Ann. d. Hydr. ete., XXXIL Jahrg. (1905), Heft V.
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Hydrologische Untersuchungen im Europäischen Eismeer.
Von N. Knipowitseh:.
Die vorliegende Arbeit ist ein kurzer Auszug aus meinen »Grundzügen
der Hydrologie des europäischen Eismeeres«, In dieser ausführlichen . Ab-
handlung, welche hoffentlich bald in den Memoiren der K, Russischen Geogra-
phischen Gesellschaft erscheinen wird, werden die Resultate der Bearbeitung
eines umfangreichen Materials veröffentlicht, welches vor dem Jahre 1905 ge-
sammelt worden ist, Den größten und wichtigsten Teil desselben bilden die
Beobachtungen während der Arbeiten der »Expedition für wissenschaftlich-
praktische Untersuchungen an der Murman-Küste« unter meiner Leitung in
den Jahren 1898 bis 1901 und die gleichzeitigen Beobachtungen einiger
anderer Expeditionen, unter welchen die von Vizeadmiral S. Makarow eine
hervorragende Stelle einnehmen. Da meine Tätigkeit in der Murman-Expedition
plötzlich aufgehoben wurde, blieben viele Pläne nicht erfüllt und die Unter-
suchungen nicht abgeschlossen. Als eine Ergänzung zu dem oben erwähnten
Hauptmaterial dienen die späteren Beobachtungen der Murman-Expedition,
soweit dieselben bis 1905 veröffentlicht worden sind, einige andere spätere
Beobachtungen sowie die älteren Untersuchungen (darunter die meinigen in
den Jahren 1891 bis 1895).
Obgleich das hydrologische Material sehr umfangreich ist, läßt das-
selbe doch sehr viel zu wünschen übrig. Wie wir unten sehen werden, sind
die Beobachtungen sehr ungleichmäßig, Viele Fragen sind bis jetzt nur flüchtig
oder gar nicht berührt worden, Für gewisse Gebiete besitzen wir nur spär-
liche, auf den warmen Teil des Jahres sich beziehende Beobachtungen; aus
einem großen Gebiet östlich von Spitzbergen sind keine hydrologischen
Beobachtungen vorhanden, Es bleibt daher noch sehr viel zu tun, ehe wir
zu einer vollständigen Kenntnis der physikalisch-geographischen Verhältnisse
im Europäischen Eismeer gelangen können. Der Zweck der vorliegenden
Arbeit ist, den jetzigen Zustand unserer Kenntnisse kurz darzustellen. Ich
erlaube mir zu denken, daß diese Kenntnisse, so unvollkommen sie auch sein
mögen, nichtsdestoweniger eine feste Grundlage für weitere Forschungen in
unserem Untersuchungsgebiet bilden,
Sowohl die vorliegende kleine Arbeit, wie meine »Grundzüge« erscheinen
viel später, als sie erscheinen sollten, ungefähr um ein Jahr. Erst im Herbst
des verflossenen Jahres ist es mir nämlich mit großer Mühe gelungen, das
Manuskript der »Grundzüge« aus den Händen des Komitees für die Unter-
stützung der Küstenbevölkerung des russischen Nordens zu befreien, wo das-
selbe nutzlos lag. Ich mußte dann selbstverständlich verschiedene Verände-
rungen und Ergänzungen einführen und viel Zeit opfern.
Ich halte es für meine angenehme Pflicht, diese Gelegenheit zu benutzen,
um allen denjenigen Personen meinen tiefsten Dank auszusprechen, welche mir
in meinen hydrologischen Untersuchungen ihren wertvollen Beistand leisteten.
Zunächst muß ich Vizeadmiral S. Makarow erwähnen, welcher seine noch nicht
veröffentlichten Beobachtungen im Jahre 1901 zu meiner Verfügung stellte.
Eine Reihe von nicht veröffentlichten Beobachtungen habe ich von Dr. J. Hjort
und Dr. B, Helland-Hansen sowie von A, Birula empfangen. Besonders wichtig
war. die Tätigkeit an der Expedition im Jahre 1901 von Fräulein Augusta
Palmqvist, welche eine Menge von chemischen Analysen'im Sommer dieses
Jahres ausgeführt hat.
I. Geschichtliches.
_ In der Geschichte der hydrologischen Untersuchungen des Europäischen
Eismeeres, d. h. des Barents-Meeres (einschl. des Murman-Meeres) und .des
Weißen Meeres, kann man drei Perioden unterscheiden: vor 1870, von 1870
Ann. d. Hydr. etc., 1905, Heft V,