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Annalen der Hydrographie und Maritimenm Meteorologie, Juli 1905.
Da die hydrologischen Verhältnisse in jedem Gebiete sowie in einem
jeden Punkt im Laufe des Jahres einer Reihe von Veränderungen unterworfen
sind, die außerdem in verschiedenen Jahren nicht identisch sind, so ist eine
genaue tiefgreifende Kenntnis der physikalischen Geographie erst dann möglich,
wenn wir den jährlichen Gang der Veränderungen in einer Reihe von Jahren
ganz genau kennen. KEingehende Untersuchungen über die jährlichen Ver-
änderungen der Temperatur und des Salzgehaltes haben die größte Bedeutung
sowohl für die Ozeanographie, wie auch für die Biologie des Meeres; nur
durch solche Untersuchungen gelangen wir zu einer richtigen Vorstellung über
das Meeresklima.
Das hydrologische Material, welches wir benutzen können, um den jähr-
lichen Gang der hydrologischen Veränderungen festzustellen, ist leider sehr
ungleichmäßig. Für gewisse Gebiete oder sogar Punkte besitzen wir sehr viele
Angaben (besonders über die Temperatur), welche alle Jahreszeiten, sowie
eine Reihe von Jahren umfassen; für andere sind die Angaben viel spärlicher.
Oft fehlen die Beobachtungen während eines großen Teils des Jahres; dies ist
besonders in denjenigen Gebieten der Fall, wo große Massen von Treibeis vor-
kommen. Zuweilen können wir eine genaue Vorstellung über die hydrologi-
schen Verhältnisse im Winter auf Grund der theoretischen Betrachtungen
bilden, in anderen Fällen kann auch diese Möglichkeit fehlen.
Die besten, zuverlässigsten Resultate über den Gang der hydro-
logischen Veränderungen bekommen wir, wenn die Beobachtungen ungefähr
an demselben Punkt, oder richtiger, in demselben kleinen Areal ausgeführt
werden. Sind die Beobachtungspunkte in einem gewissen Gebiete weiter von-
einander entfernt, so entsteht eine wichtige Fehlerquelle, denn wir können
nicht immer entscheiden, was wir als Resultat der jährlichen Veränderungen
und was als Resultat der verschiedenen Lage der Beobachtungspunkte be-
trachten sollen,
Selbstverständlich kann ich in der vorliegenden kurzen Abhandlung auf
die Einzelheiten nicht eingehen. Ich will nur die wichtigsten Resultate der
Untersuchung für einige typische Punkte und Gebiete anführen.
Ich fange mit den Temperaturveränderungen an, Eine graphische Dar-
stellung des jährlichen Ganges der Temperaturveränderungen findet der Leser
in den Textfiguren,
Das beste Material, welches uns zur Zeit zur Verfügung steht, bezieht
sich auf das Murmansche Küstengebiet (besonders vor dem Eingang in den
Fjord Motowsky und im Hafen der Stadt Alexandrowsk), sowie auf gewisse
Punkte auf dem Meridian des Kola-Fjords.
Als Ausgangspunkt wähle ich die Beobachtungen vor dem Eingang in
den Fjord Motowsky (zwischen der Fischer-Halbinsel = Halbinsel Rybatschy
und dem Festland), ungefähr unter 69!/, N-Br. und 33—34- O-Lg. In neben-
stehender Fig. 1 ist der Gang der Temperaturveränderungen in diesem Gebiet
und zwar in den Tiefen von 0, 10, 25, 50, 100, 150, 200 und 250 m für die
Periode von Juni 1898 bis Juli 1901 graphisch dargestellt worden. Da die
Beobachtungen nicht an demselben Punkt ausgeführt wurden, sondern in einem
ziemlich großen Gebiet, in welchem die Verhältnisse selbstverständlich nicht
identisch sind, so zeigen die Beobachtungen viele Unregelmäßigkeiten. Diese
Unregelmäßigkeiten müssen um so größer sein, als das Gebiet erstens in der
Nähe von Küsten, zweitens vor den Mündungen der Fjorde liegt; die
wechselnde Wirkung der Küstenfaktoren, die Gezeitenströmungen, welche bald
das Meerwasser in die Fjorde, bald das Fjordwasser nach außen führen, — dies
alles übt auf die Temperatur einen sehr großen Einfluß. Unsere Kurven
erläutern daher nur den allgemeinen Gang der Temperaturveränderungen,
Wie wir aus unseren Kurven sehen können, fängt die Temperatur an der
Oberfläche schon in April—Mai an zuzunehmen und in Juli— August erreicht sie
ihr Maximum; dann folgt ein langsames allmähliches Sinken der Temperatur
bis Februar— März. Wenden wir uns nun zu tieferen Schichten, so bemerken
wir sogleich eine Verspätung in dem Eintreten der Maxima und Minima.,
Relativ gering, aber doch merklich in der Tiefe von 10 m, wächst die Ver-