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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Knipping, E.: Vereinfachung der nautisch-astronomischen Tafeln u. Rechnungen. 917 
von selber aufdrängen, so daß sie,. von diesem Standpunkte aus betrachtet, an 
einer Unübersichtlichkeit und Fülle leiden, die in gar keinem Verhältnis zu 
den bescheidenen Bedürfnissen der Seepraxis steht, Ein Teil der Übelstände 
ist verschiedentlich gerügt worden und es sind auch vereinzelt Ansätze zu 
ihrer Abstellung, wenn auch nur theoretisch, gemacht worden, aber immer 
ohne Verlassen des alten Gleises und darum erfolglos, Es schien mir deshalb 
zeitgemäß, nicht nur mit dem bisherigen Verfahren und den Tafeln ganz zu 
brechen, sondern auch jedem die praktische Prüfung meiner Vorschläge an 
Bord zu ermöglichen, denn die muß doch den Ausschlag geben. Diese Prüfung 
wird durch meine Seetafeln!) ermöglicht. 
Die Seetafeln seien im folgenden kurz mit S, die nautischen Tafeln mit 
N bezeichnet. ; 
Die Hauptmängel der N sind: ihre große. Anzahl, 35 bis 74, (die S, 
durchaus nicht spärlich bedacht, enthalten 13), ihr großer Umfang im einzelnen 
wie im ganzen, 170 bis 450 Seiten (S 56), ihre für die See zu weit gehende 
Genauigkeit, 0,1’ und bei Monddistanzen 1” (S 1’ und 0,1’), endlich ihre Un- 
übersichtlichkeit und Schwerfälligkeit, an die wir uns aber so sehr gewöhnt 
haben, daß sie erst auffallen, wenn wir daneben mit weit einfacheren und 
handlicheren Tafeln gerechnet haben. Die charakteristischen Merkmale der 
N sind Sonderfunktionen und Sondertafeln. 
Die Nachteile der bisherigen Rechnungsverfahren sind: Mangel an Ein- 
heitlichkeit, weil einfache Grundsätze für alle Rechnungen fehlen, Benutzung 
von 8 bis 12 statt 4 Funktionen, Anwendung von wenig durchsichtigen Formeln, 
die von Fall zu Fall besonders abgeleitet und von Zeit zu Zeit durch andere 
ersetzt werden, so daß ihre Gesamtzahl alles Maß überschreitet, endlich Ver- 
wendung von Vorzeichen auch da, wo sie vermieden werden können, Das 
Kennzeichen der Verfahren der N sind Sonderformeln in noch stets 
wachsender Zahl, P 
Der Seemann wird so, da er bei der Überfülle selber keine Wahl treffen 
kann, an bestimmte in seinem Unterricht empfohlene Formeln gewöhnt und 
in gewissem Sinne unselbständig gemacht. Er verläßt den Unterricht mit 
gebundener Marschroute, die er selten zu verlassen wagt. 
Die Grundzüge der $ sind: wenige, kurze, allgemeine Tafeln von großer 
Einfachheit, Übersichtlichkeit und Bequemlichkeit; wenig Blättern, kein Suchen 
auf den Seiten. Diese Eigenschaften der S ermöglichen erst das Schnell- 
rechnen und führen von selber zum ersten Grundsatz für alle Rechnungen: 
Anwendung der jeweils geeignetsten klassischen logarithmischen Formeln bei 
allen Aufgaben, ohne Umformung, und ‚mit deutscher Bezeichnung, Kenn- 
zeichen der S sind: Wegfall aller überflüssigen Funktionen, Sondertafeln und 
-formeln, Vorzeichen, ; 
Persönliche, im Laufe der Zeit wechselnde Ansichten über die zweck- 
mäßigsten Formeln sind dadurch ausgeschlossen, denn bei den S sind die 
klassischen Formeln, an die sich die Namen der bedeutendsten Mathematiker 
und Astronomen knüpfen, auch die zweckmäßigsten für den Seegebrauch, 
Schönheit und Zweckmäßigkeit vereinigen sich bei ihnen in so hohem Maße, 
wie es bei den abgeleiteten Formeln nicht der Fall ist. Der nautische Rechner 
hat so jegliche Freiheit, ist für alle Fälle gerüstet, nicht nur auf einzelne 
eingeübt, und rechnet bequemer, leichter und schneller, als mit den bisherigen 
Hilfsmitteln, mag die Aufgabe lauten. wie sie will. 
Die Tafeln. . 
Genauigkeit. Alle N zeigen noch ganz oder teilweise, daß sie ursprünglich 
nicht nur in See sondern auch an Land gebraucht werden sollten. Als äußeres 
Merkmal dieser Bestimmung mag gelten, daß sie ihrer ganzen Anlage nach 
eine schärfere Rechnung ins Auge fassen, als sie für die See paßt, daß sie 
1) Seetafeln. Mit Bemerkungen und einem Anhang, eine Auswahl von Formeln und 
Beispielen enthaltend. Hamburg. IX u. 698.
	        
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