Heidke, P.: Einfluß des Windes auf die Fahrt von Dampfern.
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Wache nicht gestellt war, d. h., wenn der Dampfer die angegebene Strecke in
vier Stunden zurückgelegt hatte. War die Uhr gerückt worden, so wurde die
im Journal angegebene Distanz! in gehöriger Weise reduziert,
Bei den Dampfern Nr. 1, 2, 3, 5, 6, 9 war die Zeit, um die die Uhr
gestellt war, unmittelbar aus dem Journal zu entnehmen; hingegen mußte sie
bei den Dampfern Nr. 3,7, 8 erst aus der täglichen Längenänderung berechnet
werden. Da es nun nicht immer, namentlich bei den höheren Windstärken,
möglich war, mit Sicherheit festzustellen, um wieviel in der Wache der Stand
der Uhr verändert war, wenn sie zweimal am Tage gestellt war, so können
hierdurch zuweilen Fehler entstanden ‘sein. Indessen dürften sich diese bei der
Mittelbildung zum größten Teil wieder herausgehoben haben, da die Wind-
richtungen und -stärken auf See meist nur ziemlich langsamen Änderungen
unterworfen sind und die Gesamtänderung der Zeit in 24 Stunden durch die
Änderung der Länge mit genügender Genauigkeit festgelegt war,
Eine nicht zu umgehende Notwendigkeit war es, unter den vorliegenden
Beobachtungen eine Auswahl zu treffen. Zunächst wurden die Beobachtungen
derjenigen Wachen vernachlässigt, in denen sich die Richtung des Windes um
mehr als 2 Strich, die Stärke um mehr als 2 Grade der Beaufortskala ge-
ändert hatte. Infolgedessen fielen auch die sämtlichen.bei mallenden Winden
gemachten Beobachtungen fort, Als vorteilhaft erwies es sich ferner, nur die
Beobachtungen ‚zu benutzen, die zwischen 10° und 70° W, Lg. von Greenwich
gemacht waren, wodurch sämtliche in der Nähe des Landes gemachte Beob-
achtungen in Fortfall kamen.
Fuhr ein Schiff in einer Wache mit reduzierter Fahrt oder stoppte es
zeitweise, so wurde diese Beobachtung nur dann benutzt, wenn die Redu-
zierung wegen zu starken Windes erfolgt war. ;
Schließlich wurden noch die Beobachtungen der Wachen weggelassen,
in denen die See aus einer anderen Richtung lief als der Wind wehte.
Zusammenstellung der Einzelbeobachtungen.
Nach der Gewinnung aus den Journalen wurden die Beobachtungen
entsprechend dem aus Tabelle I ersichtlichen Schema zusammengestellt. Hierbei
ist zu bemerken, daß es sich trotz der großen Anzahl der Einzelbeobachtungen
nicht als möglich erwies, die Arbeit in dem ursprünglich geplanten Sinne
durchzuführen, nämlich die Abhängigkeit der Dampfergeschwindigkeit von
der Windrichtung von 2 zu 2 Strich zu ermitteln.
Der Einfluß der zahlreichen Fehlerquellen war auch in den Mittel-
werten noch so stark, daß eine Zusammenfassung. sich als notwendig erwies
derart, daß
L. die bei Gegenwind — Winkel zwischen Kurs- und Windrichtung 0, 2, 4 Strich —
2. die bei Seitenwind — Winkel zwischen Kurs- und Windrichtung 6, 8, 10 Strich —
3. die bei Mitwind — Winkel zwischen Kurs- und Windrichtung 12, 14, 16 Strich —
gemachten Beobachtungen vereinigt werden und erst dann die Berechnung
der mittleren Fahrtgeschwindigkeit erfolgte.
Diese Einteilung in Gegen-, Seiten- und Mitwinde behält auch dann
noch ihre Richtigkeit, wenn man die Fehler berücksichtigt, welche bei der
Schätzung des Windes an Bord gemacht werden, Durch eine‘ auf der See-
warte angestellte Untersuchung!) ist nachgewiesen worden, daß auf deutschen
Schiffen der Wind im Durehschnitt um 0,3 bis 0,4 Strich zu weit vorlich
geschätzt wird. Wie bereits in jener Arbeit bemerkt, . ist diese Korrektion
viel zu klein, als daß sie bei Einzelbeobachtungen berücksichtigt werden
könnte, wohl aber ist ihre Anbringung bei Mittelwerten angezeigt, wie sie in
dieser Arbeit vorliegen. - Indessen ergibt sich, daß die Einteilung der Beob-
achtungen nach Gegen-, Seiten- und Mitwinden auch. bei Anbringung der
Korrektion ihre Richtigkeit behält, wenn man definiert als Gegen-, Seiten-
1) Siehe '»Fehler in der Schätzung der Windrichtung und Windstärke auf Dampfern«,
Annalen der Hydrographie usw. 1902. S. 371.