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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

166 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1905. 
den Riggen knisterte und knackte, war an Deck kaum merklicher Zug aus derselben Richtung fühlbar, 
über dem glatten Wasser konnte jedoch keine Kräusehung beobachtet werden. 
Unsere beiden Mitsegler erschienen uns zeitweilig wie kolossale Körper und ganz verzerrt, 
bald wieder unnatürlich verkleinert. Die recht vor uns segelnde größte viermastige Bark »Limla« 
kam uns wie ein kleines unscheinbares Fahrzeug vor. 
Der vorstehende Bericht ist sehr lehrreich. Er zeigt uns, daß die 
Temperaturunterschiede zwischen Luft und Wasser zur Beurteilung der 
Refraktionsverhältnisse allein nicht immer maßgebend sind, daß vielmehr 
Windstille über dem Wasser herrschen kann, die über demselben lagernden 
Luftschichten unter sich auch schon stark differieren mögen, daß aber über 
diesen ruhenden Luftschichten ganz andere von weit hergeführte hinstreichen, 
deren Temperaturen nicht bekannt sind und demnach den größten Temperatur- 
unterschied mit den untersten Luftschichten bilden können, wodurch die ganz 
eigenartigen verworrenen Erscheinungen hervorgerufen sein dürften. 
Nach Fertigstellung der vorliegenden Arbeit machte mich Herr Professor 
Dr. Köppen auf seinen Artikel über denselben Gegenstand in der »Natur- 
wissenschaftlichen Wochenschrift« 1896, Nr. 88, überschrieben »Einige Be- 
merkungen über Luftspiegelungen«, aufmerksam. In diesem Aufsatz wird 
darauf hingewiesen, daß die sogenannte »Spiegelung der Gegenstände« dicht 
am Horizont nicht eigentlich eine Spiegelung ist, obwohl als solche gut 
erklärlich, sondern vielmehr, wie bereits 1794 von Baudirektor Woltmann 
erkannt, lediglich eine Brechungserscheinung in verschieden erwärmten Luft- 
schichten dicht über dem Erdboden oder über dem Wasser sei. Trotzdem 
wurde der Aufsatz in der vorliegenden Form belassen, weil die Erklärung mit 
Zuhilfenahme der Spiegelung sich sehr viel einfacher geben läßt, keine nennens- 
werten Fehler erzeugt und, um zu zeigen, daß die vom Schreiber und anderen 
gemachten Beobachtungen mit denen in Cuxhaven vor 109 Jahren von dem 
Baudirektor Woltmann ausgeführten übereinstimmen. Da eine so zusammen- 
hängende Beobachtungsreihe von Spiegelungen in der Elbemündung für den 
Seemann ungemein wichtig, später nicht wiederholt und nun fast unbekannt 
oder vergessen ist, so sind deren Resultate hier folgend dem dritten Bande 
von »Gilberts Annalen« 1800, teilweise wortgetreu, entnommen. 
„Beobachtungen über die Lichtstrahlen, die nahe über der Erd- 
oberfläche hinfahren. 
Von Reinhard Woltmann, Baudirektor im hamburgischen Amt Ritzebüttel.“ 
Gilbert selbst sagt als Einführung: »Die Beobachtungen, die er (Woltmann) 
anstellte, sind die zusammenhängendsten und schärfsten, die wir bis jetzt über 
die irdische Strahlenbrechung besitzen, und ganz dazu geeignet, uns über diese 
schwierige Materie ins Klare zu bringen, wenn sie mit Abänderungen und Er- 
weiterungen an dazu schicklichen Orten wiederholt würden. 
Herr Woltmann wohnt zu Cuxhaven im hamburgischen Amt Ritzebüttel, 
wo die Kimmung, oder wie Woltmann sie nennt, die Spiegelung, ein sehr 
gewöhnliches Phänomen ist. Er gibt von ihr folgende Beschreibungen und 
Merkmale, die wir nicht übergehen dürfen. 
Beschreibung des Phänomens. 
1. Entlegene Gegenstände, Häuser, Bäume usw. nahe am Horizonte, 
scheinen bey diesem Phänomene durch einen hellen Luftstreif oder einen 
glänzenden leeren Raum von der Erdfläche getrennt zu seyn; man glaubt sie 
in der Luft schwebend zu sehen oder, wenn das Auge erhaben ist, ein stilles 
glänzendes Meer, über der ganzen Landschaft, worin die Gegenstände stehen 
und sich spiegeln, wahrzunehmen. Durch ein Fernrohr sieht man denn die 
entfernten Gegenstände sehr deutlich, gerade so mit einem umgekehrten Bilde 
darunter, wie sie sich in der Nähe darstellen, wenn zwischen ihnen und dem 
Auge ein ebener Wasserspiegel ist. Das verkehrte Bild und das Objekt sind 
an Farbe und Helligkeit gleich und hängen unmittelbar zusammen, so daß 
man sie mit bloßem Auyve für einen Gegenstand zu halten geneigt ist. Diese
	        
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