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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Walther: Die englische Südpolar-Expedition und’ ihre Ergebnisse. 
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Die englische Südpolar-Expedition und. ihre Ergebnisse. 
Vor Kurzem’ hielt der Leiter der letzten englischen Südpolar-Expedition 
auf der »Discovery«, Kapt. Scott, vor der geographischen Gesellschaft in London 
einen Vortrag über die Expedition und ihre Ergebnisse, der eine Fülle des 
Interessanten auch.dem Laien darbietet. Seine Schlußfolgerungen bestätigen 
zum Teil die Vermutungen, die man über die geographischen Verhältnisse in 
den Südpolar-Gegenden seit langer Zeit gehabt hat, wie das Vorhandensein 
eines großen Kontinents, zum Teil erstrecken sie sich aber auch auf Gebiete; 
über die bis’ jetzt Urteile noch nicht abgegeben sind. Sa 
—_ Von dem Verlauf der Expedition sind bis jetzt nur die allgemeinen 
Grundzüge, jedenfalls weit weniger Daten bekannt als von der unsrigen und 
der schwedischen, die beide gleichzeitig mit ihr zur Erforschung der Antarktik 
im Herbst 1901 ausgesandt worden waren, Der Grund: hierfür ist darin zu 
suchen, daß die englische Expedition fast ein Jahr später, im September 1904, 
zurückgekehrt ist, und daß das populär-wissenschaftliche Werk, die illustrierte 
Reisebeschreibung, noch nicht erschienen ist. + . . 
Von vornherein hatte die Expedition gegenüber der‘ deutschen und 
schwedischen Aussicht auf größere äußere Erfolge. Während die deutsche 
Expedition sich ein völlig unbekanntes Gebiet zur Erforschung ausersehen 
hatte und bereits auf der Höhe: des Polarkreises auf Festland.stieß, und 
während die schwedische ein Gebiet erforschte, in dem sie auf Grund früherer 
Expeditionen ebenfalls schon in der Gegend des Polarkreises Land erwarten 
mußte, betrat die englische. Expedition alte, längst bekannte Pfade, die weit 
über den Polarkreis hinausführten. Ihre Basis zum weiteren Vordringen nach 
Süden lag volle 12 Breitengrade südlicher als die der beiden anderen, 
Das englische Forschungsgebiet war der unter dem Namen Roß-Meer 
bekannte tiefe Einschnitt in das große Unbekannte des Südpols südlich von 
Neu-Seeland. Bereits 1841 war hier Sir James Roß mit.seinen beiden Schiffen 
Terror und Erebus. bis 78° Süd vorgedrungen, wobei er das Vietoria-Land 
und die beiden großen, nach seinen Schiffen benannten Vulkane entdeckt 
hatte. Roß hatte auch bereits erkannt, daß die Küste des Vietoria-Landes 
eine nordsüdliche Richtung hat sowie, daß die offene See. auf etwa 78° S-Br. 
östlich vom Victoria-Land durch eine Eisbarriere abgeschlossen wird, deren 
Verlauf er bis 160° W-Lg. verfolgt hat. . 
; Dies selbe Gebiet. war auch 1898—1900 von Borchgrevink auf dem 
Southern. Croß erforscht worden. Borchgrevink hatte am Kap. Adare auf 
Vietoria-Land überwintert und im Frühjahr 1900 die Eisbarriere auf.einer 
Strecke von 500. Seemeilen bis 162° W-Lg. verfolgt und hatte den bis dahin 
südlichsten Punkt von 78° 50’ S-Br. erreicht. 
Die Erfahrungen dieser Expeditionen sollte die Discovery weiter aus- 
dehnen. Ihr Reiseplan konnte den bekannten Verhältnissen entsprechend vor- 
her. genau festgelegt werden. Ihre erste Aufgabe war die Erforschung der 
Eisbarriere, darauf sollte eine Winterstation im südlichsten Teil des Vietoria- 
Landes errichtet werden. Bei ungünstigen Verhältnissen sollte das Schiff 
nach Norden zurückkehren, bei günstigen aber selbst dort überwintern. Für 
das Frühjahr waren Schlittenreisen nach Süden und Westen vorgesehen, nach 
deren Beendigung das Schiff die Küste westlich vom Kap Adare erforschen 
sollte, Dieser letzte Teil sowie eine weitere Aufgabe der. Expedition, nämlich 
eine magnetische Vermessung des 40, südlichen Breitengrades, gelangte. nicht 
mehr zur Ausführung, da die Discovery zwei Winter im Eise festgehalten wurde, 
Der Verlauf der Forschungsreise war in kurzem folg&hder: 0 
Das Schiff passierte im Januar 1902 den Polarkreis, steuerte an der 
Ostküste von Victoria-Land südwärts bis zur Eisbarriere und der Instruktion 
gemäß an dieser entlang nach Osten. Hierbei wurde auf 159° W-Lg. bergiges 
Land entdeckt, das den Namen King Edward VII-Land erhielt. Nachdem die 
Richtung der Küste dieses Landes als nach Nordosten sich erstreckend fest- 
gelegt worden war, wurde bei 152° W-Länge umgekehrt und in dem süd-:-2
	        
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