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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

‚Walther: Die englische Südpolar-Expedition und ihre Ergebnisse, 977 
gestellt: worden; diese Entdeckungen lassen die zum Teil etwas zweifelhaften 
Landfeststellungen zwischen Kaiser Wilhelm II.-Land und Kap Adare ebenfalls 
als vorhanden erscheinen, ebenso das Kemp- und Enderby-Land nach Westen 
zu. Daß alle diese Landfeststellungen die Küste. eines Festlandes darstellen, 
ist im höchsten Maße wahrscheinlich. ; 
Nach Scotts Annahme hängt nun das Vietoria-Land nicht‘ nur mit 
dieser Küste zusammen, sondern sogar mit dem Graham-Land auf der ent- 
gegengesetzten Seite des Südpols, so daß hiermit die Formation eines Süd- 
Kontinents, allerdings. mit zwei großen Lücken Östlich und westlich von 
Graham-Land, gegeben wäre. 
Die Frage, ob das von Scott entdeckte King Edward VII.-Land eben- 
falls mit zu diesem Festlande gehört oder eine Insel ist, bleibt noch ungeklärt. 
In ersterem Falle würde das Roß-Meer eine große Meeresbucht bilden, deren 
südlicher Teil von Eis dauernd ausgefüllt wird, welches nach Norden mit der 
Eisbarriere abschließt, - Daß die Eisbarriere jedenfalls kein vorgeschobenes 
Festlandeis ist, hat die Schlitten-Expedition nach dorthin erwiesen und ist 
auch bereits von Borchgrevink: ausgesprochen worden.‘ ; 
Das Eisfeld ist nun nach Scott im Zurückweichen begriffen und zwar 
beträgt das Maß seit der ersten Entdeckung durch Roß vor 60 Jahren etwa 
20—30 Seemeilen, Dies Zurückweichen fällt zusammen mit einem Schwinden 
des Eises: über das ganze von der Expedition erforschte Gebiet und findet 
nach den Beobachtungen der Expedition seine Erklärung durch die geringen 
Niederschläge. Dieselben finden als Schneefälle hauptsächlich im‘ Sommer 
statt und zwar‘ nur in geringer Menge, bis zu 5 Zoll, so daß die Verdunstung 
mindestens dem Schneefall gleichkommt, wenn nicht diesen übertrifft,  - 
Scott erwähnt in. seinem Vortrage schließlich noch einen interessanten 
Fund, nämlich. die Entdeckung fossiler. Pflanzenstoffe im Sandstein, die er- 
kennen lassen, daß das Klima in früherer. Zeit ein. milderes gewesen sein 
muß. Ähnliche Funde sind übrigens auch von der schwedischen Expedition 
bei Graham-Land gemacht worden, . 
Die Darstellungen Scotts dürften, so interessant und überzeugend sie 
auch erscheinen mögen, durch die Zusammenstellung der Gesamtergebnisse 
aller drei Expeditionen noch mancherlei Änderungen erfahren, Bis jetzt ist 
das wissenschaftliche Material noch nicht genügend gesichtet, um sichere 
Schlüsse ziehen zu können, man erwartet aber gerade von der vergleichenden 
Zusammenstellung des Materials eine wertvolle Bereicherung unserer Kennt- 
nisse der verschiedensten Zweige der Wissenschaft, wie des Erdmagnetismus, 
der geographischen, geologischen und meteorologischen Verhältnisse, der Flora 
und Fauna, der Meerestiefen und Meeresströmungen der Südpolar-Regionen. 
In meteorologischer Beziehung sind die vorgenommenen Messungen in- 
sofern. von besonderem Wert, als sie von allen drei Expeditionen nach vor- 
heriger Abmachung gleichzeitig und nach gleicher Methode vorgenonimen 
worden sind und sich daran außerdem noch alle südlich von 30° S-Br. gelegenen 
Beobachtungsstationen beteiligt haben. 
Am 5. März brachte uns der Telegraph aus Argentinien die Kunde, 
daß die französische Südpolar-Expedition unter Charcot, welche im Herbst 
1903 unternommen wurde, um die Gegend westlich von Graham-Land zu er- 
forschen, glücklich in Port Madrin angekommen ist. Das Telegramm enthält 
die Mitteilung, daß das Alexander-Land als vorhanden erkannt sei, aber Eises 
halber nicht zugänglich gewesen sei, Mehrere ‚unbekannte Punkte des Gra- 
ham-Landes seien erforscht und die Frage der Bismarck-Straße aufgehellt. 
Diese Expedition ist die letzte der langen Reihe von Südpol-Expeditionen, 
die seit Ende des vorigen Jahrhunderts unternommen worden sind. Vorher 
war seit den Reisen von Roß, also von 1842—1898 zur Erforschung des Süd- 
pols fast nichts getan. Das große Verdienst aber, das Interesse hierfür wieder 
erweckt zu haben, fällt einem* Deutschen zu, dem früheren Direktor der 
Deutschen Seewarte, Exzellenz Professor Dr. v. Neumayer.
	        
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