136 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1905.
sondern vor allen Dingen auch über die teilweise im Dunkeln gebliebenen Vorgänge und KEnt-
schließungen, die den Verlauf dieses Unternehmens auf seinem eigentlichen Schauplatze am Polar-
kreise bestimmt und seinen Abschluß herbeigeführt haben. Es ist ausgeschlossen, an dieser Stelle
näher einzugehen auf die zahlreichen Fragen, in denen vielleicht der eine oder andere Leser ab-
weichender Meinung wäre und zu anderen Schlußfolgerungen käme, wie der Verfasser. Oder auch,
ob das Verhalten des chrwürdigen Mannes, der ein Menschenalter hindurch in deutschen Landen
die Südpolarfrage unermüdlich in Fluß zu halten verstand, und namentlich seine Stellung zum
LGesamtplane der Expedition, richtig aufgefaßt ist; ferner, ob sich die Organisation insofern bewährt
nat, als sie die Schiffsleitung unterordnete der wissenschaftlichen Oberleitung; oder endlich, ob der
jähe Abbruch der Expedition, nachdem das Schiff Kapstadt wieder erreicht hatte, wirklich geboten
und in dem Mangel an Mitteln hinreichend begründet war. Hier mag nur in aller Kürze auf den
{nhalt des vorliegenden Bandes hingewiesen werden. Die 23 Kapitel gliedern sich so, daß auf die
Darstellung der Vorgeschichte, des Personals und des Fahrzeugs der Expedition drei entfallen, vier die
Ausreise bis nach Kerguelen, zwölf den Aufenthalt am und im Eise behandeln, und vier die Rück-
reise über St. Paul— Amsterdam, Kapstadt, St. Helena, Ascension, die Azoren schildern. In die
historische Darstellung: sind zahlreiche kleine wissenschaftliche Exkurse eingestreut, worin über
instrumente, Methoden, Probleme, die in den Forschungsbereich der wissenschaftlichen Teilnehmer
fielen, klarer und verständnisvoller Aufschluß erteilt wird, Ob Professor v. Drrygalski aber mit der
einmal (S. 545) ernstlich diskutierten kürzeren Route für den Weltverkehr von Ost nach West im
hohen Süden entlang der Eiskante, wo östliche und westliche Winde um die Herrschaft streiten,
praktisch Erfolg haben wird? Ich kann nicht glauben, daß Schiffsführer, Recder und Versicherungs-
agenten in der Navigation zwischen Kisbergen durch Nebel und Stürme einen Vorteil gegen die
räumlich größere Länge der üblichen Passatroute anerkennen werden. — Wie schon aus den sehr
ankenswerten vorläufigen, während der Reise selbst an das Reichsamt des Innern eingesandten
Berichten hervortrat, ist auch auf den längeren oder kürzeren Landaufenthalten eifrig gesammelt,
gemessen und photographiert worden. Auf der Rückreise konnte das bei reichlicher gebotener Zeit
mit verstärktem Eifer geschehen. Für künftige Südpolarforscher wichtig sind die mit großer Offen-
heit dargelegten Erfahrungen, die mit Mannschaften, Schiff, Maschine, Eishäusern, Dauer- und Frisch-
proviant, Schlitten und Hunden gemacht sind. Die Leiden und Entbehrungen während der Winter-
zeit, die Gefahren der Schneestürme namentlich während der Schlittenreisen, anderseits auch der
Humor des antarktischen Intelligenzblatts, aus dem uns hier und da gelungene Proben mitgeteilt
werden, zeigen uns Schicksale und Stimmungen, wie sie auf einer Winterstation auch in viel höheren
südlichen Breiten nicht anders gewesen wären. Das Schiff ist inzwischen verkauft, und da die
englischen Expeditionsfahrzeuge vom selben Schicksal ereilt sind, darf man wohl mit Bedauern an-
nehmen, daß in absehbarer Zeit die antarktische Forschung nicht durch größere staatliche Unter-
nehmungen gefördert werden wird. Man kann nur beklagen, daß so viel schwer erworbene Erfahrungen
zunächst brach liegen und schließlich wieder so gut wie ganz verloren gehen sollen, um dann,
hoffentlich nicht wieder nach einer Pause von einem halben Jahrhundert. durch kostspieligze Unter-
achmungen von neuem gewonnen zu werden.
Das Buch ist gut geschrieben, wie schon aus früheren Veröffentlichungen des Verfassers zu
erwarten war, wo er sich als trefflicher Stilist bewährt hatte, der seinen Leser von Anfang bis zu
Ende zu fesseln weiß, Daß ein alphabetisches Sachregister fehlt, ist ein schr bedauerlicher Mangel;
alle Leser, die es nicht nur auf Unterhaltungslektüre abgesehen haben, werden also gut tun, sich
von vornherein ihre Notizen selbst zu machen. Jie Karten hätten wohl etwas eleganter und aus-
Lührlicher, namentlich für die Zeit im Kise, sein können. Im übrigen aber ist die Ausstattung des
Buches gut und preiswürdie., ©. Krümmel.
B. Neueste Erscheinungen im Bereich der Seefahrts- und der Meereskunde
sowie auf verwandten Gebieten.
a. Werke.
Meeres- und Gewässerkunde,
Mecking, Ludwig: Die Eistrift aus dem Bereich der Baffin-Bay beherrscht von Strom
und Wetter. Inaug, Diss. a. d. Kgl. Univ. Berlin. 8%. 498.
Dawson, W. Bell: The eurrents of the south-eastern coasts of Newfoundland and the
amount of indraugkht into the larger bays on the south coast. From investigations
of the tidal and emrent survey in the season of 1903, 8% 32p. a. IX pl. Ottawa 1904.
Governm. Printing Bureau.
Danske Meteor. Inst.: Isforholdene i de arktiske have 1904. (The state of the ice in the
arctie seas 1904.) F. XVIS. nu. 5 Kart. S-Abz. Dansk. Naut.-meteor. Aarbog.
Küsten- und Hafenbeschreibung.
Brit. Admiralty: Baltie Pilot, Part I. formerly published as the Danish Pilot, 4th ed,
89, XXVI a. 602 p. London 1904. J. D. Potter.
Wakamatsu Harbour Works Company: Directory to the harbour of Wakamatsu. 8%.
11 p.. 2 tab. a. 3 charts. Wakamatsu 1904.