Mecking, L.: Strömungen an den südlichen u. südöstlichen Küsten von Neufundland, 149
An beiden Stationen, welche vor dieser Küstenstrecke lagen, setzte bei
Flut wie bei Ebbe der Strom an der Oberfläche nach SW, aber bei Flut mit
einer um 24° % größeren Geschwindigkeit. ;
Der Tiefenstrom (bis 75 m) setzte in der nämlichen Richtung, behielt
sie nur noch konstanter bei; aber die durch die Gezeiten veranlaßte Ge-
schwindigkeitsschwankung kam in der Tiefe sogar schärfer zum Ausdruck als
an der Oberfläche, .
Station I, 12 Sm S0z01.0 von Kap Race, Die äußersten Grenzen,
zwischen. denen die Richtung schwankte, waren SWzW und SzO. - -
Station K, 7 Sm SzO von Ferryland-Leuchtfeuer. Die äußersten Grenzen,
zwischen denen die Stromrichtung schwankte, waren 1. während einer nicht
durch Wind gestörten Periode WSW und SWzS, 2. während einer Störung durch
Wind SW und SO; aber diese Abweichung im zweiten Falle erstreckte sich
nicht auf die Tiefenströmung. .
Temperaturmessungen wurden vorgenommen bis zur Tiefe von 55 m.
Dieselben gestatten aber nicht, wie man erwartet hatte, einen Schluß auf die
Bewegung des Wassers, liefern vielmehr das Resultat, daß
1. die Temperaturen in 55 m Tiefe an allen Stellen dieses Gebietes und
in jedem Monat des Sommerhalbjahres durchweg in der Nähe des Gefrier-
punktes liegen (sie variieren nur zwischen — 1° und + 1° C,),
2, daß das Wasser des ostneufundländischen (polaren) Stromes sich ebenso
an der Oberfläche erwärmt wie das Oberflächenwasser an anderen Punkten
des ganzen Bereiches. .
Die Temperaturmessungen ließen ferner einen recht markanten Fall
von kaltem Auftriebwasser in kleinem Maßstab erkennen, wenn starke ab-
landige Winde wehten. So sank z. B. einmal die Temperatur des Küsten-
wassers innerhalb eines 3 Sm breiten Streifens von + 10° auf + 1*/,° C. und
noch innerhalb eines 10 Sm breiten Gürtels unter +7°C.
Abweichungen. Die normalen Strömungsverhältnisse können unter ge-
wissen Witterungsumständen Störungen erleiden; der Strom kann abgelenkt
werden nach einer beliebigen Richtung, aber im allgemeinen nur von der
Oberfläche bis zu 18 m Tiefe und leichter bei Ebbe als bei Flut.
Erkundung aus anderen Quellen. Zum Vergleich mit diesen Ergebnissen
lassen sich wieder die Erfahrungen der Fischer heranziehen; sie bestätigen
jene Ergebnisse durchweg. — Ein gelegentlicher Verlauf der Strömung nach
O oder NO gilt ihnen als Vorbote von schlechtem Wetter (analog der Er-
scheinung an der Südküste); in diesem Zeugnis stimmen alle Fischer jener
ganzen Gegend überein. — Am schwächsten soll der Strom im Juli sein. —
Auch die obige Angabe der Breite des Stromes stammt aus der Erfahrung
der Fischer.
Eis als Strömungsanzeiger, Die Eisberge eignen sich hierzu besser als
die Eisfelder. Aber auch das Feldeis bestätigt im allgemeinen die Südwest-
richtung der in Rede stehenden Strömung, da es wenigstens durchschnittlich
in dieser Richtung treibt und höchstens aufgehalten und teilweise entgegen-
gesetzt getrieben werden kann, aber nie in geschlossener Masse nach NO zieht.
Eisberge (in den letzten Jahren an der Küste ziemlich spärlich beob-
achtet) können Aufschluß geben über zwei Punkte: 1. über die allgemeine
Richtung des Küstenstromes, 2. über sein Verhalten beim Passieren der Süd-
ostspitze von Neufundland.
Zu 1. Die Trift der Eisberge geht nie nach NO. ;
Zu 2. Sie wenden sich im großen Durchschnitt nicht um Kap Race
herum nach W, sondern behalten auch nach ‚dem Passieren dieses Punktes
mehr die Südwestrichtung inne. Die wenigen aber, welche vor der Südküste
gesehen werden, treiben weiter draußen.
Die kanadischen Untersuchungen haben nach dem vorstehenden Referat
viele Einzelheiten über das Verhalten der Strömungen im Küstenbereich von
Süd- und Südost-Neufundland zutage gefördert, Einzelheiten, welche besonders
für den Sechiffsführer von Wichtigkeit sein dürften.