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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

152 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1905. 
strom, der das Mischwasser der Eisschmelze und des abgekühlten atlantischen 
Wassers fortführt. Für den Ersatz sorgt der warme atlantische Unterstrom., 
In der Tiefe befindet sich das arktische Wasser, das langsam niederen Breiten 
zugedrängt wird. Wo immer die Tiefe der Meeresräume dieses dreifache 
Strömungssystem zuläßt, da schmilzt das Eis, und wo der warme Unterstrom 
nicht eindringen kann, wie z. B. an der Küste Grönlands und Labradors, da 
treiben Eismassen weit nach Süden, 
Die große bei der Eisschmelze frei werdende Energie vermag eine 
Strömung in ihr sonst nicht zukommende Richtungen zu zwingen. Es ist 
dies für Pettersson ein wichtiger Beweisgrund. Der ostisländische Polarstrom 
müßte dem Einfluß der Erdrotation folgend nach Südwesten fließen. Durch 
die Eisschmelze in SO-Richtung zu den Fär-Oerinseln beschleunigt, kann er, 
wenn auch als Unterstrom, die norwegische Küste und durch die norwegische 
Rinne das Skagerrak und Kattegat erreichen. In umgekehrter Richtung 
wirkt die Eisschmelze auf den atlantischen Strom. Von der nordöstlichen 
Hauptrichtung zweigt nördlich und südlich von Jan Mayen je ein Teil der 
Strömung ab, um als Unterstrom westwärts setzend den Schmelzprozeß zu 
unterhalten und die abfließenden Massen zu ersetzen. Die Tatsache der drei 
durch Temperatur- und Salzgehaltsunterschiede gekennzeichneten Strömungen 
ist durch Messungen bei Lotungen festgelegt. 
IE. Eisschmelzversuche. 
Pettersson ınacht dann Angabe von Experimenten, die er zum Beweise 
seiner theoretischen Ausführungen im Laboratorium unternommen hat, Ein mit 
Glaswänden versehenes Gefäß wurde mit Wasser gefüllt, das mit einigen 
Kristallen von Kaliumpermanganat gefärbt war, so daß man die Strömungen 
sehen konnte. Wenn nun an der einen Seite des Tanks ein Eisstück in das 
Wasser getaucht wurde, so konnte man den grundlegenden Unterschied zwischen 
der Eisschmelze im Süß- und Salzwasser erkennen. In beiden Fällen gingen 
Strömungen zu der mit Eis gefüllten Seite des Gefäßes. Im Süßwasser ent- 
stand aber kein abfließender Oberflächenstrom, das Wasser sank an der ab- 
gekühlten Seite und stieg an der anderen. Im Salzwasser konnten dagegen 
drei Strömungen unterschieden werden: der vom Eise wegfließende Ober- 
flächenstrom, in mittleren Schichten die Strömung, die das zur Unterhaltung 
des Schmelzprozesses nötige Wasser zuführte, und am Grunde die fortfließende, 
abgekühlte Wassermasse, Um die der Wirklichkeit entsprechenden Verhält- 
nisse zu untersuchen, durfte man nun nicht ein abgeschlossenes Gefäß nehmen, 
sondern mußte für einen ununterbrochenen Wasserzufluß und -Abfluß sorgen, 
Zu diesem Zwecke teilte Pettersson das 24 cm tiefe Gefäß durch eine Boden- 
schwelle, die bis etwa 6 em unter den Wasserspiegel reichte, in zwei verschieden 
große Abteilungen. In der kleineren ließ er Wasser von konstanter Temperatur 
und Salzgehalt ein- und ausfließen. In der großen Abteilung befand sich an der 
der Bodenschwelle entgegengesetzten Seite das schmelzende Eis. Das nötige 
Wasser drang über die Bodenschwelle, während der Oberflächenstrom unge- 
hindert abfließen konnte, Temperatur und Salzgehaltreihen wurden an mehreren 
Stellen von 4 zu 4 cm Tiefe gemessen, auch konnten annähernde Geschwindig- 
keitsmessungen gemacht werden. Die Tabelle I erläutert den Versuch. 
Tabelle LI. 
T® v6 T° do T° vo 
"1.60 830.77 — 0.02 30.93 — 0.50 30.67 
4,59 
4.73 
4.69 
162 
31.91 
33.24 
33.27 
33.30 
229292 
4.10 
4,51 
2.71 
3-0 
31.93 1.95 
33.30 3.94 
33.20 2.80 
33.30 2.60 
33.33 2.52 
323 210) 9 48 
32.17 40,91 
33.29 3.15 
33.30 2.92 
33.29 2.70 
33.33 2.60 
33.99 53! an91 
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