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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Mecking, L.: Strömungen an den südlichen u. südöstlichen Küsten von Neufundland, 149 
An beiden Stationen, welche vor dieser Küstenstrecke lagen, setzte bei 
Flut wie bei Ebbe der Strom an der Oberfläche nach SW, aber bei Flut mit 
einer um 24° % größeren Geschwindigkeit. ; 
Der Tiefenstrom (bis 75 m) setzte in der nämlichen Richtung, behielt 
sie nur noch konstanter bei; aber die durch die Gezeiten veranlaßte Ge- 
schwindigkeitsschwankung kam in der Tiefe sogar schärfer zum Ausdruck als 
an der Oberfläche, . 
Station I, 12 Sm S0z01.0 von Kap Race, Die äußersten Grenzen, 
zwischen. denen die Richtung schwankte, waren SWzW und SzO. - - 
Station K, 7 Sm SzO von Ferryland-Leuchtfeuer. Die äußersten Grenzen, 
zwischen denen die Stromrichtung schwankte, waren 1. während einer nicht 
durch Wind gestörten Periode WSW und SWzS, 2. während einer Störung durch 
Wind SW und SO; aber diese Abweichung im zweiten Falle erstreckte sich 
nicht auf die Tiefenströmung. . 
Temperaturmessungen wurden vorgenommen bis zur Tiefe von 55 m. 
Dieselben gestatten aber nicht, wie man erwartet hatte, einen Schluß auf die 
Bewegung des Wassers, liefern vielmehr das Resultat, daß 
1. die Temperaturen in 55 m Tiefe an allen Stellen dieses Gebietes und 
in jedem Monat des Sommerhalbjahres durchweg in der Nähe des Gefrier- 
punktes liegen (sie variieren nur zwischen — 1° und + 1° C,), 
2, daß das Wasser des ostneufundländischen (polaren) Stromes sich ebenso 
an der Oberfläche erwärmt wie das Oberflächenwasser an anderen Punkten 
des ganzen Bereiches. . 
Die Temperaturmessungen ließen ferner einen recht markanten Fall 
von kaltem Auftriebwasser in kleinem Maßstab erkennen, wenn starke ab- 
landige Winde wehten. So sank z. B. einmal die Temperatur des Küsten- 
wassers innerhalb eines 3 Sm breiten Streifens von + 10° auf + 1*/,° C. und 
noch innerhalb eines 10 Sm breiten Gürtels unter +7°C. 
Abweichungen. Die normalen Strömungsverhältnisse können unter ge- 
wissen Witterungsumständen Störungen erleiden; der Strom kann abgelenkt 
werden nach einer beliebigen Richtung, aber im allgemeinen nur von der 
Oberfläche bis zu 18 m Tiefe und leichter bei Ebbe als bei Flut. 
Erkundung aus anderen Quellen. Zum Vergleich mit diesen Ergebnissen 
lassen sich wieder die Erfahrungen der Fischer heranziehen; sie bestätigen 
jene Ergebnisse durchweg. — Ein gelegentlicher Verlauf der Strömung nach 
O oder NO gilt ihnen als Vorbote von schlechtem Wetter (analog der Er- 
scheinung an der Südküste); in diesem Zeugnis stimmen alle Fischer jener 
ganzen Gegend überein. — Am schwächsten soll der Strom im Juli sein. — 
Auch die obige Angabe der Breite des Stromes stammt aus der Erfahrung 
der Fischer. 
Eis als Strömungsanzeiger, Die Eisberge eignen sich hierzu besser als 
die Eisfelder. Aber auch das Feldeis bestätigt im allgemeinen die Südwest- 
richtung der in Rede stehenden Strömung, da es wenigstens durchschnittlich 
in dieser Richtung treibt und höchstens aufgehalten und teilweise entgegen- 
gesetzt getrieben werden kann, aber nie in geschlossener Masse nach NO zieht. 
Eisberge (in den letzten Jahren an der Küste ziemlich spärlich beob- 
achtet) können Aufschluß geben über zwei Punkte: 1. über die allgemeine 
Richtung des Küstenstromes, 2. über sein Verhalten beim Passieren der Süd- 
ostspitze von Neufundland. 
Zu 1. Die Trift der Eisberge geht nie nach NO. ; 
Zu 2. Sie wenden sich im großen Durchschnitt nicht um Kap Race 
herum nach W, sondern behalten auch nach ‚dem Passieren dieses Punktes 
mehr die Südwestrichtung inne. Die wenigen aber, welche vor der Südküste 
gesehen werden, treiben weiter draußen. 
Die kanadischen Untersuchungen haben nach dem vorstehenden Referat 
viele Einzelheiten über das Verhalten der Strömungen im Küstenbereich von 
Süd- und Südost-Neufundland zutage gefördert, Einzelheiten, welche besonders 
für den Sechiffsführer von Wichtigkeit sein dürften.
	        
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