzen Angaben über die jährlichen Temperaturverände-
rungen im Europäischen Eismeer gehe ich zu einer flüchtigen Übersicht der
Salzgehalt-Veränderungen über.
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Im großen und ganzen verlaufen diese Veränderungen auf folgende
Weise:
Mit dem Eintreten des Winters nimmt der Zufluß des Süßwassers vom
Land immer mehr ab; dabei sind nicht nur diejehigen Veränderungen geltend,
welche auf den Küsten des Eismeeres selbst vor sich gehen, sondern auch die
Veränderungen in weit entfernten Gebieten. Je größer nämlich der Zufluß
des Süßwassers an den Westküsten Europas ist, desto geringer muß der Salz-
yehalt des Nordkapstroms sein. Gleichzeitig nimmt auch das Eisschmelzen
ab, hört dann auf großen Strecken auf und wird durch Eisbildung ersetzt.
Dies alles muß natürlich eine Zunahme des Salzgehalts, besonders in den
oberen Schichten hervorrufen. Zur selben Zeit tritt eine weitere sehr wichtige
Veränderung ein: je mehr der Zufluß des Süßwassers abnimmt, je mehr Eis
sich bildet, desto kleiner wird die Differenz des Salzgehalts in verschiedenen
Schichten und zunächst in den oberen Schichten. Dadurch entstehen mit der
fortwährenden Abkühlung des Wassers von oben immer günstigere Verhältnisse
für die vertikale Zirkulation und demzufolge wird der Salzgehalt gleich-
mäßiger. Am Ende des Winters finden wir den höchsten Salzgehalt, welcher