Kleinere Mitteilungen.
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2, IL. L. Breitfuß’ Expedition für wissenschaftlich-praktische Unter-
suchungen an der Murman-Küste. Die Redaktion der »Ann, d. Hydr. ete.«
hat mich aufgefordert, ein Referat des kollektiven Berichts von L. Breitfuß,
W.Issatschenko, Th. Iljin, W. Ssoldatow, K. Hausmann und A; Hausmann
über die Tätigkeit der Murman - Expedition im Jahre 1902!) zu geben. Um
den Umfang dieses Referats nicht zu groß werden zu lassen, muß ich mich
mit einer kurzen Übersicht des Buches und flüchtigen kritischen Bemerkungen
begnügen, und zwar hauptsächlich über den hydrologischen Teil des Berichts.,?)
Der mit 3 Karten, 12 Tafeln der hydrologischen Schnitte und 88 Text-
bildern versehene große Band besteht aus zwei Teilen; der erste enthält die
eigentlichen Berichte der Teilnehmer der Expedition, im zweiten Teil werden
Verzeichnisse der Stationen und verschiedene Arbeitsjournale veröffentlicht.
Was nun den hydrologischen Teil des Berichts anbetrifft, so müssen
wir drei Punkte näher ins Auge fassen: 1. das Beobachtungsmaterial, 2. die
Bearbeitung desselben und 3, die allgemeinen Schlußfolgerungen.*)
Unter den ziemlich zahlreichen Beobachtungen, welche nach den neuesten,
in der Expedition im J, 1901 eingeführten Methoden ausgeführt sind, sind
zwei Reihen besonders wichtig: 1. längs. der Westküste von Nowaja Semlja
bis 76°-28’ 30” N-Br., von dort nach dem Meridian des Kola-Fjords unter
75° N-Br. und dann längs diesem Meridian bis 75° 55’ N-Br., 2. zwischen der
Murman-Küste und der Bären-Insel im Spätherbst. Leider verlieren die
Beobachtungen einen Teil ihrer Bedeutung dadurch, daß keine ergänzenden
Untersuchungen der Übergangsschichten ausgeführt wurden, ‚was, wie bekannt,
notwendig ist um ein genaues Bild der hydrologischem Verhältnisse zu be-
kommen. Immer aus denselben Tiefen wurden die Wasserproben geschöpft,
sogar auf solchen Stationen, wo der Dampfer auf höchst interessante Unter-
strömungen stieß.
Die Untersuchungen über die Strömungen (nur in 6 Punkten) tragen
einen sehr zufälligen Charakter; ‚auffallend ist, daß an allen Stationen, .. wo
direkte Beobachtungen über die Strömungen ausgeführt wurden, mit Ausnahme
einer einzigen, die Beobachtungen über die tiefsten Schichten vollständig
fehlen. Dies ist sogar im Gebiet der interessanten kalten Bodenströmung an
der Westküste von Nowaja Semlja der Fall. VL
Vereinzelte Beobachtungen über die Durchsichtigkeit des Wassers, den
Gasgehalt (nach den Analysen von Fräulein A. Palmqvist) ergänzen das hydro-
logische Material des Berichts. .
Die Bearbeitung des gesammelten hydrologischen Materials läßt leider
sehr viel zu wünschen übrig. Offenbar unrichtige Beobachtungen stehen in
den Tabellen neben richtigen ohne irgend welche Hinweise darüber; sie werden
zum Teil als Grundlage für das Zeichnen der Isohalinen auf den Tafeln der
Schnitte benutzt (vgl. die erste Tafel St. 107: Salzgehalt 34.9, richtiger 34.94
in der Tiefe von 150 m).
Die Deutungen gewisser Beobachtungen sind sehr wenig oder gar nicht
begründet und stehen zum Teil im schroffen Widerspruch mit eigenen Beob-
achtungen des Verfassers. So bezeichnet Dr. Breitfuß z. B. auf seiner hydro-
logischen Karte das Gebiet seiner Stationen Nr. 60, 61 und 62 als eine Fort-
setzung desselben Zweiges der Nordkapströmung längs der Westküste von
Nowaja Semlja, auf welchem auch die Stationen Nr. 44 und 45 liegen. In-
dessen zeigen die Beobachtungen von Breitfuß selbst, daß die Temperatur
und der Salzgehalt auf den Stationen Nr. 44 und 45 viel niedriger waren,
als auf den Stationen Nr. 60—62. Der Zweig des Golfstroms sollte also auf
‘) Bericht über die Tätigkeit für 1902. St. Petersburg 1903 (russisch).
2) Eine nähere Begründung der gegen Herrn Breitfuß abweichenden Ansichten von Herrn
Knipowitsch wird der Leser zum Teil einer mit diesem: Heft beginnenden Abhandlung des
Herrn Knipowitsch: Hydrologische Untersuchungen im KEuropäischen KEismeer . entnehmen
können. D. Red. .
3) Vgl. L. Breitfuß: Ozeanographische Studien über das Barents-Meer. Petermanns
Geoer. Mitteilungen 1904, Heft IL.