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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1905. 
Kleinere Mitteilungen. 
1. Über die relative Regenarmut der deutschen Flachküsten hat 
G. Hellmann eine interessante Studie in den Sitzungsberichten der Kgl. Pr. 
Akademie der Wissenschaften (1904, LIV) veröffentlicht. Während bislang 
im allgemeinen auf Grund der im kleinen Maßstabe gezeichneten Niederschlags- 
karten der verschiedenen Länder angenommen wurde, daß die Küstenstriche 
regenreicher sind wie das angrenzende Binnenland, machte Hellmann bei der 
Konstruktion der Niederschlagskarten der preußischen Provinzen die Erfahrung, 
daß die Jahresmenge des Niederschlags von der Küste nach dem Binnenlande 
zunimmt, auch wenn an das Meer eine Niederungslandschaft angrenzt. Der 
Unterschied schwankt zwischen 10 und 60 mm oder 1'!/, und 10°, der Jahres- 
summe. Diese Erscheinung ist keineswegs lokal, sondern macht sich z. B. auch 
in den russischen Ostseeprovinzen, an der holländischen und belgischen Küste 
sowie an der Westküste Frankreichs bemerkbar. Zur Ergründung der Ursachen 
dieser relativen Regenarmut der Flachküsten wurden von dem Verfasser 
Monatskarten der Niederschlagsverteilung für die Provinz Schleswig-Holstein 
konstruiert, aus denen sich ergab, daß in der kalten Jahreshälfte die Unter- 
schiede der monatlichen Regenmengen sehr klein sind, daß dagegen in der 
warmen Jahreshälfte — namentlich Juli bis September — die binnenländischen 
Stationen erheblich mehr Regen erhalten wie die Küstenstationen, 
Ergiebige Niederschläge sind gebunden an das Aufsteigen feuchter Luft- 
massen, wie es (mit Ausnahme des Aufsteigens an der Luvseite der Gebirge) 
nur in den Luftwirbeln vorkommt. Wir können in unseren Breiten nun zwei 
Gattungen von Luftwirbein unterscheiden, Erstens die großen Depressionen, 
welche, als Bestandteile der allgemeinen Zirkulation, vom Meere aus sich 
unsern Küsten nähern und die Hauptursache der Niederschläge in Mittel- 
guropa sind (namentlich in der kalten Jahreszeit). Zweitens die kleinen 
lokalen Wirbel, welche sich auf dem Festlande infolge örtlicher Temperatur- 
unterschiede bilden und hauptsächlich in der Form von Gewitterregen in 
kurzer Zeit ergiebige Niederschläge liefern (namentlich im Sommer). Diese 
letzteren Wirbel treten nun an der Küste, da hier die Bedingungen zu ihrer 
Entstehung nicht so günstig sind wie im Binnenlande, seltener auf wie weiter 
landeinwärts, so daß demzufolge die Küste in der Jahresmenge der Nieder- 
schläge benachteiligt gegen das Hinterland ist. 
Zum Beweis für die größere Bevorzugung der Küste an der Luvseite der 
größeren Depressionen der kälteren Jahreszeit führt Hellmann die 25 jährigen 
Niederschlagsmessungen von Westerland und Keitum auf Sylt an. Die erstere 
Station ist am Westrand der Insel gelegen, die andere 5 km Östlich davon, 
am Ostrand; zwischen beiden breitet sich ebenes Geestland aus. Westerland 
hat 777 mm, Keitum 707 mm Niederschlagssumme im Jahr. Wie das nach- 
stehende Beispiel zeigt, kommt der Überschuß von 70 mm ganz auf Rechnung 
der Landregyen in der kalten Jahreszeit: 
Differenzen der mittleren Monatsmengen Westerland— Keitum. 
Januar 12 April 5 Juli —1 Oktober 8 
Februar 7} 32 mm Mai 1 \ 55mm August 0} — 33mm November 11 | 36 mm 
März 13 Jum — 1 September — 2 Dezember 17 
Die Jahresmenge der Niederschläge in Deutschland nimmt rasch von 
Westen nach Osten ab, hervorgerufen durch die Abnahme der Winterregen- 
mengen., Nimmt man z. B. an, daß in Utrecht einerseits von September bis 
Mai 100 °%,, anderseits von Juni bis August 100°%, Niederschlag fallen, so 
fallen, verglichen mit Utrecht, in ersterem Zeitraum in Hannover 80°, in 
Warschau 69%, im Zeitraum Juni bis August dagegen in Hannover 97%, in 
Warschau 96 °/; das Defizit, nach Osten zunehmend, erklärt sich also aus der 
minderen Regenmenge im Winter. Für die Zunahme der Sommerregen nach 
dem Landinnern ist auch die Tatsache beweisend, daß die Küste weniger 
Gewitter und weniger starke Regenfälle (in kurzer Zeit) hat wie das 
Binnenland. Br
	        
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