accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Kleinere Mitteilungen, 
181 
war der Wind West, die Stärke unverändert 7. Merkwürdig verändert hatte 
sich das Aussehen des Himmels nach Sonnenuntergang. Während die nörd- 
liche Hälfte sternenklar war, — die Sterne funkelten besonders stark, die 
Luft war ganz ungewöhnlich durchsichtig — standen an der südlichen Hälfte 
dichte Dunstwolken und in Form eines Regenbogens waren beide Teile scharf 
abgegrenzt. Um 8% N. war das Barometer auf 753 mm gefallen. Mit Dunkel- 
werden begann es im Süden zu blitzen, der Wind wehte unverändert aus 
westlicher Richtung, erregte jedoch noch keine bedeutende See, 
Während der Mittelwache — wir hatten um 12% das Feuer von 
San Antonio.in 13 Sm Abstand passiert — bezog sich der Himmel mehr und 
mehr, der Wind holte wieder nördlich bis NW und nahm schnell zu bis 
Stärke 9, Barom. um 12% 751,8 mm, Therm. + 20°, Zugleich setzte ein feiner 
Schmuttregen ein. Langsam fiel das Barometer, 4% morgens am 18. Dezember 
746 mm, Therm. + 18°, Mit Tagesgrauen wehte ein orkanartiger Sturm 
(Stärke 10 bis 11). Gegen 64 morgens bemerkten wir aufkommende, schnell 
zunehmende südwestliche See und um 7k morgens sprang der Wind; ohne 
seine Stärke im geringsten zu verändern, plötzlich nach SW. Das Barometer 
zeigte um 6% 742 mm, um 7% 741 mm, um 8% 740,7 mm, Der Sturm war zum 
Orkan angewachsen und erregte bald eine hohe, wilde See aus SW. Das 
Schiff gehorchte dem Steuer nicht mehr. Gegen Mittag am 18. Dezember — 
der Schiffsort war nach Koppelung 37° 44’ S-Br. und 56° 30’ W-Lg. — erreichte 
das Barometer seinen niedrigsten Stand mit 740 mm, Mit hart rechts Ruder 
hielten wir den Bug des Schiffes möglichst auf Wind und See, Diese hatten 
in den Nachmittagsstunden gegen 5% ihre größte Stärke erreicht, In der 
kurzen, dabei hohen See, mit gewaltigen Brechern, arbeitete das Schiff furchtbar. 
Auffallend war die Unregelmäßigkeit in der Richtung der See, bald kam sie 
aus SW, bald aus S, bald westlicher. Vielleicht daß dieses mit Strömungen 
oder der nahen Küste zusammenhing. Um zu verhindern, daß das Schiff zu 
sehr abfiel, befestigten wir im Luvgroßwant eine Persennig und setzten achter 
ein Stagsegel. Immerhin rollte das Schiff ganz gewaltig. Ganze Scharen 
kleiner Landvögel wurden von der Gewalt des Sturmes am Schiff vorbei in 
die See hinausgetrieben, Endlich gegen Abend — der Wind hatte seit 
12 Stunden unverändert aus SW geweht -— ließ sich ein langsames Steigen 
am Barometer erkennen, 8% N. zeigte es 746 mm, 4 Stunden später 747 mm, 
Therm. + 17°, Wind und See nahmen jetzt langsam ab. - 
Um 4% morgens am 19. Dezember: Barometerstand 749.3 mm, Therm, 
+14°; 8b morgens 753,9 mm, Therm. +14°. Eine Lotung ergab 43 Fad. 
Der Wind in Stärke 3 holte langsam durch S nach SO bei klarem, wolken- 
losem Himmel, dabei herrschte eine leichte südliche Dünung. Der Schiffsort 
war um Mittag nach astronomischer Beobachtung 38° 4’ S-Br. und 56° 35’ W-Lg., 
die Versetzung während des Sturmes ergab N 47°O0 35 Sm. 
Auf der Nachmittagswache fing das Barometer wieder an zu fallen, 
doch waren in der Luft nicht die geringsten Anzeichen eines neuen drohenden 
Unwetters zu bemerken. 6%}%N, passierten wir »Mogotes«-Feuerschiff in 9 Sm 
Abstand und steuerten dann mit südwestlichem Kurse längs der Küste auf 
26 Faden Wassertiefe. 8b N. Barometerstand 750.7 mm, Therm. +-16°; der 
Wind holte jetzt von SO durch O schnell nach NOzN, zugleich an Stärke 
zunehmend 4 bis 5, dabei zeigten die oberen Luftschichten eine direkt ent- 
gegengesetzte Richtung, Cumulus-Wolken zogen schnell von SWzS auf. Im 
Süden und Nordwesten ‚bildeten sich schwere Wolkenbänke, und gegen 9% 
begann es dort zu blitzen: An allen Seiten standen jetzt schwere Gewitter- 
wolken, und gegen 10% N. blitzte und donnerte es ohne Unterbrechung im 
Süden, Nordwesten und Osten. Der Wind holte nördlicher und wehte um 12» 
steif aus NNW (7 bis 8) bei einem Barometerstande von 747.0 mm, Therm. + 16°. 
Zeitweise fielen große Regentropfen, doch kam es nicht zu einem anhaltenden 
Regen. Während der Mittelwache von 12% bis 4% verzogen sich die Gewitter, 
das Barometer fing langsam an zu steigen, 4b morgens 749 mm, Therm., + 16°. 
Der Wind wurde unbeständig in Richtung und Stärke, ging endlich durch W
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.