accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Lütgens, R.: O. Petterssons Untersuchungen über den Einfluß der Eisschmelze etc. 157 
Wasser. Gestützt auf Lotungen Ryders, Östergrens und Mohns nimmt er auch 
an, daß das kalte Bodenwasser vereinigt mit dem kalten ‚Oberflächenwasser 
an der westlichen Seite des Kanals zwischen Spitzbergen und Grönland ent- 
weicht und auf den. Boden des norwegischen Meeres, ähnlich dem durch die 
Eisschmelze zwischen Island und Jan Mayen entstandenen arktischen Tiefen- 
wasser, sinkt. 
An dieser Stelle wird auch die Frage der Einwirkung des sibirischen 
Flußwassers behandelt. Nansen verwirfit die Ansicht Nordenskiölds, daß dieses 
Wasser einen Oststrom :an der sibirischen Küste bildet. Die oberen Wasser- 
schichten des Nordpolarbeckens, »das wahre Polarwasser«, soll aus einem 
Gemisch von Seewasser und dem Frischwasser der sibirischen Ströme bestehen, 
das nordwärts fließt, Nun zeigt aber ein Versuch Petterssons, daß sich Wasser 
von sehr verschiedenem Salzgehalt nur dann leicht mischt, wenn schmelzendes 
Eis durch die zustande kommenden Konvektionsströmungen eine Vermittler- 
rolle spielen kann. Zwei Zylinder wurden mit Seewasser von 34,77 7 gefüllt. 
In den einen werden 2 kg Eis getaucht, während in den anderen 2 kg eis- 
kaltes Frischwasser vorsichtig, so daß es die Oberschicht bildet, eingeführt 
werden. Nach 24 Stunden enthielt der erste Zylinder an der Oberfläche einen 
Salzgehalt von 10.58 %, am Boden von 34.70 %. Das andere Gefäß dagegen 
hatte den ursprünglichen Salzgehalt von 34.77 % in den mittleren und unteren 
Schichten bewahrt, an der Oberfläche aber erst 0.20% angenommen, Pettersson 
glaubt deshalb, daß das Wasser der sibirischen Flüsse gefriert. Die Eismassen, 
zu Packeis, das bedeutendere Tiefen als einzelne Schollen erreicht, zusammen- 
getürmt, treiben nordwärts und werden dann von dem warmen atlantischen 
Unterstrom angegriffen; So wirkt auch hier die Eisschmelze bei der Ent- 
stehung des Polarwassers. 
Die vor allem durch deutsche Mitarbeit erkannten Verhältnisse der 
Nord- und Ostsee seien nur kurz erwähnt.!) Die Nordsee erhält atlantisches 
Wasser durch die Region zwischen Orkney- und Shetlandinseln, sowie durch 
den Kanal, während arktisches Wasser durch die norwegische Rinne eindringt. 
Durch Skager Rak und Kattegat tritt dieses Wasser hauptsächlich im Winter 
und Frühling als Unterstrom in die Ostsee. Im Sommer besteht die Strömung 
aus Wasser der nördlichen und mittleren Nordsee. Der Unterstrom läßt sich 
bis zum Gotland-Tief nachweisen. Das leichtere Ostseewasser fließt dagegen 
als Oberflächenstrom ab. 
V. Schlußbemerkungen, 
Da aus den Ausführungen folgt, daß die Eisschmelze wesentlich von der 
Zufuhr von: warmem Wasser durch Unterströmung abhängig ist, ergibt sich 
die Wichtigkeit der Größe des Zuflusses, 1’/,, des zugeführten Wassers sinken 
nach Pettersson durch den Kontakt mit dem Eise auf —1° bis 1.4° C. ab- 
gekühlt zu Boden. Wenn durch Lotungen eine noch tiefere Temperatur bis 
—1.9° C, dem Gleichgewichtspunkt zwischen Eis und Seewasser von 35% 
gefunden wird, so zeigt dies, daß entweder das Gleichgewicht vorhanden, oder 
aber das Eis überwiegt. Ist dagegen die Warmwasserzufuhr im Überschuß, 
so wird die Bodentemperatur erhöht. Auch die Stärke der Polarströmung 
wird natürlich beeinflußt, und die Gesamtheit der Erscheinungen wirkt schließlich 
nachhaltig auf die klimatischen und meteorologischen Verhältnisse benachbarter 
Gebiete ein. 
Bei der Annahme, daß die ozeanischen Strömungen den Wind als 
Grundursache haben, daß aber auch noch andere Ursachen mitsprechen, 
muß zweifellos. in den Gegenden, wo die Eisschmelze im großen und größten 
Maßstabe stattfindet, sie die Strömungen nicht unwesentlich beeinflussen. Die 
zu erwartenden Veröffentlichungen der Beobachtungen der letzten großen Ex- 
peditionen werden wohl einen weiteren wichtigen Beitrag zur Erklärung der 
in Betracht kommenden Ursachen ergeben. Es sei an dieser Stelle nur auf 
1) Einen Überblick gibt Krümmel in Heft 6 der Veröff. d. Inst. f. Meereskunde, Berlin. 
"ie deutschen Meere.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.