Rotch-Perlewitz: Ein Instrument. zur Bestimmung der wahren Richtung etc. 121
als die Geschwindigkeit des Schiffes. ansieht, bekommt man aus der Länge BC
die wahre Windgeschwindigkeit. Die Methode versagt, wenn Windrichtung
und Schiffskurs übereinstimmen, und wird ungenau, wenn der Winkel zwischen
beiden klein ist; aber in den anderen Fällen waren, da Kurs und Geschwindig-
keit des Schiffes immer genau bekannt sind und die beiden Winkel BAC und
DBA mit großer Genauigkeit gemessen werden können, die erhaltenen Resultate
sehr befriedigend,
Um die Unbequemlichkeit zu vermeiden, erst all die einzelnen Daten zu
bestimmen, ersann der Autor im vergangenen Jahre das in Fig. 2 dargestellte
Instrument, welches von Mr. L. Casella in London gebaut und auf der
Fie. 2.
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Southport-Zusammenkunft ‚der British-Association gezeigt wurde, Der Apparat
besitzt zwei Messingscheiben, 8 cm im Durchmesser, auf denen die vier Haupt-
richtungen der Windrose angegeben sind und jeder Quadrant von N und $ aus
in 90° geteilt ist. Eine der Scheiben ist durch einen zentralen Zapfen mit dem
Ende eines etwa 26 cm langen Lineals verbunden, das, aus Buchsbaumholz
bestehend, in 30 Teile geteilt und mit der Inschrift »Schiffs-Kurs« versehen ist
mit einem Pfeile, der von dem Zapfen fortweist. Auf diesen Zapfen ist ferner
noch ein ähnlicher 45 cm langer Stab‘ nahe an seinem Ende aufgesetzt, der
60 -ebensolche Teilungen enthält und mit »Wahrer Wind« bezeichnet und
ebenfalls mit einem vom Zapfen fortweisenden Pfeil versehen ist. Ein Messing-
schlitten an dem kurzen Stabe trägt die andere bewegliche Scheibe und einen
dritten um deren Zentrum drehbaren Stab, der auch 60 obige Teile enthält
und mit der Bezeichnung »Resultierender Wind« versehen ist mit: einem Pfeil,
der wiederum vom Drehpunkt fortzeigt. Visiere sind an beiden Enden der
langen Stäbe; ein Handgriff ist unterhalb der nicht gleitenden Scheibe‘ an-
gebracht. Das Ganze läßt sich zusammenlegen und in eine kleine Schachtel
verpacken. .
Das Instrument wird folgendermaßen benutzt: Nachdem man beide Scheiben
so eingestellt hat, daß ihre Teilungen am »Schiffs«-Stab den rechtweisenden
Kurs des Dampfers anzeigen, wird die Gleitschiene auf die Zahl gestellt, daß
sie dessen Geschwindigkeit in Meilen per Stunde oder Meter per Sekunde angibt.
Dann hält man diesen Stab in Richtung der Schiffsbewegung und dreht den
»Wahren Wind«-Stab so weit, bis seine Visierlinie senkrecht zu den Wellen-
kämmen steht. In der Praxis geschieht dies am. einfachsten, wenn man sich
in die Mitte des Schiffes stellt und den »Wahren Wind«-Stab gegen die Reling
der Windseite hält; dann visiert man wie beschrieben, und das kurze Ende
dieses Stabes wird auf der in Grade geteilten Scheibe die Windrichtung an-
zeigen. Die Ablesung wird notiert oder der Stab festgeklemmt, und der Beob-
achter stellt sich in Lee des Schornsteins, Ist dann wieder der »Schiffs«-Stab
genau in die Richtung der Schiffsbewegung, bezw. der »Wahre Wind«-Stab in
seine frühere Richtung gebracht, so wird nun der »Resultierende Wind«-Stab
so gedreht, daß seine Visierlinie mit der Richtung übereinstimmt, die durch
die Rauchlinie oder den Mastwimpel, wenn kein Rauch da ist, angegeben wird,
Das kurze Ende dieses Stabes zeigt dann auf der zweiten Scheibe die Richtung
an, aus der der resultierende Wind kommt, und am Schnittpunkt der beiden
langen. Stäbe können die entsprechenden Geschwindigkeiten des wahren und
des an Bord empfundenen Windes abgelesen werden.