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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Knipowitsch, N,: Hydrologische Untersuchungen im Europäischen Eismeer, 9247 
genden Stationen, d. h. bis.etwa 71° N-Br., beobachten wir bedeutend niedrigere 
Temperaturen und erheblich höheren Salzgehalt — dies ist das Grenzgebiet 
zwischen dem eigentlichen Küstengebiet und dem Gebiet des Golfstroms. Auf 
weiter folgenden Stationen nimmt die Temperatur zu und erreicht ihr Maximum 
unter 711/,° N-Br. Von etwa 711/,° N-Br. beginnt das Gebiet höheren Salz- 
gehalts in tiefen Schichten, der 34.8,% übersteigt, und schon im Gebiet des 
südlichen Maximums oder Zweiges der Nordkap-Strömung finden wir auf 
gewissen Stationen einen Salzgehalt von 34.9:% und mehr. Nördlich von dem Gebiet 
der Murman-Strömung (ungefähr 711/, bis 71%/,° N-Br.) nimmt die Tem- 
peratur wieder ab, aber schon unter 721/,° N-Br. finden wir einen neuen Zweig 
oder ein neues Maximum der Nordkap-Strömung, wo wir eine mächtige Schicht 
von Wasser mit dem Salzgehalt über 34.9% entdecken, Die Temperatur an 
dieser Station unterscheidet sich nicht wesentlich von derjenigen, welche wir 
im Grenzgebiet zwischen den beiden südlicheren Zweigen der Nordkap-Strömung 
finden, nur in tieferen Schichten ist sie etwas höher. Ich muß indessen 
bemerken, daß zuweilen auch dieser zweite (von Süden gerechnet) Zweig in 
betreff der Temperatur viel deutlicher ausgeprägt sein kann. 
Ein beträchtliches Sinken sowohl der Temperatur wie des Salzgehalts 
unter 73° N-Br. bezeichnet das Grenzgebiet zwischen dem zweiten und dem 
dritten Zweig der Nordkap-Strömung. Der dritte Zweig ist bei weitem mäch- 
tiger als die beiden südlichen; er nimmt das Gebiet ungefähr von 731/, bis 
743/,° N-Br. ein und ist am stärksten‘ unter 731/„ bis 74° N-Br. ausgeprägt; 
unter“. 73'/, und 74° N-Br. beobachten wir sogar den Salzgehalt über 35 
Schon unter 73%/,° N-Br. werden die salzreichen Schichten von stark versüßten 
oberen Schichten bedeckt, das kalte Wasser schiebt sich allmählich auch unter 
die warmen und salzreichen Schichten ein, und unter 74!/, und 742/,° N-Br. 
finden wir nur dünne Zwischenschichten des Wassers mit dem Salzgehalt von 
34,9° Auf der Station unter 75° 02’ N-Br. ist die Temperatur des Wassers 
sehr niedrig; mit Ausnahme der oberen Schicht von 0 bis 10 m, wo die Tem- 
peratur +1.4 bis +0.9° ist, treffen wir hier nur die Temperaturen unter 0° 
(— 0.2 bis — 1.4°) an; auch der Salzgehalt ist hier verhältnismäßig niedrig. 
Es kann offenbar kaum einem Zweifel unterliegen, daß. hier zwischen zwei 
nördlichsten Zweigen der Nordkap-Strömung kaltes Polarwasser sich von Osten 
einschiebt und daß wir es hier mit einer Mischung des Golfstromwassers mit 
Polarwasser zu tun.haben. Weiter nach Norden treten wir wieder in das 
Gebiet ‚eines Zweiges des Golfstroms ein, und zwar des vierten, nördlichsten 
Zweiges des Nordkap-Stroms. Sowohl die Temperatur wie besonders der Salz- 
gehalt nehmen hier sehr stark zu, und auf der letzten Station des Schnittes 
unter 75° 25’ N-Br. ist der Salzgehalt der unteren Schichten (von 100 m an) 
über 35% (35.01) und die Temperatur in der Tiefe von 50 bis 150 m + 2.05 
bis +.2.2°. 
Wir finden :also auf dem Schnitt eine Teilung des Nordkap-Stroms in 
vier Zweige (oder Maxima der Strömung). Ein Blick auf den Schnitt zeigt 
uns, daß diese Zweige durch mehr oder minder bedeutende Bodenerhebungen 
voneinander getrennt sind. Der’ Einfluß des Bodenreliefs auf. die Verteilung 
der Strömungen offenbart sich hier sehr deutlich. . 
Im Jahre 1902 am 14. August ist es wegen günstigerer Eisverhältnisse 
gelungen, etwas weiter nach Norden vorzudringen, und zwar bis 75° 55’ N-Br., 
ohne -die Nordgrenze des vierten Zweiges der Nordkap-Strömung zu erreichen. 
Auf den Stationen. unter 75° 15’ und 75° 25’ N-Br. waren der Salzgehalt und 
die Temperatur im ganzen niedriger äls im Jahre 1901, auf den zwei letzten 
Stationen unter 75°45’' und 75° 55’ N-Br. war die Temperatur der tiefen 
Schichten höher, der Salzgehalt niedriger (nur bis 34.965).') 
ty Nähere Angaben hierüber findet der Leser in den hydrologischen T abellen der oben 
zitierten russischen Arbeit von L. Breitfuß sowie in meiner Abhandlung »Grundzüge der Hydrologie 
des europäischen Eismeeres« (Memoire der K. Russischen Geographischen Gesellschaft), .wo auch 
entsprechende Schnitte dargestellt sind. Die von L. Breitfuß konstrujerten Schnitte geben, wie ich 
schon oben bewiesen habe, keine richtige Vorstellung über die hydrologischen Verhältnisse, da wir 
auf denselben nicht die Ergebnisse der Analysen, sondern abgerundete Angaben finden.
	        
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