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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Knipowitsch, N.: Hydrologische Untersuchungen im’ Europäischen Eismeer. 255 
mit einem Teil des Nordpolarbeckens zu tun haben, mit einer Bucht dieses 
Beckens, welche von Nordosten zwischen Franz Josephs-Land und Nowaja 
Semlja ins Barents-Meer einschneidet, Die Ähnlichkeit der hydrologischen 
Verhältnisse auf der nördlichen Hälfte uhseres östlichen Schnittes mit denen 
des Polarbeckens tritt sehr deutlich hervor, wenn wir die betreffenden hydro- 
logischen Beobachtungen von S. Makarow mit verschiedenen hydrologischen 
Serien von F, Nansen vergleichen, nachdem wir in die Angaben über den 
Salzgehalt die von F. Nansen gegebene Korrektion (—0.15 bis —0.16 4%) ein- 
geführt haben. 
Was nun die warme Bodenschicht auf dem mittleren Schnitt anbetrifft, 
so kann dieselbe entweder eine Fortsetzung des Polarbeckens sein, wie in 
der beiliegenden Karte angedeutet ist, oder eine Fortsetzung desjenigen Zweiges 
der warmen Strömung, welchen wir auf. dem ersten Schnitt (d. h. Taf. 6, Fig. 6) 
unter 76° 42’ N-Br. beobachteten. Übrigens kann man hier wohl keine bestimmte 
Grenze ziehen, da die letzten Ausläufer des Nordkapstroms sich in das Polar- 
becken ergießen und ihr Wasser mit dem warmen Wasser der mittleren 
Schichten des. Beckens (also mit dem Wasser des westspitzbergischen Golf- 
stroms) vermischen, 
Aus dem Gesagten können wir den Schluß ziehen, daß dank den Beob- 
achtungen von S. Makarow wir unsere hydrologischen Untersuchungen im 
Nordosten bis zur natürlichen Grenze des Barents-Meeres ausdehnen können. 
Ich gehe jetzt zu den südöstlichen und südlichen Teilen unseres Unter- 
suchungsgebiets über, 
Ein am 13. bis 19. August 1901 ausgeführter Schnitt vom Vorgebirge 
Swjatoi Noß am Eingang in das Weiße Meer nach dem Sunde Kostin 
Schar (Südwestküste von Nowaja Semlja) und zwar von der Stat. Nr. 573 
(68° 11’ 45” N-Br., 40° 06’ 30” O-Lg.) unweit von diesem Vorgebirge nach der 
Stat. Nr. 578 (68° 45’ N-Br., 43° 16’ O-Lg.) in der Nähe vom Vorgebirge Kanin 
Noß, dann nach der Stat. Nr. 582 (69° 22’ N-Br., 48° 10’ O-Lg.) an der Nord- 
westküste von Kolgujew und von hier nach der Stat, Nr. 593 (71° 02’ N-Br., 
53° 33’ O-Lg.) im Sunde Kostin Schar (Taf. 6, Fig. 9), gibt uns eine klare Vor- 
stellung über die hydrolegischen Verhältnisse des seichten südöstlichen Teils 
unseres Untersuchungsgebiets, Auf dem größten Teil dieses Schnittes finden 
wir nur geringen Salzgehalt unter 34.5%, erst ungefähr unter 70° N-Br. und 
501° O-Lg. erscheinen am Boden die Schichten mit höherem Salzgehalt und 
ungefähr unter 701/,° N-Br. und 52° O-Lg. beginnt das Gebiet der schon oben 
erwähnten kalten und salzreichen Strömung, wo wir am Boden sogar Salz- 
gehalte von 35.05 und 35.07% finden; dann kommt das Küstengebiet Nowaja 
Semljas mit geringem Salzgehalt, Zwischen der Murmanküste und dem Vor- 
gebirge Kanin Noß ist die Temperatur ziemlich hoch wegen starker Sommer- 
erwärmung, in der Richtung nach Kanin Noß nimmt sie im ganzen allmählich 
ab. Zwischen Kanin Noß und Kolgujew finden wir am Boden verhältnismäßig 
sehr kalte Schichten (bis +790.02 bis + 0.03°), welche von den ziemlich stark 
erwärmten oberen Schichten scharf abgetrennt ist. Nach Nordosten von 
Kolgujew sinkt die Temperatur sehr bedeutend und auf der Stat. Nr. 587 
(70° 17’ N-Br. und 51° 16’ O-Lg.) beträgt‘ sie am Boden nur —1.48°; dann 
folgt aber eine bedeutende Zunahme der Temperatur von allen Schichten (mit 
Ausnahme der oberen von 0 bis 10 m) auf der Stat. Nr. 588 (70° 27’ 30” N-Br., 
51° 49' O-Lg.), wo wir es wahrscheinlich mit den letzten Ausläufern des zweiten 
Nebenzweiges der Murman-Strömung (der Kolgujew-Nowaja: Semljaströmung) 
zu tun haben, Nach.dem Gesagten zeigt die Flachsee des südöstlichen Teils 
unseres Untersuchungsgebiets, abgesehen von der kalten Strömung an den 
Küsten von Nowaja Semlja und Fortsetzungen der warmen Strömung, solche 
Strecken, wo der Boden mit relativ sehr kaltem Wasser bedeckt ist, während 
auf anderen Stellen alle Schichten (im Sommer und Herbst) stark erwärmt sind. 
Man kann daher warmes und kaltes Gebiet der Flachsee unterscheiden; 
die Grenze ist weder .scharf noch konstant, aber im ganzen bleibt die Lage 
derselben in verschiedenen Jahren ungefähr. dieselbe.
	        
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