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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Knipowitsch, N.: Hydrologische Untersuchungen im Europäischen Eismeer, 303 
Noch eine Tatsache scheint mir besondere Erwähnung zu verdienen: 
im Laufe der Arbeiten der Murman-Expedition beobachteten wir ungefähr 
unter 691/,° N-Br. und 33—34° O-Lg. kein einziges Mal Temperaturen unter 
0°, sogar im Jahre 1903, als das Eis an der Murmanküste eine außerordent- 
lich große Verbreitung zeigte. N. Andrejew behauptet, daß er mehrmals längs 
der ganzen Murmanküste Temperaturen unter 0° beobachtete, Seine Angaben 
scheinen im höchsten Grad zweifelhaft zu sein, um so mehr, als sie zum Teil 
mit anderen (gleichzeitigen) Beobachtungen im schroffen Widerspruch stehen. 
Wir haben schon gesehen, daß die jährliche Temperatur-Amplituden im 
Gebiet vor dem Eingang in den Golf Motowskij sehr beträchtlich sein können, 
Für die Periode von Temperatur-Maxima im Jahre 1898 bis Temperatur- 
Minima im Jahre 1899 können wir folgende Amplituden annehmen: 
Tiefe in m....... 0 10 25 50 100 150 200 250 
Temperatur-Amplitude 91/,—10° 8,5° 0. 8° 6.89 6.0° 5.6° 5.1° 4.8° 
Ungefähr dasselbe, d.h. relativ große Erwärmung und Abkühlung der 
tiefen Schichten und große jährliche Amplituden finden wir auch in anderen 
Teilen des Küsten-Gebiets längs der Nordküste der Kola-Halbinsel. An dem 
östlichen Ende der Küste sind die Verhältnisse insofern verschieden, als hier 
eine sehr starke Abkühlung aller Schichten im Winter stattfindet und die 
Temperatur beträchtlich unter 0° sinkt. . 
Am größten sind die jährlichen Temperatur-Amplituden, wie man schon 
a priori erwartem kann, da, wo der. Einfluß der Küsten sich am stärksten 
kundgibt, d. h. in tief einschneidenden Fjorden, . 
Ich habe schon vorher eine Serie aus dem Gebiet vor dem Eingang in den 
Kola-Fjord angeführt, Die Temperatur in der Tiefe von 247 m betrug am 
25. Oktober 1898 -+5.8°. Ich lasse jetzt einige Serien aus dem nördlichen 
Teil dieses Fjords folgen, um dem Leser die Möglichkeit zu gewähren, sich 
eine genaue Vorstellung über die Temperatur-Amplituden in tiefen Schichten 
des Fjords zu bilden, ; 
Am 28. November 1899 beobachtete man unter 69° 11’ 30” N-Br. und 
33° 32’ O-Lg.: ; ; 
Tiefe inm ....- 0. 25 50 100 150 200 250 280 
Base a.s..00 FLO +51 457 +54 +55 +55 +56 +57 
Am 10. Januar 1900 unter 69° 13’ N-Br. und 33° 34’ O-Lg. war die 
Temperatur: 
Tiefe in m... 0 25 50 100 150 200 250. 275 
bO ..0007 41285 +305 +3,25 +3,45 +43 +47 4.7 +49 
Die niedrigsten Temperaturen (mit Ausnahme der Oberfläche, wo man 
zuweilen — wenn Eis vorhanden ist — auch die Temperaturen unter 0° finden 
kann) wurden hier ungefähr unter 69° 13'/,’ N-Br. und 33° 33’ O-Länge am 
1. Mai 1900 beobachtet: 
Tiefe in M ....0.00.0044 0 50 100 150 200 290 
. era e  E07 05 +04 05 +03 04 
Da die niedrigste beobachtete Temperatur in tiefen Schichten -} 0.3° 
betrug und die höchste + 5.7°, so müssen wir für die Tiefe von fast 300 m 
(280—290 m) eine jährliche Amplitude von mindestens 5.4° annehmen. Für 
eine so beträchtliche Tiefe ist dies eine auffallend hohe Amplitude. 
Je mehr ein Teil des Meeres vom Festland umgeben ist, desto deut- 
licher muß natürlich caeteris paribus der zweierlei Einfluss der Küsten 
sich bemerkbar machen, d.h. die starke Erwärmung während des warmen 
Teils des Jahres und die starke Abkühlung im Winter, Im engen und tiefen 
Fjord Ura, nicht weit vom Eingang in den Fjord Motowskij beobachtete man 
am 14. Mai 1900 folgende Verteilung der Temperatur: 
Tiefe in Mm .....-,. 0... 0 25 50 100 150 200 220 
Break 40.9 + 0.7 +07 +04 +0.1 —+0.1 +0.1] 
Die Temperatur sank also im Winter ungefähr bis 0° und die jähr- 
liche Amplitude muß wahrscheinlich noch beträchtlicher sein, als im nörd- 
lichen Teile des Kola-Fijords.
	        
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