Knipping, E.: Vereinfachung der nautisch-astronomischen Tafeln u. Rechnungen. 92925
Witchell u. a. Aber auch von den neueren Formeln, mit oder ohne umfang-
reiche Hilfstafeln, kann man dreist behaupten, daß der ganze Apparat im
Vergleich‘ zur Seltenheit der Anwendung noch viel zu umständlich und teil-
weise sicher mit daran schuld ist, daß Monddistanzen in See so wenig benutzt
werden, selbst dann nicht, wenn sie beim Versagen des oder der Chronometer
ganz am Platze wären,
Übersicht der Formeln beim Gebrauch der S.
Die allgemeinen Formeln der nautischen Astronomie sind demnach
folgende 5, aus der sphärischen Trigonometrie schon bekannt:
2rz = ne n 9) Längenmethode, Monddistanz (3stellig)
sin A = DS sin B, Breitenmethode
sinb
> = PATE tg 3 (a — b), Breiten- und Höhenmethode
1
AB = Se “
sin } (a — b) C
gi(A—B) = sin 4 (a + b) des
Vorher sind in Verbindung mit den N nicht weniger als 10 verschiedene
der. gebräuchlichsten abgeleiteten Formeln angeführt, ungezählt die für Mond-
distanzen, und dies war nur eine kleine Auswahl. Ein ebenso schnelles
Rechnen mit den abgeleiteten Formeln und den N wie mit den obigen, mit
Hilfe von Stichwörtern leicht zu behaltenden Formeln und den S ist nicht
möglich; der ganze Bau der N und ihrer Formeln verbietet es schon.
Die hier erwähnten Hauptaufgaben in See mögen für einen Vergleich
genügen. Man löst sie ebenso sicher, aber: leichter und schneller als mit den
bisherigen Hilfsmitteln,
Schlußbemerkungen. Will man sich ein zutreffendes Bild von dem heutigen
Stande der nautischen Astronomie machen, so denke man sich einen Anfänger
mit den nötigen Vorkenntnissen in der sphärischen Trigonometrie, der z. B.
zunächst die Höhenmethode kennen lernen möchte. Die drei ersten Fachleute
oder Bücher, an die er sich wendet, raten ihm je drei verschiedene Höhentafeln
an, die drei nächsten je drei verschiedene Sätze von Formeln in Verbindung
mit verschiedenen nautischen Tafelsammlungen. Ähnlich geht es ihm bei
jeder weiteren Aufgabe, Muß der Betreffende nicht stutzig werden und die
nautische Astronomie für ein systemloses, verwickeltes und schwieriges Gebiet
halten, während es sich tatsächlich um wenige einfache Aufgaben handelt, die
er mit einer kleinen vierstelligen und dreistelligen Logarithmentafel und den
Vorkenntnissen, die er schon hat, mit ausreichender Genauigkeit, bequem und
schnell löst? Historisch interessant bleibt die bisherige Entwickelung der
nautischen Astronomie ja immer, indem sie mit einem großen Aufwand von
Hilfsmitteln auf weiten Umwegen ihr Ziel erreicht hat. Unsere Zeit ist aber
praktisch, muß es sein und drängt unaufhaltsam dahin, mit den einfachsten
Mitteln auf dem schnellsten und kürzesten Wege die von der Praxis gestellten
Aufgaben zu lösen, Einen solch geraden und kurzen Weg weisen die Seetafeln
in Verbindung mit den Standlinien und den klassischen Formeln. Es kommt
ja sehr oft vor, daß ein Ziel zunächst auf Umwegen und erst viel später auf
einem einfacheren Wege erreicht wird, Ein solcher Fall scheint mir hier
vorzuliegen.
In der Überzeugung, daß man mit theoretischen Erörterungen allein
gegenüber eingewurzelten Gewohnheiten meist wenig oder nichts ausrichtet,
habe ich durch Herausgabe der Seetafeln jedem Seemann, der ein Interesse
für sein Fach hat, Gelegenheit geben wollen, sie an Bord, in der Praxis,
selber zu prüfen. Der Anhang enthält alles, was zu einer solchen Prüfung
der Seetafeln nötig ist; besondere Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.
Auch von einem Einarbeiten kann kaum die Rede sein, wenn man sich die
paar Regeln und Stichwörter gemerkt hat,
Ann, d. Hydr. ete.. 1905, Heft V