Knipowitsch, N.: Hydrologische Untersuchungen im Europäischen Kismeer. 305
Unweit davon (65° 51’ N-Br., 35° 38’ O-Lg.) war die Temperatur am
36. August 1900 in der Tiefe von 263 m ebenfalls — 1,6°.
Im nordwestlichen Teil des Weißen Meeres beobachtete N. Smirnow:
Tiefe in MM 001000004404 0 * 10 25 “ 50 1.00 150 200
t° am 13. V.1902 111... 02—14 —16 —15 —15 —14 —15 —_
t° am 7. VL.1902 ..... 4 +06 —13 —14 — 1,3 —1.4 — 15 — 1.4
In den südlichen Golfen des Weißen Meeres, besonders aber im Golf
von Onega findet eine starke Erwärmung im Sommer statt; in der Tiefe von
30-—35 m kann man zuweilen im Juli und August Temperaturen von über
8°, sogar über 9° beobachten. Besonders stark ist die Erwärmung der Ober-
flächen-Schichten an den Küsten,
Das kalte nördliche Gebiet zeigt sehr mannigfaltige Temperaturver-
hältnisse; Fortsetzungen der Zweige des Nordkap-Stroms in der Form von
Unterströmungen, kalte Strömungen, Fortsetzungen. des Nord-Polar-Bassins
verursachen, wie wir sahen, ein sehr buntes Bild der hydrologischen Verhält-
nisse. Im ganzen sind in den tiefen Schichten niedrige Temperaturen, meist
unter 0°, gewöhnlich unter — 1° vorherrschend. Im Sommer werden die
oberen Schichten beträchtlich erwärmt, besonders in südlichen. Teilen des
Gebiets, während im Winter die Temperatur hier sehr stark sinkt und durch
starke vertikale Zirkulation mächtige Schichten mit ganz gleichförmiger
Temperatur entstehen. Diese gleichförmige Temperatur, welche ungefähr dem
Gefrierpunkt entspricht, erstreckt sich bald bis zum Boden, bald bis zu den
salzreichen Bodenschichten. Als ein gutes Beispiel des letzten Falls kann
folgende Serie am 30. März 1901 unter 71° 13’ N-Br., 37° 51’ O-Lg. dienen:
Tiefe in m ..... 0 10 25 50 100 150 200 250
Be HH L9 19 2—19 —19 —19 —19 —18 ’—12
Salzgehalt & .... 34.60 34.83 34.85 34.85 34.85 34.85 34.85 34.94
Abgesehen von einer dünnen oberen Schicht, wo durch Eisschmelzen
der Salzgehalt etwas vermindert war, finden wir hier eine mächtige Schicht
von Wasser mit gleichförmiger Temperatur und Salzgehalt, während die salz-
reichere Bodenschicht, die von der vertikalen Zirkulation unberührt bleibt,
höhere Temperatur bewahrt,
Was die kalten Strömungen an den Küsten von Nowaja Semlja an-
betrifft, so finden wir in der kalten salzreichen Bodenströmung immer sehr
niedrige Temperaturen, während in der oberen kalten Strömung, der eigent-
lichen Lütke-Strömung, die Temperatur der oberen Schichten im Sommer
ziemlich stark steigt.
Da in der Verbreitung der Sommer-Erwärmung nach unten die Be-
wegung des Wassers die größte Rolle spielt, so können wir schon a priori
erwarten, daß in denjenigen Teilen des Meeres, welche durch eine unter-
seeische Barriere abgetrennt sind, dieser Prozeß sehr langsam und unvoll-
ständig sein muß.
Ein gutes Beispiel davon gibt uns der Hafen Jekaterininskaja (Katha-
rinen-Hafen) im Kola-Fjord (Fig. 3). Dies ist ein Sund zwischen der
Westküste des Fjords und ‘der Insel Jekaterininskij, welcher am südlichen
Ende durch eine Landenge, die nur während der Flut vom Wasser bedeckt
wird, am nördlichen durch einen relativ seichten Eingang in den Hafen vom Kola-
Fjord abgesperrt wird. Während in den oberen Schichten große Sommer-
erwärmung und große jährliche Temperatur-Amplituden beobachtet werden;
sind die Temperaturveränderungen in der Tiefe von 30—45 m sehr gering,
In diesen tiefen Schichten kann man zuweilen im ganzen Sommer Tempera-
turen unter 0° beobachten. Erwähnenswert ist außerdem, daß die maximale
Erwärmung in der Tiefe von etwa 35 m hier ungefähr um drei Monate sich
verspätet gegen das, was man an der Oberfläche beobachtet, also ebenso viel
wie in der Tiefe von etwa 200—250 m im angrenzenden Meer.
Ein anderes Beispiel ist eine Bucht (Dolgaja oder Glubokaja Guba) auf
der Insel Solowetzkij (Ssolowetzkij), die mit dem Meer durch einen engen und
seichten Eingang verbunden ist. . Trotz der geringen Tiefe finden wir hier
Ann. d. Hydr. ete., 1905, Heft VIL