Prager, M.: Die Fahrtgeschwindigkeit der Segelschiffe auf großen Reisen. 17
Es. kann die Schätzung der Windstärke in etwas von der Größe des
Schiffes beeinflußt werden, denn auf einem größeren Schiffe wird vermutlich
derselbe Beobachter dieselbe Windstärke etwas niedriger schätzen als auf
einem kleineren Schiff. Für die Stärke 11 Beaufort ist das für einen Kapitän,
der kleine und große Schiffe geführt hat, nachgewiesen worden (Annalen der
Hydrographie und maritimen Meteorologie 1898, S. 507), und daß das nicht
nur für 11 Beaufort, sondern auch für niedrigere Stärkegrade gilt, ist mehr
als wahrscheinlich, Über die systematischen Fehler. bei der Schätzung der
Windstärke auf Seglern bei und vor dem Wind (Köppen, Annalen 1897, S. 335)
sowie diejenigen in der Schätzung der Windrichtung und Stärke auf Dampfern,
findet man eingehende Untersuchungen in denselben Annalen, 1897, S. 335 und
1902, S. 381.
Einfluß des Windes auf die Fahrt von Dampfern.
Von Dr. P. Heidke.
"Hierzu Tafel 1.)
Einleitung.
Trotzdem es den Seeleuten bereits seit langer Zeit bekannt ist, daß der
Wind von Einfluß auf die Geschwindigkeit der Dampfer ist, so sind doch
zahlenmäßige Angaben über die Größe dieses Einflusses erst kürzlich von den
Kapitänen Dincklage!) und Reinicke?) gegeben worden; von ersterem sind
sie aus den meteorologischen Journalen der Dampfer »Werra« und »Fulda«,
von letzterem nach den Auskünften von 16 Dampferkapitänen berechnet worden.
In ähnlicher Weise, wie es Kapitän Dincklage getan hat, ist im
folgenden zunächst für jeden einzelnen einer größeren Anzahl von Dampfern
die Abhängigkeit vom Winde ermittelt worden,
Als Quellenmaterial standen hierbei die im Auftrage der Reedereien
geführten Schiffsjournale zur Verfügung, welche als das für den vorliegenden
Zweck geeignetste Material zu bezeichnen sind, .
Herangezogen wurden die Journale folgender Dampfer:
Zau-
’ahr
. Material
'ndizierte
Pferde-
kraft
Brutto- Geschwin-
Raum- digkeit in
-ehalt in! Sm pro
Tonnen Wache
Name des Dampfers*)
Reederei
»Deutschland« .
»Kronprinz Wilhelm«
«Kaiser Wilhelm der Gr.«
Fürst Bismarck«
»Kaiserin Maria Theresia«
»Großer Kurfürst«
»Pennsylvania«
»Bulgaria« .
»Borkum«
Tamburg-Amerika-Linie
Norddeutscher Lovd
L900
‚901
1897
1891
1890
1900
1896
1898
18086
Stahl
2
»”
»
m
„
”
2”
as
35 000
30 000
27 000
L6 400
6 000
3250
5400
3 800
2.000
'6502
14 908
14 349
8430
8286
13.182
13.133
1.077
5 640
91.9
91.9
89.7
77.4
75.1
61.1
55.2
46.6
41.0
Hamburg-Amerika-Linie
Norddeutscher Loyd
Hamburg-Amerika-Linie |
' Norddeutscher” Loyd ”
' ‘ s „ «
* Im folgenden werden statt der Namen der Dampfer vielfach nur die aus dieser Auf-
stellung zu entnehmenden Nummern genannt werden,
Bekanntlich laufen alle diese Dampfer meist auf der Route vom Kanal
nach New York und benachbarten Häfen mit einziger Ausnahme des Dampfers
‚Borkum«, der meist nach Galveston bezw. südamerikanischen Häfen fährt,
Maßgebend für die Wahl der angegebenen Route waren namentlich
folgende Gründe: .
1. Nur auf dieser Route laufen für gewöhnlich unsere schnellsten Dampfer
»Deutschland«, »Kronprinz Wilhelm«, »Kaiser Wilhelm‘ der Große« und seit
1903 auch »Kaiser Wilhelm IL«. .
N Siche Dincklage: »Einfluß des Windes auf die Fahrtgeschwindigkeit von Dampfern«.
Annalen der Hydrographie usw. 1899. S. 34ff.
2) Siehe Reinicke: »Einfluß des Windes und des Seeganges auf die Geschwindigkeit von
Dampfern«. Annalen der Hydrographie usw. 1904. S.451ff.
Ann. d. Hydr ete.. 19053. Heft TI.