Knipowitsch, N.: Hydrologische Untersuchungen im Europäischen Eismeer, 203
derjenigen Karte, welche ich jetzt geben kann, unterscheidet sich diese Karte
hauptsächlich dadurch, daß ich zur Zeit dank dem von Vizeadmiral S, 0. Makarow
mir zur Verfügung gestellten Material!) die Karte nach Nordosten bis 79°55’N-Br.
und 49° 48’ O-Lg., 80° 26’ N-Br. und 64° 20’ O-Lg. und 78° 54’ N-Br. und 65°30’ O-Lg.
fortsetzen kann. ; ;
Etwas später als meine Abhandlung über die geologischen Klimate ist
der Bericht . über die Tätigkeit der Murman-Expedition im Jahre 1902 er-
schienen, wo ebenfalls eine hydrologische Karte sich findet. „Der mittlere,
südliche und südöstliche Teil dieser Karte ist mit unbedeutenden Verände-
rungen von meiner ersten Karte entnommen und zeigt keine Spuren einer
selbständigen Bearbeitung des Materials; nach Nordosten ist die Karte auf
Grund der Beobachtungen der Expedition im Jahre 1902 erweitert, aber sie
steht mit dem faktischen Material, wie wir uns leicht überzeugen können,‘)
zum Teil im schroffen Widerspruch. Kaum besser steht die Sache mit dem
grob schematischen nordwestlichen Teil der Karte; ich bezweifle sehr, daß der
Verfasser irgend eine genügende Begründung für die von ihm angegebenen
Grenzen der Strömungen nach Westen und Süden von Spitzbergen in der
Literatur finden kann.?) Dieselbe Karte ist von Breitfuß im Jahre 1904 in
Petermanns Geographischen Mitteilungen veröffentlicht worden. Im Text finden
wir in betreff des allgemeinen hydrologischen Bildes unserer nördlichen Ge-
wässer nichts wesentlich Neues,
Fast gleichzeitig mit den Arbeiten der Expedition für wissenschaftlich-
praktische Untersuchungen an der Murman-Küste fingen die Arbeiten einer
anderen Expedition an, welche ebenfalls wichtige Angaben über die hydro-
logischen, Verhältnisse unserer nördlichen Meere gesammelt hat. Dies ist die
von dem K, Russischen Marineministerium ausgerüstete hydrographische Ex-
pedition. Das Gebiet der Arbeiten dieser Expedition, welche in jedem
Sommer ausgeführt werden, umfaßt den südöstlichen Teil des Europäischen
Eismeeres bis zu Matotschkin Schar, Karische Pforte und Jugorskij Schar
(sowie die angrenzenden Teile, des Karischen Meeres), das Weiße Meer, und
die Murman-Küste. Außer zahlreichen systematischen Beobachtungen an der
Oberfläche finden wir in den Berichten dieser Expedition,®) welche anfangs
(1898 bis 1901) unter der Leitung von A. J. Wilkitzkij, dann (1902) von
A. J. Warneck und schließlich (1908) von Drishenko arbeitete, eine beträcht-
liche Anzahl von Serien hydrologischer Beobachtungen in verschiedenen
Tiefen. Die Temperaturbeobachtungen sind im ganzen zuverlässig, die Be-
stimmungen des Salzgehalts wurden hauptsächlich nach der aräometrischen
Methode ausgeführt und enthalten auch offenbare Fehler (wahrscheinlich
fungierte das Bathometer schlecht). In den Berichten von 1901 an finden wir
auch Salzgehaltbestimmungen nach der chemischen Methode. Außer den Be-
stimmungen von Temperatur und Salzgehalt enthalten die Berichte zahlreiche
Angaben über die Farbe des Wassers, Verteilung des Eises und Strömungen,
Der Verbreitung des Eises nach den Beobachtungen der Hydrographischen
Expedition sowie dem in der Literatur vorhandenen Material sind drei Auf-
sätze von A. J. Warneck gewidmet worden.‘)
1) Vgl. N. Knipowitsch. Über die hydrologischen Verhältnisse des nordöstlichen Teils
des Europäischen Eismeeres. Revue Internationale de pöche et de pisciculture. 1903.
2) Näheres hierüber im folgenden Kapitel.
8) Meteorologische und hydrologische Beobachtungen, ausgeführt im Sommer 1898 von der
Expedition des Nördlichen Eismeeres unter der Leitung des Obersten Wilkitzky. St. Petersburg 1900.
In demselben Jahre sind auch Berichte für die Jahre 1899 und 1900 erschienen, im Jahre. 1902
für 1901, im Jahre 1903 für 1902 (unter der Leitung von Warneck) und im Jahre 1904 für 1903
(unter der Leitung von Drishenko). Alle diese Berichte wurden in russischer Sprache veröffentlicht.
4) A. Warneck, Die Verbreitung des Eises und die Bedingungen der Schiffahrt nach
Sibirien. Morskoi Sbornik. 1901 (russisch).
Derselbe. Über die Bedingungen der Bildung des Eises in den die Nordküsten des
europäischen Rußlands bespülenden Gewässern und im Karischen Meer, ‚Russische Schiffahrt
(Russkoje Sudochodstwo). 1901 (russisch).
Derselbe. Die Verbreitung ‚des Eises und die Bedingungen der Schiffahrt nach Sibirien.
Verhandlungen der K. Russischen Geographischen. Gesellschaft. 1902 (russisch).