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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Lütgens, R.: O, Petterssons Untersuchungen über den Einfluß der Eisschmelze etc. 153 
Die kleine Abteilung hat ‚fast gleiche Temperatur und Salzgehalt. Stark 
abgekühlt ist nur die Oberfläche durch die vom Eise fortgehende »Polar- 
strömung«, während am Grunde das Überfließen des abgekühlten »arktischen« 
Bodenwassers über die Schwelle durch die etwas niedrigere Temperatur von 
4.45° schwach angedeutet ist. In der großen Abteilung prägen sich überaus 
deutlich die drei Strömungen aus. In der Nähe des Eises ist der Oberflächen- 
strom bis auf — 0.5° C. abgekühlt, Es folgt die warme Mittelschicht und am 
Grunde das kältere Bodenwasser, das sich, wie die Temperatur erkennen läßt, 
an der Schwelle staut, aber schließlich überfließt. 
Der Versuch, den Schmelzprozeß im norwegischen Meere — die Schwelle 
soll den Island-Far-Öer- und Wyville-Thomson-Rücken darstellen — experi- 
mentell nachzumachen, entspricht nun insofern nicht der Wirklichkeit, als die 
Temperaturen viel zu hoch sind. Dies liegt vor allem an dem zu starken 
Zufluß von warmem Wasser. Auf Petterssons Anregung wiederholte Sand- 
ström in Kristiania den Versuch in einem größeren Maßstabe — der Eis- 
block wog z. B. 50 kg —, bei dem der »atlantische« Strom besser geregelt 
werden konnte. 
Fig, 
2, 
DBIS 
Das Bild, das er erhielt, stellte dasselbe Dreistromsystem dar (Fig. 2). 
Gleichzeitig konnten auch . Salzgehaltmessungen in unmittelbarer Nähe des 
Eises gemacht werden, Ebenso wurden die Geschwindigkeiten beobachtet. Die 
größte Geschwindigkeit des Polarstromes war 0,03 cm, des Bodenstromes 0.14 cm 
und endlich des zufließenden atlantischen Stromes 0.23 em in der Sekunde. 
II. Die Strömungen in dem norwegischen Meere 
bespricht Pettersson im Anschluß an diese Versuche und unter Bezugnahme 
auf Lotungen, die im Juli und August 1900 gemacht wurden. In diesem Jahre 
unternahm Nansen die Fahrt mit »Michael Sars«. Gleichzeitig und korrespon- 
dierend arbeiteten Oestergren mit einer schwedischen Expedition und Kapitän 
Nilson mit »Patterdale«, 
Die für eine Sektion benutzten Lotungen waren: 
Oestergren 8. Juli 1900 77° 11’ N-Br. 0° 55 W-Lsg. 
Nansen 11. August 1900 69° 32’ N-Br. 5° 13’ O-Lg. 
Nansen 24, Juli 1900 63° 50’ N-Br. 1° 20’ W-Lg. 
Nilson 9. Juli 1900 60° 40’ N-Br. 2° 43' W-Leg. 
Oestergren fand an der Oberfläche den Polarstrom mit der Temperatur 
—0.03° C. und dem Salzgehalt = 33 bis 34%. Das Temperaturmaximum von 
4 1.04° C, bei einem Salzgehalt von über 35% lag in einer Tiefe von 200 m. 
Von 500 m bis über 3000 m Tiefe befand sich kaltes Bodenwasser von bis zu 
—1.23° C, Temperatur. Die anderen Lotungen ergaben Ahnliches, Hiernach be- 
trachtet Pettersson als die wichtigste treibende Kraft bei der Wasserzirkulation 
des norwegischen Meeres den Eisschmelzprozeß in seinem westlichen und nord- 
westlichen Teile. Von hier aus wird das kalte Wasser in zwei verschiedenen 
Strömungen an der Oberfläche und am Grunde nach Süden und Osten gesandt. 
Der polare Oberflächenstrom, Ostgrönlandstrom genannt, sendet einen Zweig
	        
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