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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Koldewey, K.: Anwendung der Flindersstangen bei der Kompensation der Kompasse. 1923 
Schiffes mit ihren störenden magnetischen Einflüssen auf die Kompasse 
möglichst fern von ihnen zu halten, oder mit anderen Worten, der Aufstellung 
der Kompasse die größtmögliche Sorgfalt zuzuwenden.!) Ist trotz dieser 
Sorgfalt eine Kompensation zu großer Deviation nötig, so ist der alte Satz 
der Mechanik maßgebend, daß die Wirkung einer Kraft nur durch eine gleich 
große immer in entgegengesetzter Richtung wirkende, gleichartige Kraft. auf- 
gehoben werden kann. Man wird also in bezug auf den Kompaß permanenten 
Magnetismus nur durch. Stahlmagnete, von der erdmagnetischen Kraft im 
weichen Eisen induzierten Magnetismus nur durch weiches Eisen erfolgreich 
kompensieren können. Es ist also derjenige Teil des Koeffizienten B der 
allgemeinen Deviationsformel, der von der Induktion der vertikalen Komponente 
des Erdmagnetismus herrührt, auch nur durch eine vor oder hinter dem 
Kompaß anzubringende vertikale Stange weichen Eisens für alle magnetischen 
Breiten zu kompensieren, 
Welche Erfahrungen sind nun in bezug auf die Anwendung dieser Art 
der Kompensation gemacht worden? Zunächst ist zu bemerken, daß die beiden 
Teile des Koeffizienten B, nämlich % tang J und z r nur durch Beobachtungen 
auf zwei möglichst verschiedenen magnetischen Breiten gefunden werden 
können; ohne eine Kenntnis oder wenigstens annähernde Schätzung der Größe 
des Induktionskoeffizienten 5 ist es aber nicht möglich, die Kompensation 
mittels der Flindersstange in richtiger Weise auszuführen. Die Erfahrung der 
Seewarte, gewonnen aus der Bearbeitung einer großen Reihe von Deviations- 
journalen, hat nun im allgemeinen folgendes ergeben: Bei Dampfern, deren 
Kompasse vor den Maschinen auf und unter den Kommandobrücken angebracht 
sind, ist 5 in der Regel. negativ, und zwar je nach der mehr oder minder 
guten Aufstellung, in einem Betrage von — 0.06 bis — 0.12. Stehen die 
Kompasse hinter den Maschinen, etwa auf einem Deckshause, so ist 7 meist 
positiv, aber von weit geringerem Betrage. Bei Segelschiffen ist 5 bei einiger- 
maßen gut aufgestellten Kompassen, die nicht zu nahe dem Hintersteven 
und dem Ruderkopf stehen, verhältnismäßig gering und kann sowohl positiv 
als negativ ausfallen. Nur allein bei Steuerkompassen, die nahe vor 
großen vertikalen Eisenmassen, wie Schornsteinen, Ventilatoren, Schotten, 
Ruderpfosten, stehen, kann 5 den Betrag von — 0.2 und darüber erreichen.”) 
Bei einer solchen Größe werden die Änderungen im Koeffizienten B 
bei starken Änderungen der magnetischen Breite so bedeutend, daß die 
Deviation auf hohen nördlichen oder südlichen Breiten die zulässige Grenze 
von 20° überschreitet, auch wenn der permanente Magnetismus durch Magnete 
richtig kompensiert ist. So würde z. B. an der Südküste von Australien, wo 
die magnetische Inklination — 68° beträgt, der Koeffizient B=— + 30° und 
auf unseren Breiten — 30° betragen. Eine Kompensation mittels der Flinders- 
stange erscheint in solchen extremen Fällen für Schiffe, die zwischen nord- 
europäischen oder nordamerikanischen Häfen und den Südküsten der Kontinente 
der südlichen Halbkugel verkehren, unerläßlich, wenn man nicht an einigen 
Orten der Reise Anderungen der längsschiffs liegenden Kompensationsmagnete 
vornehmen will, ; 
Diese Art der Kompensation bringt indes einige Übelstände mit sich, 
die zu beachten sind, und die die Anwendung beschränken. Zunächst ist fest- 
zustellen, daß eine Stange weichen Eisens, welche längere Zeit in unveränderter 
Lage der Wirkung der erdmagnetischen Kraft ausgesetzt ist, einen Teil 
dauernden, oder vielmehr remanenten Magnetismus aufnimmt, der um so 
Y) Val. „Der Kompaß an Bord«, Kap. VI, 8. 155 £f. ; ; 
?) Über die Größe von zZ vgl. »Der Kompaß« an Bord«, S. 140—141.
	        
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