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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Schrötter, Frhr. v.: Der Einfluß der irdischen Strahlenbrechung auf die Navigierung. 169 
Strahlen, die sich über die Wasserfläche erstreckten, und. eine Spiegelung 
herabwärts stattfand. War das Wasser dagegen um 2° F, kälter als die Luft, 
so fand Hebung der Strahlen und nie ‚eine Spiegelung herabwärts statt. Diese 
Regel erlitt während zweymonatlicher Beobachtung, und bey mehr als 150 Beob- 
achtungen, keine einzige Ausnahme«, vergleiche damit die eingangs auf S. 159 
und 160 aufgestellten Regeln. 
Man sieht, wie richtig Woltmann beobachtet hat und welches wertvolle 
Beobachtungsmaterial fast vergessen ist, wieviel versäumt. wurde und was 
nachgeholt werden muß. 
Die in neuerer Zeit .von Köß ermittelten Fehler über der Kimm ge- 
messener Höhen betrugen im »Roten Meere« im Höchstbetrage 9 Höhenminuten. 
Koß bemerkt aber ausdrücklich, daß man während der verhältnismäßig kurzen 
Zeit im Oktober und November 1898 nur 48 solcher Beobachtungen machen 
konnte und immer Wind, niemals Windstille dabei antraf; also diejenigen 
Verhältnisse, unter denen eine abnorme Refraktion aufzutreten pflegt und 
wofür das Rote Meer bekannt ist, nicht eintreten konnten. Dagegen beob- 
achtete man auf dieser »Pola«-Expedition mehrfach im Fernrohr des Theodoliten 
doppelte Kimmlinien, die 2 Minuten auseinanderlagen, aber nicht übereinander, 
sondern nebeneinander. Damit ist an sich schon die Hinfälligkeit der allzu 
großen Genauigkeit von Rechnungen und Beobachtungsresultaten an Bord er- 
wiesen. Ich erinnere nur an die Breiten- und Längenbestimmungen und die 
Stromversetzungen, die man mitunter noch auf Zehntelminuten genau an- 
gegeben findet. 
Man kann starke und ungewöhnliche Strahlenbrechung be- 
sonders häufig in folgenden Meeresteilen antreffen: 
I. Beständig während des ganzen Jahres: | 
a) In der Umgebung der Neufundlandbank, wo die kalte polare Strömung 
mit den warmen Wassermassen des Golfstromes in Berührung tritt, ; 
b) An der Westküste Afrikas von Kap Blanko bis nach Mogador, 
(Aufquellen kalten Tiefseewassers.) 
c) An der Westküste Afrikas von dem Kap der guten Hoffnung bis 
zum Kongo. (Aufquellen kalten Tiefseewassers.,) 
II. Vorübergehend, aber besonders häufig oder zu bestimmten Jahreszeiten: 
a) In den Meeresteilen der. gemäßigten Zone im Frühling und Sommer, 
b) In der kalten Zone über eisfreiem, von Eis umgebenem Wasser. 
c) An einzelnen Küsten, wo hohe schneebedeckte Gebirge bis dicht an 
tropische Meere treten, bei ablandigen lokalen Winden, z. B. in der Nähe der 
Sierra Nevada de Santa Marta, Columbien; an der Westküste von Nord- und 
Südamerika, wo die Anden dicht an das Meer herantreten.*) 
d) An Küsten warmer tropischer Meere, in die große Flüsse im Frühling 
das von den Gebirgen kommende kalte Schnee- und Gletscherwasser ergießen, 
beispielsweise im Golf von Mexiko vor der. Mississippimündung, 
_ e) An Küsten und Buchten, an denen zeitweilig besonders starke 
Strömungen vorbeifließen und dadurch kaltes Tiefseewasser heraufgesaugt 
wird, z. B. in der Bucht von Rio de Janeiro und Santos westlich vom Kap 
Frio durch die nach Südwesten abgelenkte Passatströmung. An der afrika- 
nischen Küste zwischen Kap Palmas und Kap Three Points in der Zeit des 
stärksten Südwestmonsuns, wenn der stärkste Guineastrom zu erwarten ist, im 
Juni bis September. . 
f) An der Ostküste Afrikas nördlich, östlich und südlich von Kap 
Guardafui bis Ras-Hafoun von Mai bis Oktober. 
Nach sonstigen noch vorliegenden Meldungen kann man Spiegelungen 
und starke Refraktionserscheinungen beobachten: An der Südküste Australiens, 
in den Binnenmeeren an der Ostküste Asiens, dem Ochotskischen, Japanischen, 
1) Es steht nicht fest, ob diese auffälligen Strahlenbrechungen von aufauellendem kalten 
Tiefenwasser oder anderen Ursachen herrühren.
	        
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