276 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 19053.
lichsten Teil des Vietoria-Landes nach einer zur Überwinterung geeigneten
Bucht gesucht; als hierfür geeignet erwies sich eine bereits bekannte Bucht
auf 77%/,° S-Br., die Mc. Murdo-Bay, in der das Schiff sicher zu Anker gehen
und mit Gemütsruhe der Einwinterung entgegensehen konnte.
Kleinere Schlittenreisen wurden bereits vor Eintritt des Winters unter-
nommen, die, abgesehen davon, daß sie eine vorzügliche Schulung für die im
nächsten Sommer beabsichtigten Reisen bildeten, auch bereits positive Resul-
tate brachten; so wurde festgestellt, daß die Berge Terror und Erebus nicht
mit dem Festlande zusammenhängen.
Anfang November 1902 begannen die großen Schlittenreisen, Die be-
deutendste wurde von Scott selbst geführt, auf der er bis 821/,° S-Br. vor-
drang und somit den bei weitem südlichsten Punkt erreichte, ein Rekord von
etwa 31/,° gegenüber Borchgrevink.
Mag man vom wissenschaftlichen Standpunkt diesem Vordringen nach
den Polen zu auch keine große Bedeutung beimessen wollen, in rein geogra-
phischer Beziehung ist auch dieser schmale Pfad durch die große Eiswüste
eine wertvolle Bereicherung unseres Wissens, und mit vollem Recht muß man
den Wagemut und die zähe Energie der Männer, die ihr Leben hierbei ein-
gesetzt haben, hochschätzen.
Scott legte auf dieser Reise in drei Monaten eine Strecke von 245
deutschen Meilen zurück, das sind 21/„ deutsche Meilen pro Tag, eine Leistung,
die an Körper und Geist die größten Anforderungen stellen mußte, zumal
noch ein Teilnehmer unterwegs erkrankte und die Hunde als Zugtiere nur
von geringem Nutzen waren.
Im Februar 1908 traf das Hilfsschiff Morning bei der Discovery ein
und versorgte dieselbe mit Kohlen und Proviant, da das Eis in der Bucht
nicht aufbrechen wollte, so daß die Discovery noch ein weiteres Jahr dort ver-
bleiben mußte, Dieser erzwungene, unvorhergesehene Aufenthalt sollte sich
für die weitere Erforschung von größtem Wert erweisen und muß deshalb als
ein besonderer Glückszufall angesehen werden, so unangenehm er den Teil-
nehmern der Expedition damals auch gewesen sein mag.
Im nächsten Sommer wurden die großen Schlittenreisen wieder auf-
genommen, Scott unternahm eine ebenso weite Reise wie im vorhergegan-
genen Jahre, diesmal nach Westen bis 1461/,° O-Lg. in das Innere des Vietoria-
Landes, Eine andere Schlitten-Expedition nach Südosten erforschte während-
dessen die Eisbarriere und stellte fest, daß sich kein Land dahinter befindet.
Im Frühjahr 1904 wurden zwei Hilfsschiffe nach der Me. Murdo-Bay
geschickt. Diese Vorsicht erwies sich jedoch als unnötig; die Discovery
konnte sich diesmal bei günstigeren Eisverhätnissen aus dem Eise befreien und
am 10. September kehrte sie nach dreijähriger Reise glücklich in ihren Heimat-
hafen Portsmouth zurück.
In seinem Vortrage am 27. Februar über die Expedition führt Scott
aus, daß nach seiner Ansicht aus den Entdeckungen der verschiedenen Ex-
peditionen sich die äußeren Umrisse eines großen Festlandes feststellen lassen.
Ein Blick auf die Karte macht seine Ausführungen verständlich,
Von Kap Adare ab, also von 70° S-Br., hat die ganze Küste des Vic-
toria-Landes bis 78° S-Br. herunter das Aussehen eines steil zum Meere ab-
fallenden Festlandes, Die Annahme, daß es dies wirklich ist, wird bestätigt
durch Secotts große Schlittenreisen. Das Land hat sich ihm auf diesen
Strecken sowohl nach Süden hin wie nach Westen als ein Hochplateau bis
zu 3000 m Höhe dargestellt. In der Nord—Süd-Linie ist dies Festland dem-
nach in einer Ausdehnung von mindestens 13 Breiten-Graden mit Sicherheit
festgestellt, einer Strecke, die ungefähr der Entfernung von Berlin bis
Neapel gleichkommt. In der Ost-—West-Linie ergibt sich die Ausdehnung
aus folgender Betrachtung:
Von dem deutschen Expeditionsschiff Gauß ist das Kaiser Wilhelm IT.
Land entdeckt sowie eine langgestreckte Küste über 10 Längen-Grade fest-