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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Heidke, P.: Einfluß des Windes auf die Fahrt von Dampfern. 
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Wache nicht gestellt war, d. h., wenn der Dampfer die angegebene Strecke in 
vier Stunden zurückgelegt hatte. War die Uhr gerückt worden, so wurde die 
im Journal angegebene Distanz! in gehöriger Weise reduziert, 
Bei den Dampfern Nr. 1, 2, 3, 5, 6, 9 war die Zeit, um die die Uhr 
gestellt war, unmittelbar aus dem Journal zu entnehmen; hingegen mußte sie 
bei den Dampfern Nr. 3,7, 8 erst aus der täglichen Längenänderung berechnet 
werden. Da es nun nicht immer, namentlich bei den höheren Windstärken, 
möglich war, mit Sicherheit festzustellen, um wieviel in der Wache der Stand 
der Uhr verändert war, wenn sie zweimal am Tage gestellt war, so können 
hierdurch zuweilen Fehler entstanden ‘sein. Indessen dürften sich diese bei der 
Mittelbildung zum größten Teil wieder herausgehoben haben, da die Wind- 
richtungen und -stärken auf See meist nur ziemlich langsamen Änderungen 
unterworfen sind und die Gesamtänderung der Zeit in 24 Stunden durch die 
Änderung der Länge mit genügender Genauigkeit festgelegt war, 
Eine nicht zu umgehende Notwendigkeit war es, unter den vorliegenden 
Beobachtungen eine Auswahl zu treffen. Zunächst wurden die Beobachtungen 
derjenigen Wachen vernachlässigt, in denen sich die Richtung des Windes um 
mehr als 2 Strich, die Stärke um mehr als 2 Grade der Beaufortskala ge- 
ändert hatte. Infolgedessen fielen auch die sämtlichen.bei mallenden Winden 
gemachten Beobachtungen fort, Als vorteilhaft erwies es sich ferner, nur die 
Beobachtungen ‚zu benutzen, die zwischen 10° und 70° W, Lg. von Greenwich 
gemacht waren, wodurch sämtliche in der Nähe des Landes gemachte Beob- 
achtungen in Fortfall kamen. 
Fuhr ein Schiff in einer Wache mit reduzierter Fahrt oder stoppte es 
zeitweise, so wurde diese Beobachtung nur dann benutzt, wenn die Redu- 
zierung wegen zu starken Windes erfolgt war. ; 
Schließlich wurden noch die Beobachtungen der Wachen weggelassen, 
in denen die See aus einer anderen Richtung lief als der Wind wehte. 
Zusammenstellung der Einzelbeobachtungen. 
Nach der Gewinnung aus den Journalen wurden die Beobachtungen 
entsprechend dem aus Tabelle I ersichtlichen Schema zusammengestellt. Hierbei 
ist zu bemerken, daß es sich trotz der großen Anzahl der Einzelbeobachtungen 
nicht als möglich erwies, die Arbeit in dem ursprünglich geplanten Sinne 
durchzuführen, nämlich die Abhängigkeit der Dampfergeschwindigkeit von 
der Windrichtung von 2 zu 2 Strich zu ermitteln. 
Der Einfluß der zahlreichen Fehlerquellen war auch in den Mittel- 
werten noch so stark, daß eine Zusammenfassung. sich als notwendig erwies 
derart, daß 
L. die bei Gegenwind — Winkel zwischen Kurs- und Windrichtung 0, 2, 4 Strich — 
2. die bei Seitenwind — Winkel zwischen Kurs- und Windrichtung 6, 8, 10 Strich — 
3. die bei Mitwind — Winkel zwischen Kurs- und Windrichtung 12, 14, 16 Strich — 
gemachten Beobachtungen vereinigt werden und erst dann die Berechnung 
der mittleren Fahrtgeschwindigkeit erfolgte. 
Diese Einteilung in Gegen-, Seiten- und Mitwinde behält auch dann 
noch ihre Richtigkeit, wenn man die Fehler berücksichtigt, welche bei der 
Schätzung des Windes an Bord gemacht werden, Durch eine‘ auf der See- 
warte angestellte Untersuchung!) ist nachgewiesen worden, daß auf deutschen 
Schiffen der Wind im Durehschnitt um 0,3 bis 0,4 Strich zu weit vorlich 
geschätzt wird. Wie bereits in jener Arbeit bemerkt, . ist diese Korrektion 
viel zu klein, als daß sie bei Einzelbeobachtungen berücksichtigt werden 
könnte, wohl aber ist ihre Anbringung bei Mittelwerten angezeigt, wie sie in 
dieser Arbeit vorliegen. - Indessen ergibt sich, daß die Einteilung der Beob- 
achtungen nach Gegen-, Seiten- und Mitwinden auch. bei Anbringung der 
Korrektion ihre Richtigkeit behält, wenn man definiert als Gegen-, Seiten- 
1) Siehe '»Fehler in der Schätzung der Windrichtung und Windstärke auf Dampfern«, 
Annalen der Hydrographie usw. 1902. S. 371.
	        
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