Ann. d. Hydr. ete., XXXIHL Jahrg. (1905), Heft VI.
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Hydrologische Untersuchungen im Europäischen Eismeer.
Von N. Knipowitsch, ; .
(Hierzu Tafel 6.)1)
[Fortsetzung.]
II. Übersicht des wichtigsten hydrologischen Materials. .
In dem vorhergehenden Kapitel habe ich nachgewiesen, daß die
wichtigste Quelle unserer Kenntnisse über die physikalische Geographie des
Europäischen Eismeeres in den hydrologischen Ergebnissen von drei Expeditionen
liegt; dies sind die Murman-Expedition, die Expeditionen auf dem Eisbrecher
»Jermak« und die hydrographische Expedition . des Russischen Marine-
ministeriums. Ein ergänzendes Material für einzelne Teile unseres Unter-
suchungsgebiets finden wir in neuen norwegischen Arbeiten: Untersuchungen
von N. Smirnow im Weißen Meer usw., sowie zum ‚Teil in älteren Beob-
achtungen. Außerdem ‘bilden gewisse ältere Beobachtungen, welche an und
für sich jetzt geringe Bedeutung haben, ein wertvolles vergleichendes Material,
welches uns gestattet, die auf Grund neuer Untersuchungen erworbenen
Schlußfolgerungen einer erneuten Prüfung zu unterwerfen und an die Frage
heranzutreten, ob und inwieweit das von uns entworfene allgemeine hydro-
logische Bild konstant oder veränderlich ist.
Auf Grund des eben angedeuteten Materials können wir die hydro-
logischen Verhältnisse fast des ganzen Europäischen Eismeeres mit Ausnahme
des nordwestlichen Teiles desselben kennen lernen.
Was den nordwestlichen Teil unseres Untersuchungsgebiets sowie die
angrenzenden Teile des Nordatlantischen Ozeans und des Nordpolar-Beckens
anbetrifft, so sind die neuen Angaben ziemlich spärlich, und.wir müssen un-
bedingt auch ältere Beobachtungen vielfach benutzen. Die neuesten Beob-
achtungen von hier sind diejenigen von S. Makarow auf dem Eisbrecher
»Jermak« (1899), von russischen Expeditionen nach Spitzbergen (1899 bis
1901) und vom norwegischen Untersuchungsdampfer »Michael Sars« (1900 bis
1901). Die noch nicht veröffentlichten Ergebnisse der hydrologischen Beob-
achtungen auf dem Dampfer »Michael Sars« im Jahre 1901 zwischen Norwegen
und Spitzbergen sowie westlich davon sind von meinen Kollegen J. Hjort und
B. Helland-Hansen mir zur Verfügung gestellt. Aus älteren Beobachtungen
sind besonders die von der Norwegischen Nordatlantischen Expedition”) aus-
geführten zu nennen, _
Auf Grund des vorhandenen hydrologischen Materials wurden zahl-
reiche hydrologische Schnitte konstruiert, welche ein näheres Studium der
physikalisch-geographischen Verhältnisse ermöglichen. Die Schnitte sowie die-
selben ergänzende einzelne hydrologische Stationen erlauben uns, die physi-
kalisch-geographischen Verhältnisse auch kartographisch darzustellen,
Leider stoßen wir dabei auf eine sehr wesentliche Schwierigkeit. Das
uns zu Gebote stehende Material zeigt eine große Verschiedenartigkeit; während
ein Teil desselben allen Ansprüchen‘ der modernen Ozeanographie in bezug
auf die Genauigkeit entspricht, sind andere Beobachtungen viel weniger genau,
zuweilen sogar fast oder unbedingt unbrauchbar. Besonders ist dies mit den
Bestimmungen des Salzgehalts der Fall. Diejenigen Angaben über den Salz-
gehalt, welche mit Hülfe der modernen chemischen Methode und der Berech-
) Um die Reproduktion der hydrologischen Schnitte in dieser Tafel nicht zu umfangreich
oder unklar zu gestalten, mußte die Wiedergabe auf die Isothermen und Isohalinen beschränkt
werden. Die in den einzelnen Tiefen beobachteten Zahlenwerte werden auch nicht der russischen
Sprache mächtige Interessenten den Tafeln der in den Memoiren der K. Russischen Geographischen
Gesellschaft "erscheinenden umfassenderen Abhandlung des Herrn Knipowitsch entnehmen ER,
. Red.