Knipowitsch,”N.: Hydrologische Untersuchungen im Europäischen Eismeer. 299
Noch lehrreicher sind einige Beobachtungen der Norwegischen Nord-
atlantischen Expedition im. Jahre 1878!). Am Ende Juni und Anfang Juli hat
diese Expedition eine Reihe von Beobachtungen im Barents-Meer ausgeführt,
welche uns ein klares Bild der Temperaturverhältnisse geben. Nehmen wir
zunächst 8 Stationen Nr. 267 und Nr. 269 bis 275, ©
Station . ... 4
Breite, N-Br. . . a
Länge, O-L. . .
"Tiefe in m
>
)
S
A
22
207
219
238
249
252
269
271
274
293
333
2360
Nr. 267 | Nr. 269
Nr. 270
71° a2 zz 11 72° 27
370 017 | 360 40 | 350 01
+24
43.6
E38
| T 2,6 |
1.7
1.0
TI
rt” A
44,1
L2.6
41,8
06
1.5
Lö5
05 |
— 07
— 1.3
2
00
E
Nr. 271
Nr. 272
Nr. 273
Nr. 274 | Nr. 275
72° 38 1 11’ | 730 25 730 46 | 74° 08
33° 50 | 33° 03 I31° 30 | 31° 16 | 81° 12
Temperatur °
+4 4,5
140
14.9
+37
4-3.7
13%
„3,2
4 3.0°
129
12.7
418
+ '0.0
A229
139 | +47
1239| —
1 +40
+35
43.1
129°
+28
2.7
42,6
124
E21
1.0
_02
1.2.7
+26
41.7
1135
427
4917
Auf den ersten Blick macht diese Reihe von Temperaturbeobachtungen
einen sehr sonderbaren Eindruck, ‘Aber sobald wir die Lage einzelner
Stationen auf der hydrologischen Karte näher ins Auge fassen, so finden wir
wieder die uns nach den neuen Beobachtungen ‘klar gewordenen Verhältnisse:
St. Nr. 267 liegt bei der Grenze der Murman-Strömung, St. Nr. 269 im nördlichen
kalten Gebiet, St. Nr. 270 im zweiten Zweig der Nordkapströmung unweit von
demjenigen Teil, wo der Zweig von kalten Schichten bedeckt wird, St. Nr. 271
in demselben Zweig weiter nach Westen, St. Nr. 272 im Grenzgebiete zwischen zwei
mittleren Zweigen des‘ Nordkapstroms, St. Nr. 273 und 274 im dritten Zweig,
St. Nr. 275 am Nordrand desselben. Ebensogut stimmen mit den neuen Beob-
achtungen auch andere Stationen im Barents-Meer. ;
Aus dem Gesagten. können wir den Schluß ziehen, daß das allgemeine
hydrologische Bild unseres Untersuchungsgebiets jahraus, jahrein im großen
ganzen unverändert bleibt. Da die Verteilung der Strömungen und der ver-
schiedenen hydrologischen Gebiete in erster Linie von dem Bodenrelief ab-
hängig. ist, so müssen wir annehmen, daß wesentliche Veränderungen der
allgemeinen hydrologischen Verhältnisse nur durch große geologische Verände-
rungen hervorgerufen werden. :
IV. Jährliche Veränderungen der Temperatur und des Salzgehaltes.
In dem vorhergehenden Kapitel haben wir. das allgemeine -hydrologische
Bild unseres Untersuchungsgebiets . kennen gelernt. Wir konnten dabei eine
außerordentliche Mannigfaltigkeit der hydrologischen Verhältnisse im Euro-
päischen Eismeer feststellen. . Wir fanden eine Reihe von hydrologischen Ge-
bieten mit wesentlich verschiedenen physikalisch-geographischen Verhältnissen;
außerdem zeigten verschiedene Teile ein und desselben Gebiets zuweilen mehr
oder weniger große oder sogar sehr wesentliche Unterschiede.
NH Mahn. WNarcdhavets Drhder ete.