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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Schrötter, Frhr. v.: Der Einfluß der ‚irdischen Strahlenbrechung auf die Navigierung. 165 
bis zum Dunkelwerden um 6b 45min unverändert in Sicht und wurden immer 
deutlicher. Es herrschte zur Zeit Windstille; Lufttemperatur war -+ 24°C, 
Wassertemperatur + 23° C.« Bei diesem Beispiel der Hebung der Kimm muß 
man sich klarmachen, daß der durch den östlichen Passat erzeugte westliche 
Strom vom Lande abgelenkt in südwestlicher Richtung an Kap Frio vorbei 
setzt, wodurch die Wassermassen in der großen Bucht südlich von Kap Frio 
angesaugt und mitgerissen werden, Da das Wasser an der Oberfläche nicht 
wieder ersetzt werden kann, so quillt als Ersatz das kühlere Wasser der Tiefsee 
herauf, Damit ist‘ die Erklärung der ungewöhnlich starken »Hebung der 
Kimm « gegeben. Es mag übrigens noch daran erinnert werden, daß einmalige 
Messungen der Temperaturen von Luft und Wasser an Bord nicht ohne 
weiteres Aufschluß über die mehrere Seemeilen weiter ab herrschenden 
Temperaturunterschiede zwischen den untersten Luftschichten geben können, 
Man müßte wenigstens während einer Stunde fortgesetzt diese Messungen vor- 
nehmen, bis man etwa an den Ort der gewöhnlichen Kimm-. des ersten Beob- 
achtungsortes gelangt wäre. 
S. M. Krzr. »Falke«, Kommandant K-Kapt. Becker, berichtet: »An der 
ganzen Küste von Loanda : bis Kapstadt wurde starke Luftspiegelung beob- 
achtet, wodurch besonders beim Ansteuern der Tafel-Bai ‚ein Schätzen von 
Entfernungen unmöglich war.« (»Ann, d. Hydr. etc,.« 1893, S. 192.) 
Im »Africa Pilot« 1899, Seite 117, heißt es: (Lieutenant Arlett R. N.) 
»Bei der Ansteuerung von Azimur (Marokko) gegen Abend, bot die Stadt durch 
den Dunst hindurch gespiegelt einen wunderbar großartigen Anblick, und ein 
Grabdenkmal in der Mitte’ der Stadt erschien wie eine stattliche Kathedrale; 
aber das Morgenlicht zeigte uns einen Ruinenhaufen.« 
»Africa Pilot« 1899, Seite 367, schreibt: »Kap Palmas sollte man mit 
Vorsicht ansteuern, da meistenteils Luftspiegelungen über dem Lande und in 
dessen Nachbarschaft Peilungen von Landmarken unzuverlässig machen.« 
Von der Reise des D. »Breslau« von Bremen nach Baltimore wird vom 
26. Mai 1904 berichtet: ; 
»Zwischen 12% und 4?morgens beobachteten wir in der Nordsee merkwürdige 
Luftspiegelungen. Die Insel Norderney erschien uns als hohe Küste, der darauf 
stehende hohe, schlanke Leuchtturm dagegen wie ein kurzer dicker Stumpf. 
Beim Passieren des mit vier Schornsteinen gebauten Hamburger Schnelldampfers 
»Deutschland« erblickten wir dessen weißgemalte Kommandobrücke und das 
Bootsdeck. deutlich zum zweiten Male über den Schornsteinen. Die eigentlichen 
Schornsteine waren zusammengeschrumpft in zwei enorm lange, die sich erst 
beim Näherkommen in die eigentlichen vier auflösten. 
Aus dem meteorologischen Journal der Viermastbark »Lisbeth« von 
Hamburg, den 23. Juli 1903. 
Stunden! S-Br. |W-Le. 
1 
Sh 
Mittag 
340 15/520 517 
41h 
h 
\Litter- 
nacht 
IW. Ip: 
stanzl 
Kurs Distan. 
350W- 
3 own 
350WI 36 
345Wl 38 
348W1 22 
38 
45 w| ‘36 
Wind 
Baro- | | 
meter Therm. 
Luft- ' untere 
temp. Wolk. 
Bewöl- 
kung 
Wetter 
Seegang 
Wasser- 
temp. 
SSO 5 71.6| 148 Az 
a 72.4 | 14.6 12.0 | cum 5 1 
025 SB aa] 08 380m 6 
020 72 98 88 | cum | 2 ; 
50/80 72.8| 9.0) 8.0 | cum | 1 |ben | Südt. 1 6.0 
SSO E& 
71.6 
13,5 
13.0 
cum 
b 
Südl. 2 
Süd. 2 
Süd. 2, 
Südl.2/1) 68 
Südl. 2/11 68 
Bemerkung. Mit Tagwerden kommen die seit dem 13. Juli in Sicht gewesenen Schiffe »Simla« 
und »Edmund« wieder in Sicht, Nachmittag sichteten wir einen Dampfer, mit dem wir signalisieren 
wollten, jedoch war es nicht möglich, seine Flaggen zu erkennen, da Luftspiegelungen alle etwas entfernten 
Gegenstände verzerrten. Zeitweilig sah es aus, als wenn wir von Land eingeschlossen wären, dabei war es 
an Deck bis zur Untermarsrahe totenstille, weiter oben kräftige Brise. Dann wieder an Deck leichter Zug 
aus SSO und oben aus SO bis OSO. Mauchmal legte sich das Schiff ordentlich über: während es oben in
	        
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