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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

146 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1905. 
hier zu lösen war, bestand nun darin, zu ermitteln, wie sich die Küsten- 
strömungen vor und in diesen kleinen und großen Buchten verhalten, 
Zu dem Zwecke wurde zunächst an vier draußen liegenden Stationen, 
welche in einer Linie parallel mit dem Gesamtküstenverlauf lagen, je 1 bis 
2 Tage lang die Strömung beobachtet. Daraus ergab sich, daß der Strom 
mit Flut und Ebbe beziehentlich nach NW und SO setzt, daß aber die erstere 
Bewegung ein wenig überwiegt; der Gezeitenstrom ist also verbunden mit 
einer geringfügigen herrschenden Strömung nach NW. 
Alsdann wurde innerhalb der einzelnen genannten Buchten beobachtet, 
und zwar zunächst in der 
Placentia-Bai, 
An allen vier Stationen in dieser Bucht wurden zwar als oberstes die 
Strömung beherrschendes Prinzip die Gezeiten festgestellt, wie die dem Bericht 
beigegebenen Tafeln veranschaulichen; aber ebenso deutlich zeigt sich in 
diesen Tafeln, daß an jeder Station eine der beiden Gezeitenströmungen 
bevorzugt ist, und zwar jeweils diejenige, welche in einen dem Uhrzeigersinn 
entgegengesetzten Stromkreislauf paßt, das ist an der Ostseite der Bai der 
Flutstrom, in der Mitte und an der Westseite der Ebbstrom. Es tritt also 
zum Gezeitenelement wiederum eine konstante Tendenz, und zwar zur Um- 
kreisung der Bucht von rechts nach links. 
Diese Verhältnisse walten ungestörter in der Tiefe als in den Ober- 
fächenschichten, ausgesprochener in Küstennähe als in größerem Abstande, 
ausgeprägter endlich auch bei Windstille, als wenn störende Winde eingreifen, 
Die Strömungen sind durchweg von geringer Stärke, überschreiten nie 
die Geschwindigkeit von einem Knoten, 
Die für den Schiffsführer wichtigen Einzelheiten von den verschiedenen 
Stationen sind folgende: 
Station D, 5’'/, Sm westlich von Kap St. Mary. Richtung des Stromes 
stets Östlich von der NS-Linie (mißweisend). Außerste Grenzen NNO und SzO 
(bisweilen also Strom recht gegen die Küste), Durchschnittsrichtung des Flut- 
stromes NO, des Ebbstromes SOzO. Maximalgeschwindigkeit bei Flut 0.86, 
bei Ebbe 0.63 Knoten. Dauer des Flutstromes 15’/, Stunden, des Ebbstromes 
91/, (also Flutbewegung nicht nur stärker, sondern auch anhaltender). In 
27 m Tiefe war die Richtung des Flutstromes mehr nördlich und der Ge- 
schwindigkeitsunterschied zwischen Ebb- und Flutstrom etwas größer als in 
Jen höheren Schichten, 
Station E, am Südende der Merasheen- Bank. Der Flutstrom strebte 
nach der Spitze der Bai, der Ebbstrom nach SW. Der Ebbstrom war 
konstanter und reichte tiefer (Flutstrom nur oberflächlich). Die resultierende 
Richtung der Bewegungen während der ganzen Beobachtungsdauer (68 Stunden) 
war NWzW, paßte also in den angegebenen Kreislauf, 
Station F, 10 Sm SW!/,S von Burin-Leuchtfeuer. Resultate ähnlich wie 
bei Station E. Flutstrom wenig ausgeprägt und unregelmäßig in Richtung, 
Ebbstrom dagegen recht konstant nach W, Hier tritt also der die Bai um- 
kreisende Strom aus. -— Die Oberflächenströmung wurde durch anhaltende 
Westwinde abgelenkt, während der Tiefenstrom die vorherrschende Richtung 
beharrlich innehielt. 
Station G, 17 Sm W!/,S von Kap St. Mary. Die Strömung, eine Kombination 
aus Gezeitenstrom und allgemeiner Westwärtsbewegung, ist zur Springtide NO 
und SO bezw. bei Flut und Ebbe. Die nordöstliche Bewegung ist die stärkere, 
besonders spricht sich dies in der Tiefe aus. Im übrigen ist aber die Strömung 
sehr variabel, ihre Richtung umläuft zuweilen den ganzen Kompaß, dann 
wieder dreht sie vorwärts und rückwärts zwischen bestimmten Grenzrichtungen. 
— Je weiter man sich von der Küste entfernt, desto geringer wird der Gezeiten- 
einfluß und desto größer die Tendenz zur vollständigen Drehung um den Kompaß. 
Das Drehen um den Kompaß geschieht zur Nipptide, und zwar nach 
rechts und in einer Periode von genau 16 Stunden. Diese nämliche Periode
	        
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