210 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1905.
liche und winterliche Ausstrahlung wird allerdings ein Teil der absorbierten
Wärme wieder zurückgegeben, dessen Größe von der Wolkenbedeckung des
Ortes abhängig sein wird, Ein nennenswerter Überschuß wird sich dabei erst
im Laufe längerer Zeiträume ergeben. Aber trotzdem ist diese Wärme-
absorption indirekt eine der wichtigsten Wärmeverteilungsursachen für die
Tiefen des Weltmeeres und zugleich die bedeutendste für abgeschlossene
Meeresbecken, indem sie in erster Linie die Konvektionsströmungen erzeugt,
Diese, sowie der Wärmetransport durch die Meeresströmungen, werden durch
die Schnelligkeit ihrer Wirkungsweise von entscheidender Bedeutung.
Flüssigkeiten von verschiedener Dichte werden sich im Ruhezustande
derart anordnen, daß die leichteste an der Oberfläche, die dichteste am Boden
sich lagert. Sind diese Flüssigkeitsschichten auf einer rotierenden Kugel, wie
bei den irdischen Meeren, angeordnet, so können diese Verhältnisse, je nach
der Stärke der Drehung, eine Modifikation erleiden, derart, daß sogar eine
völlige Umkehrung eintreten könnte, wie ein einfacher Versuch der Zentrifugal-
maschine zeigt. Bei der verhältnismäßigen Langsamkeit der Erdrotation wird
deren Zentrifugalkraft auf die Lagerung der Schichten verschiedener
Dichte im Weltmeere keinen merklichen Einfluß ausüben. Sie wird nur
indirekt durch Erzeugung und Erhaltung der Meeresströmungen dabei in
Wirksamkeit treten. Das in den Nächten und im Winter durch Ausstrahlung
abgekühlte, am Tage durch Verdunsten konzentriertere und daher schwerere
Oberflächenwasser wird bald wieder in die Tiefe sinken, um leichterem —
wärmerem oder weniger salzhaltigem — Platz zu machen. Die Folge wird
sein, daß in abgeschlossenen Meeresbecken die Temperatur in dem unteren,
mit dem Weltmeere nicht in Verbindung stehenden Raume gleichförmig sein
muß, und zwar gleich der mittleren Wintertemperatur oder gleich dem in
derselben Tiefe des Ozeans angetroffenen Wärmegrad., Dies ist auch durch
alle bisherigen Beobachtungen vollauf bestätigt worden, so daß man in der
Konvektion vielleicht den wichtigsten temperaturverteilenden Faktor sehen
muß. Weshalb die Bodentemperatur der mit den Polarmeeren in Verbindung
stehenden Meeresteile niedriger ist als die mittlere, niedrigste Wintertemperatur
an der Oberfläche, ist bereits oben angedeutet (Diffusion). An abflußlosen
Salzseen ließen sich vielleicht auch genauere Beobachtungen über die Be-
deutung der Konvektion anstellen und Näherungswerte über die Schnelligkeit
derselben ableiten. Aus Beobachtungen in den Meeren selber wird man
schwerlich sichere Daten erlangen, da sich hier die anderen störenden Ur-
sachen nie ganz werden eliminieren lassen. Anderseits werden auch abge-
schlossene Süßwasserseen, z. B. die Eifeler Maare, kein für ozeanische Ver-
hältnisse brauchbares Material liefern. An solchen Seen würde man dagegen
sehr wohl den Einfluß der direkten Sonnenstrahlung studieren können, wenn
nicht die Isolierung einer wärmeverteilenden Ursache überhaupt unmöglich
ist. Für die oberste Schicht ist ferner noch ein sehr wirkungsvoller Faktor
die Wellenbewegung der Oberfläche, die bei den großen Wellen des
Weltmeeres bis in eine Tiefe von 100 m wirksam ist. Die Aufwühlung und
Umrührung der Oberflächenschichten wird oft die Konvektion noch erheblich
übertreffen in ihrer Bedeutung als temperaturverteilende Ursache.
In der genannten Abhandlung ist ferner darauf hingewiesen, wie man
beim Studium der Temperaturverteilung der obersten Schichten dadurch eine
erhebliche Vereinfachung erzielen kann, daß man h =— co setzt, indem dann
die allgemeine Lösung der Differentialgleichung folgende Form annimmt:
X
sazfi 2. (72)
. Ya ı az
0
Da für dies Krampsche Integral Tafeln existieren, so läßt sich außer-
dem auch x oder t aus dieser Gleichung bestimmen, so daß man dadurch
einen zweifachen Vorteil gegen die obige Formel hat. Aus der {folgenden
Tabelle IV ist zu ersehen, nach welcher Zeit in einer bestimmten Tiefe ein