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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1905.
Das Instrument wurde in diesem Herbst während einer transatlantischen
Reise auf einem Norddeutschen Lloyddampfer geprüft. Jeden Morgen zwischen
8 und 9 Uhr wurden Beobachtungen damit gemacht, und die entsprechenden
Eintragungen in das Schiffsjournal für 8 Uhr morgens wurden nach Be-
endigung der Reise erhalten. Kurs und Geschwindigkeit des Schiffes waren
jeden Tag bekannt. Die beigefügte Tabelle zeigt eine gute Übereinstimmung
zwischen den beiden Beobachtungsreihen und zeigt, daß, wenn die Schätzungen
der Windrichtung und Geschwindigkeit durch die Schiffsoffiziere nahezu korrekt
sind, auch ein Nicht-Seemann dieselben oder bessere Resultate erhalten kann,
wenn er’dies einfache Instrument anwendet.
Es muß noch erwähnt werden, daß dieser Apparat, obgleich er ganz
unabhängig erfunden ist, einem Entwurf von Professor C. P. Smyth sehr
ähnlich ist. Der Unterschied liegt indessen in der Anwendung, da Professor
Smyth gezwungen war, das nicht einwurfsfreie Anemometer anzuwenden und,
nachdem er sich auf irgend eine Weise der scheinbaren Richtung des Windes
vergewissert hatte, dessen Geschwindigkeit und Richtung auf seine Meßstäbe
und Kreisteilungen zu übertragen. Mit dem hier beschriebenen Instrument
werden die Winkel des scheinbaren und wahren Windes zum Schiff direkt
gemessen und so, indem man den Schiffskurs und die Schiffsgeschwindigkeit
als Grundlage benutzt, die absoluten Richtungen und Geschwindigkeiten beider
Winde unmittelbar bestimmt. Zum Schluß kann noch darauf hingewiesen
werden, daß die Geschwindigkeit des resultierenden Windes von Wichtigkeit
ist für die Aufstiege von Drachen auf See, ein Arbeitsfeld, das zuerst vom
Verfasser im Jahre 1901 in Angriff genommen ist, und das, wie neuere Ver-
suche und Vorschläge zeigen, wahrscheinlich eine wichtige Aufgabe der
meteorologischen Forschung werden wird.
sh V.
Sept.
1902
22
3
>
25
%6
8
9
Schiffs- | Geschätzter Wind
Geschwindig-
‚keit in Meilen"
p. Std.
Kurs
N 81° W
N 89° W
N 90° W
576°W
StT1OW
S76°W
S73°W |
S7830W
17,5
17.0
14.2
14.7
15.6
17.4
17.4
171
SSO 7
SW 8
Wi
NNW
WO
WNW -
S 4
| NW 4
822°0 31
S45°W 97
W 3
N220W 37
W "
N 685°W *
Ss
N 450 W
Gemessener Wind
Richtung und BResultierende
Geschwindigkeit Richtung und
in Meilen p. Std. Geschwindigkeit
845°0 32
S40°W 40
(WW. 30
N 30°W 40
N 70°W 10
N 70°0W 16
810°0 16
N 359W 14
81200 22
S50°W 51
(W447
N550W 46
W 24
N 859 W 32
S30°W 24
N 750W 96
Uber die Anwendung der Flindersstangen bei der Kompensation der
Kompasse.
Von K, Koldewey, Admiralitätsrat.
Es ist in letzter Zeit dieser Gegenstand in Büchern und Zeitschriften
mehrfach erörtert und dabei auch der Deutschen Seewarte und ihrer Stellung-
nahme dazu in einer Weise erwähnt worden, die geeignet ist, bei den Nautikern
Mißverständnisse hervorzurufen. Es erscheint deshalb geboten, die Grundsätze,
die für die Deutsche Seewarte in der Anwendung der Flindersstange bei der
Kompensation der Kompasse maßgebend gewesen sind, etwas näher darzustellen.
Als oberster Grundsatz ist von der Seewarte von Anfang ihres Bestehens
die alte seemännische Regel festgehalten worden, einzelne Eisenmassen des
1 Die Verwandlung der Beaufort-Grade in miles p. h. ist nach der Tafel von Mr. Curtes,
Quart. Journ. R. Met. Soc. Vol. 23, p. 41 ausgeführt.
2) Die Geschwindigkeit dieses Windes konnte nicht ohne Anemometer gemessen werden,
weil die wahre und die resultierende Windrichtung zusammenfielen.