244 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1905.
kaltes und stark versüßtes Wasser (+ 3.5° und 33.80 4%), in der Tiefe von
25 m sind die Temperatur und der Salzgehalt höher (+ 4.16° und 34.50 4%),
dann sinkt die Temperatur wieder (+ 1.6° in der Tiefe von 50 m), während
der Salzgehalt zunimmt. An der letzten Station, wo wir uns schon am Rande
der Bänke der Bären-Insel finden, ist die Temperatur sehr niedrig (+ 1.8°
an der Oberfläche, — 0.35° in der Tiefe von 20 m, — 0.19° in der Tiefe von
90 m), der Salzgehalt nimmt von 33.07 4% an der Oberfläche bis 34.66 bis
34.64 + in der Tiefe von 70 und 90m zu. Aus dem Gesagten können wir
ersehen, daß eine mächtige Wassermasse mit hohem Salzgehalt und verhältnis-
mäßig hoher Temperatur im Norden von kaltem Wasser mit niedrigem Salz-
gehalt begrenzt wird, welches sich zum Teil über das salzreiche warme Wasser
nach Süden ausbreitet; an der Küste Europas treffen wir wieder einen
niedrigeren Salzgehalt, während die Temperatur hier am höchsten ist; unter
711/,° N-Br. ist das Wasser bedeutend salzärmer als ungefähr unter ‘72° 40’ N-Br.
Die Bedeutung dieses Bildes ist ganz klar: der östliche Zweig des Golfstroms,
der sogenannte Nordkapstrom, liegt hier zwischen dem kalten Polarwasser der
Bänke der Bären-Insel und dem warmen (am Ende des Sommers) und salz-
armen Küstenwasser Europas.
Etwas weiter nach Osten liegen einige Stationen eines am 6. bis 16, IV.
1900 vom Eingang in das Weiße Meer bis zur Bären-Insel ausgeführten
Schnittes. Hier finden wir eine sehr eigentümliche Verteilung der Temperatur.
Auf der Station Nr. 168 unter 71° 42’ 30” N-Br. und 27” 37’ 30” O-Lg. ist die
Temperatur an der Oberfläche + 3.2° und von 50 bis 350 m + 3.1°; diese
auffallende Gleichförmigkeit der Temperatur von 0 bis 350 m ist eine für das
Ende des Winters sehr typische Erscheinung, welche dadurch zustande kommt,
daß die Salzgehaltdifferenzen verschiedener Schichten im Winter wegen des
verminderten Zuflusses des Süßwassers allmählich abnehmen und daß bei der
Abkühlung des Wassers an der Oberfläche eine starke, mächtige Schichten
umfassende vertikale Zirkulation sich entwickelt, Auf diese Erscheinung
werde ich unten zurückkommen, Auf der Station Nr. 169 desselben Schnittes
unter 72° 53’ 30” N-Br. und 24° 00’ O-Lg. finden wir an der Oberfläche -+ 3.6”,
in der Tiefe von 50 m + 3.2”, in tieferen Schichten nimmt die Temperatur,
langsam ab bis zu + 1.5° in der Tiefe von 400 m. Auf der Station Nr. 173
unter 74° N-Br. und 20° 25’ O-Lg. finden wir an der Oberfläche — 1.2? und
dann von 50 bis 260 m + 1.2 bis +-0.8°. Noch näher zur Bären-Insel auf
der Station Nr. 170 unter 74° 08’ N-Br. und 20° O-Lg. schwankt die Tempe-
ratur in der Tiefe von 0 bis 145 m zwischen — 0.3 und — 0.8°. Im süd-
östlichen Hafen der Bären-Insel finden wir schließlich die Temperaturen von
+ 1.8 bis 4+1.3°. Es ist klar, daß die beiden ersten Stationen im Gebiet der
warmen Strömung liegen, die übrigen an der Grenze und im Gebiet des kalten
Wassers der die Bären-Insel umgebenden Bänke,
Noch weiter nach Osten liegt ein sehr interessanter Schnitt, welcher am
21. bis 26, X. 1902 ausgeführt wurde. Dieser Schnitt ist in zwei Arbeiten
von L, Breitfuß veröffentlicht worden.!) Leider ist derselbe, wie die hydro-
logischen Schnitte in den Arbeiten von L,. Breitfuß überhaütpt, schlecht kon-
struiert, und gewisse, sehr interessante Details verschwinden vollständig. Die
Angaben über den Salzgehalt werden vom Verfasser zum "Teil vollständig,
also mit zwei Dezimalen, angeführt, zum Teil werden dieselben bis zur nächsten
ersten Dezimale abgerundet; das erste ist bei allen Salzgehalten von 35% und
mehr, das zweite bei allen niedrigeren der Fall. Durch das »Abrunden«
werden die Beobachtungsfehler stark vergrößert; 34.94 , und 34,96 4% mit
der Differenz von nur 0.02 .°, verwandeln sich auf diese Weise in 34,9 und
35 4 mit der fünfmal größeren Differenz von 0.1 ‚%. Diese unbegründete
Verminderung der Genauigkeit eines Teils der Angaben, sowie ziemlich will-
!) L. Breitfuß. Expedition für wissenschaftlich-praktische Untersuchungen an der Murman-
Bericht über ihre Tätigkeit im J. 1902. St. Petersburg. 1903 (russisch).
Dersclbe, Ozeanographische Studien über das Barents-Meer. Auf Grund der Untersuchungen
der wissenschaftlichen Murman-Expedition. Petermanns geographische Mitteilungen. 1904. Heft II.
Küste.