Prager, M.: Die Fahrtgeschwindigkeit der Segelschiffe auf großen Reisen.
Die höchste Leistung wird von dieser Schiffsgattung ebenfalls bei den Wind-
stärken 8 bis 9, 7 bis 8 und 6 bis 7. erreicht; es sind dies die Punkte, wo die
Leistungsfähigkeit den Höhepunkt erreicht, Bei weiter zunehmender Wind-
stärke nimmt durch die notwendige Kürzung der Segel die Fahrt langsamer
oder schneller ab, je nachdem die Windrichtung zur Kurslinie günstig oder
ungünstig ist. Vergleicht man die mittlere Geschwindigkeit der einzelnen
Schiffe miteinander, so ergeben sich besonders bei den Windstärken 8, 9
und 10 bemerkenswerte Unterschiede in der Schnelligkeit. Der Grund dazu
liegt zum Teil in den guten oder geringeren Eigenschaften der Schiffe,
weniger wohl an der Führung, denn was einem Schiffe zugemutet werden
kann bei schwerem Seegang und stürmischen Winden, dürfte bei allen
Führern als gleichmäßig bekannt angenommen werden. Daß mit der
Größe sich. die Widerstandsfähigkeit steigert, zeigt bei dieser Schiffsgattung
die Ausnutzung der Windstärke 11, orkanartiger Sturm, bei günstigem Wind.
Auch die Windrichtung »Breitseits« und »Bei dem Wind« zwingt bei Stärke 10
diese Schiffe noch nicht zum Beidrehen,
Gruppe F und G, Fünfmastschiffe. Sie sind nur durch je ein Schiff
vertreten. Alle vier von dem Fünfmast-Vollschiff »Preußen« bisher aus-
geführten Reisen sind für die Untersuchung benutzt worden; desgleichen vier
beliebig ausgewählte Reisen des Fünfmast-Barkschiffes »Potosi«, Diese größten
Segelschiffe der deutschen Handelsflotte, mit deren Erbauung die Technik
den höchsten Triumph feierte, sind sich in ihren Leistungen fast gleich; den
rühmlichst bekannten schnellen Reisen der »Potosi« stellen sich die der
»Preußen« ebenbürtig zur Seite, Das Mittel aus den vier Reisen der »Preußen«
weist, gegenüber der »Potosi« bei allen vier Windrichtungen, wenn auch
nicht bei allen Windstärken, eine Steigerung der Fahrtgeschwindigkeit auf,
namentlich bei den kleineren und mittleren Stärken. Dieser Vorteil ist zum
Teil auf die größere Segelfläche, welche »Preußen« entfalten kann, zurück-
zuführen, mehr aber auf das Beharrungsvermögen, welches dieses Schiff durch
seine Größe und Schwere in größerem Maße besitzt, indem die Vorwärts-
bewegung durch den Widerstand des Wassers nicht so schnell gehemmt wird.
Ein weiterer Vorzug bei beiden Schiffen ist der große Widerstand, den sie
Wind und See entgegenzusetzen vermögen. Für »Preußen« zeigt die Tabelle
1 d, daß der schwerste Sturm dieses Schiff nicht zum Stillstand zwingen kann.
Die Fortbewegung ist bei orkanartigen Winden aus der Kursrichtung noch
so beträchtlich, daß sie durchschnittlich fast 5 Seemeilen per Stunde beträgt,
erst bei vollem Orkan sind die etwa noch geführten Segel nicht mehr imstande
das Schiff vorwärts zu treiben. Das Gleiche gilt für »Potosi« mit dem ein-
zigen Unterschiede, daß es beim Winde bei orkanartigem Sturm bereits bei-
gedreht liegen muß. So hohe Windstärken von längerer Dauer traten nur
im Südatlantischen Ozean auf und gegen die dort gewaltige See mit Erfolg
anzukämpfen, mußte »Potosi« und schließlich auch »Preußen« aufgeben.
Nachstehende Tabelle 1 ist aus der berechneten mittleren Geschwindigkeit
zusammengestellt, wie sie in den Gruppen A bis D als Gesamtmittel, E bis G
als Mittel aufgeführt ist. Aus derselben ist ersichtlich, wie mit der Durch-
schnittsgröße der Schiffe auch die Fahrtgeschwindigkeit wächst. Geht man
von oben in die Tabelle ein, so bezeichnen die aufgeführten Seemeilen die
Durchschnittsgeschwindigkeit, die jede Schiffsgattung bei den einzelnen Wind-
stärken erreicht hat. Bei dem Eingang von der Seite geben die einzelnen
Windstärken für jede Schiffsgattung die Durchschnittsgeschwindigkeit an. Ver-
gleicht man, von der Seite eingehend, die aufgeführten Seemeilen unter-
einander, so zeigt sich erst für die größten Segelschiffe (Gruppe E bis G)
von der Windstärke 4 ab an eine beträchtliche Zunahme der Geschwindigkeit;
dies ist besonders bei der Windrichtung »Vor dem Wind« und »Backstags«
der Fall. Bei der weniger günstigen Windrichtung »Breitseits«, namentlich
»Bei dem Wind« ist die Zunahme nicht so groß; der Unterschied wird durch
die verminderte Segelführung bei hohen Windstärken erklärlich.
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