accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

299 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1905. 
bis sie ungefähr unter 72° N-Br. und 48° bis 48'/,° O-Lg. auf den Rand der 
Kontinentalstufe Nowaja Semljas stößt und nach Norden umbiegt. Zwischen 
73° und 74° N-Br., in anderen Jahren schon zwischen 72° und 73° N-Br., wird die 
Fortsetzung der Murman-Strömung, welche wir hier als warme Nowaja-Semlja- 
Strömung bezeichnen können, von kalten salzarmen Wasserschichten bedeckt 
und sinkt zu Boden, indem ihre Temperatur stark abnimmt. Das eben 
Gesagte bezieht sich auf die Sommermonate; im Winter, und zwar am Ende 
desselben, wird die Strömung ohne Zweifel viel früher von kalten Schichten 
bedeckt. 
Der größere nördliche Teil des Nordkapstromes spaltet sich bald in 
drei Zweige, was ebenfalls durch das Bodenrelief hervorgerufen wird: das 
Bett der Strömung wird durch zwei bedeutende Erhebungen des Meeres- 
bodens eingeteilt. 
Der nördlichste Zweig hat eine Richtung nach Nordosten und nimmt eine 
tiefe Rinne längs des südöstlichen Randes des Plateaus der Bären-Insel ein. 
Auf dem Meridian des Kola-Fjords finden wir diesen Zweig nördlich von 
75° N-Br., und zwar ungefähr von 75° 10’ N-Br. an; nach Norden wurde der- 
selbe hier bis 75° 55’ N-Br. verfolgt, ohne die Nordgrenze zu erreichen. Das 
relativ warme salzreiche Wasser des nördlichsten Zweiges wird bald von 
kalten und salzarmen Schichten bedeckt, und schon auf dem Meridian des 
Kola-Fjords erscheint dieser Zweig (nach den Beobachtungen im Ende Juli 1901 
und in der Mitte August 1902) als warme Unterströmung. Selbstverständlich 
muß die Grenze, an der das warme Wasser des Zweiges die Oberfläche ver- 
läßt und von kalten Schichten bedeckt wird, sich je nach den Jahreszeiten bald 
mehr nach Nordosten und Norden, bald in entgegengesetzter Richtung ver- 
schieben. Wahrscheinlich spielen hier auch Unterschiede verschiedener Jahre 
eine gewisse Rolle. Wir können annehmen, daß die Grenze am weitesten 
nach Norden und Nordosten spät im Herbst zurücktritt, Direkte Beobach- 
tungen fehlen, 
Was den weiteren Verlauf des nördlichsten Zweiges anbetrifft, nachdem 
derselbe sich in eine Unterströmung verwandelt hat, so besitzen wir leider 
keine kontinuierliche Reihe von Beobachtungen. Ein eingehendes Studium 
des Bodenreliefs sowie vereinzelte Beobachtungsserien gestatten uns indessen, 
eine klare Vorstellung darüber zu bilden. 
Durch Betrachtung der bathymetrischen Karten von Prof, Nansen‘) 
können wir uns überzeugen, daß den südöstlichen Rand des Plateaus ent- 
lang, auf welchem die Bären-Insel und und die Hoffnungs-Insel (Hope Island) 
sich erheben, beträchtliche Tiefen von über 350 m weit nach Norden sich 
erstrecken. Ungefähr unter 30°” bis 32‘ O-Lg. und 75'!/, bis 76- N-Br. finden 
wir sogar Tiefen von über 400m (403, 410, 411 und 418 m). Ungefähr unter 
76’ N-Br. und etwas nördlich davon teilt sich die tiefe Rinne in zwei be- 
trächtlich seichtere. Eine davon erstreckt sich in der Richtung nach Nord- 
westen und begrenzt das Plateau der Bären-Insel und der Hoffnungs-Insel von 
Nordosten; ungefähr unter 77-N-Br. und 29- O-Lg. finden wir hier noch die 
Tiefen von 292 und 303 m. Eine andere Rinne mit Tiefen von über 250m 
erstreckt sich nach Ostsüdosten und mündet in dem tiefen östlichen Teil des 
Barents-Meeres. Es ist klar, daß der nördlichste Zweig des Nordkap- 
stromes sich in zwei neue Zweige teilen muß, von denen der eine den 
Nordostrand des erwähnten Plateaus (als Unterstrom) bespült, der andere einen 
großen Teil des Wassers (ebenfalls als Unterstrom) nach dem östlichen Teil des 
Barents-Meeres führt. Über den ersteren besitzen wir keine direkten Beob- 
achtungen, es ist sehr wahrscheinlich, daß sein Wasser weiter nach Nordwesten 
sich mit dem Wasser des südspitzbergischen Golfstromes vermischt und daß 
dadurch das Plateau der Bären-Insel und der Hoffnungs-Insel von allen Seiten 
mit Zweigen des Golfstromes umgeben wird, 
*} Fridtjof Nansen. The Oceanography of the North Polar Basin. Tafel II. 
Derselbe. "Che bathyrmetrical features of the North Polar Seas, with a discussion of the 
continental shelves and previous oscillations of the shore-line. The Norwegian North Polar Expe- 
dition 1893—18596. Vol. IV, XIN. 1904. Tafel II.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.