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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1905.
Haben Stöße, Erschütterungen, welche das Schiff erleidet, oder
starke Schiffsbewegungen Einfluß auf den Chronometergang ?
Von K-Kapt. a. D. Rottok, Vorstand des Kaiserlichen Chronometer-Observatoriums zu Kiel.
Mit obiger Frage haben sich schon namhafte Gelehrte und Institute
beschäftigt wie Fitz-Roy, Rougaux, De Magnac, Mouchez, Martin, Caspari, die
Deutsche Seewarte u. a. Sämtlich kommen sie mit geringer Ausnahme, wie
z. B. die Deutsche Seewarte,!) zu dem Urteil, daß im allgemeinen ein Einfluß
von Stößen, Erschütterungen usw. auf den Chronometergang nicht nach-
weisbar ist.
Dieses Ergebnis steht im Widerspruch mit vielfachen Angaben in den
Chronometerjournalen, nach welchen Gangstörungen der Chronometer zurück-
geführt werden auf Stöße, Erschütterungen oder starke Bewegungen, denen
das Schiff ausgesetzt war, durch Stampfen und Schlingern bei hohem See-
yange, durch den Gang der Maschine, Schießen mit den Schiffsgeschützen,
Arbeiten an dem Schiffe, durch Aufstoßen auf eine Untiefe usw.
Um den erwähnten Klagen des Schiffskommandos auf den Grund zu
yehen, hat der Verfasser das auf dem Observatorium in den Chronometer-
journalen vorhandene Material kritisch daraufhin betrachtet, ob wirklich die
angeführten Stöße usw. als Ursache der Gangstörung anzusehen sind.
Zu diesem Behufe sind aus den sämtlichen von S, M. Schiffen seit dem
Jahre 1874 auf dem Chronometer-Observatorium aufbewahrten Chronometer-
journalen — im ganzen 823 Stück — die Fälle herausgezogen worden, in
welchen ein Schiff Stöße usw. erlitten hat, und erstere‘ dann daraufhin unter-
sucht, ob die täglichen Vergleiche der Chronometer untereinander, wie sie um
8 Uhr morgens in das Journal eingetragen werden, sowie der Verlauf der
x ,-Reihe auf eine Störung des Chronometerganges schließen lassen und ob,
falls wirklich eine Gangstörung beobachtet wurde, nicht etwa eine andere
Ursache dieselbe erzeugt hat.
Es sind hierbei zu unterscheiden:
a) Fälle, bei denen das Kommando die beobachtete Gangstörung auf
oben angeführte Ursachen zurückführt,
Fälle, bei denen das Schiff Stöße, Erschütterungen oder starke Be-
wegungen erlitten hat, ohne daß Gangstörungen beobachtet worden sind.
Zu a) Beobachtete und von den Schiffskommandos auf Stöße usw. zurück-
geführte Gangstörungen der Chronometer :
Aus den zur Verfügung stehenden Chronometerjournalen ergaben sich
32 Fälle, welche der Verfasser sämtlich einer genauen Durchsicht unterzogen
hat, ohne jedoch auch nur einen Fall zu finden, in dem mit Sicherheit oder
auch nur mit großer Wahrscheinlichkeit behauptet werden kann, daß die
beobachteten Störungen auf Stöße usw. zurückzuführen sind, welchen das Schiff
ausgesetzt war. Es waren unter diesen Fällen nicht nur solche, bei denen
Stöße, Erschütterungen bezw. starke Schiffsbewegungen vereinzelt wirkten,
sondern auch solche, wo dieselben vereinigt auftraten. Die angeführten Gang-
störungen wurden nachgewiesenermaßen fast stets durch andere Ursachen
hervorgerufen, namentlich durch Feuchtigkeit und große Temperaturunterschiede.
) Erschütterungsversuche mit Hilfe des Combeschen Apparates angestellt von der
Deutschen Seewarte in den Jahren 1883, 1886 und 1903 (siehe »Ann. d. Hydr. ete.« 1904, Heft XIT,
S. 574 u. f., Während bei den ersten Versuchen alle Bewegungsarten des Apparates eine Gang-
beschleunigung verursachten, haben die neueren Versuche (1903) ergeben, daß Schlingern oder
Stampfen nur wenig, vorwiegend aber im beschleunigenden Sinne den Gang beeinflussen, daß aber
bei einer kombinierten Bewegungsart (Schlingern und Stampfen) eine auffällige Gangbeschleunigung
eintritt. Stöße allein wirkten vorwiegend im verlangsamenden Sinne, desgleichen Stöße mit
Schlingern oder Stampfen ve eint, während Stöße mit der vereinigten Schlinger- und Stampf-
bewegung eine Gangbeschleunigung erzeugten, jedoch letztere in geringerem Maße als die vereinigte
Schlinger- und Stampfbewegung allein sie erzeugen würde.