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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1905. 
Ursachen der vertikalen Temperaturverteilung im Weltmeere unter 
besonderer Berücksichtigung der Wärmeleitung. 
Von Dr. 6. Wegemann, Hadersleben. 
Unsere Kenntnis der vertikalen Temperaturverteilung des Weltmeeres 
ist kaum 40 Jahre alt. Die falschen Anschauungen, die man von der Ver- 
änderlichkeit der Dichte des Meerwassers hatte, irreleitende Versuche über 
die Lage des Gefrierpunktes und Dichtemaximums des Salzwassers hatten die 
Ansicht aufkommen lassen, daß die Meerestemperatur vom Äquator bis etwa 
55° Breite bis 4° C. abnehme. Zwischen den folgenden Parallelkreisen müsse 
die Wasserschicht homotherm = 4° C. sein, und in den Polarmeeren seien die 
Verhältnisse sogar umgekehrt, indem die Temperatur von der Oberfläche mit 
der Tiefe wachse, Der genannte Breitenkreis sei also der obere Rand einer 
nach dem Äquator und den Polen sich senkenden, homothermen Grundschicht, 
Dies schienen auch die Roßschen Beobachtungen auf seinen antarktischen 
Entdeckungsreisen 1840 bis 1843 zu bestätigen. Erst seit der Vervollkommnung 
der Tiefseethermometer durch Negretti, Zambra, Casella und andere, gelang 
es durch die großen Tiefsee-Expeditionen zuverlässigere Beobachtungsreihen zu 
gewinnen, welche die Ansicht von der vertikalen Temperaturverteilung der 
Ozeane von Grund auf änderten, Gleichzeitig wurden auch die physikalischen 
Eigenschaften des Meerwassers sorgfältiger studiert, so daß wir heute in großen 
Zügen ein zuverlässiges Bild von der vertikalen Verteilung der Wärme im 
Weltenmeere haben, besonders auch von deren Ursachen, 
Auf Grund der Tatsachen müssen wir als eine der wichtigsten die 
Wasserbewegung, horizontale wie vertikale, ansehen. Die Tatsache, 
daß die Temperatur der Bodenschicht eines mit den Eismeeren kommunizierenden 
Meeresteils niedriger ist als die mittlere, niedrigste Wintertemperatur an der 
Oberfläche, und selbst am Äquator nur wenig höher wie am Boden der Eis- 
meere, wird sich schwerlich aus einer anderen Ursache erklären lassen, als 
durch eine langsame, aber mächtige Wasserbewegung von den Polen zum 
Aquator, die aber nicht mit den horizontalen Tiefseeströmungen zu ver- 
wechseln ist, sondern als Diffusion des verschieden schweren polaren und 
äquatorialen Tiefenwassers angesehen werden kann, Die Strömungen sind 
im Gegensatz zu ersterer von viel geringerer Ausdehnung, aber von ungleich 
größerer Geschwindigkeit. Dadurch werden sie ebenfalls zu einem Haupt- 
faktor bei der Veränderung der Temperaturanordnung in den Meeren. 
Während man sich von der Wirksamkeit dieser Ursache eine leidliche 
Vorstellung machen kann, entzieht sich dagegen eine andere, nämlich die 
Wärmeleitung, meist unserer Schätzung. Die tägliche Erfahrung lehrt, daß 
man Wasser durch Erhitzen von unten her schnell zum Sieden bringen kann, 
Aber jeder kann sich leicht überzeugen, daß dies nicht durch Wärmeleitung, 
sondern durch Zirkulation des Wassers bewirkt wird, durch Aufsteigen der 
leichteren, warmen Bodenschicht. Wie schnell das Kochen vor sich gehen 
würde, wenn man von oben her erhitzt, darüber kann man sich nur selten 
durch Versuche überzeugen, die zudem bei der geringen Wassermenge für 
das Weltmeer kaum etwas beweisen würden. Dem Physiker ist allerdings die 
Tatsache geläufig, daß Flüssigkeiten schlechte Wärmeleiter sind. Doch pflegt 
eine durch Zahlen unterstützte Vorstellung von dem Grade dieser Langsamkeit 
nicht immer vorhanden zu sein. Es ist deshalb von mir in einer in den 
Wissenschaftlichen Meeresuntersuchungen!) erschienenen Abhandlung der 
Versuch unternommen, solche Zahlenwerte zu berechnen, um sich an der Hand 
derselben eine Vorstellung von der Bedeutung der Wärmeleitung bei der 
vertikalen Temperaturverteilung des Weltmeeres bilden zu können. , 
1) Wissenschaftliche Meeresuntersuchungen, herausgegeben von der Kommission zur Unter- 
suchung der deutschen Meere in Kiel usw., Abteilung Kiel. Neue Folge, Band 8, S. 137 bis 143. 
Wegemann: Die vertikale Temperaturverteilung im Weltmeer durch Wärmeleitung.
	        
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