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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Frühling, J.: Der Nordsturm an der ostdeutschen Küste vom 13. u. 14. Januar 1905. 113 
Der Nordsturm an der ostdeutschen Küste vom 13. und 14. Januar 1905. 
(Hierzu Tafel 4.) 
Die für die ostdeutsche Küste besonders verhängnisvollen Nordstürme, 
die namentlich durch die sie begleitenden Hochfluten für die Flachstrecken 
der Küste Gefahr mit sich bringen, gehören glücklicherweise zu den Selten- 
heiten; doch stößt leider ihre Vorhersage auf Schwierigkeiten manchmal derart, 
daß die bisher geltenden, rein empirisch gefundenen Regeln über das Zustande- 
kommen der Stürme bei der Voraussagung dieser Nordstürme vollständig im 
Stiche lassen. Am gefährlichsten sind diese Nordstürme, wenn sie aus Süd- 
west- und Weststürmen hervorgegangen sind, wie es bei dem Sturm am 13, und 
14. Januar d. J. der Fall war, da sie dann die vorher nach Nordost zum Bottnischen 
Busen getriebenen Wassermassen von dort südlich wieder zurückführen und so 
an der deutschen Küste Überschwemmungen hervorrufen, 
Am Nachmittag des 11. war von der Deutschen Seewarte für die Ostsee 
die Warnung erlassen: 
»Neues Minimum nördlich Schottland. Gefahr wieder stark 
auffrischender südwestlicher Winde, 
Signal Südweststurm. 
11. IX. 1905, 41/,b nachmittags, Deutsche Seewarte.« 
Dieser Warnung folgte am 12. die weitere: 
»Gefahr nicht vorüber. Signal hängen lassen. 
12. II. 1905. 4b 25m nachmittags. Deutsche Seewarte.« 
Von dem Sturme wurde nur der östliche Teil der Küste, Memel bis 
Rügenwaldermünde, betroffen, wobei besonders die Strecke von Brüsterort bis 
Neufahrwasser zu leiden hatte. — Über die Verheerungen, die der Sturm hier 
anrichtete, gibt der am Schluß im Auszug angeführte Bericht des Haupt- 
agenten der Seewarte zu Neufahrwasser, Herrn Ewert, den derselbe der See- 
warte einsandte, Kenntnis. 
Die Luftdruck- und Windverhältnisse während der Sturmtage sind auf 
den beigegebenen Karten dargestellt, und zwar die Luftdruckverteilung 
durch die Isobaren, der Wind durch mit demselben fliegende Pfeile, deren 
Fiederung die Windstärke in halber Beaufort-Skala angibt, und die Himmels- 
bedeckung durch Ausfüllen der Stationskreise nach dem Grade der Bedeckung. 
Am Abend des 12. (Karte I, Tafel 4) liegt ein tiefes Minimum am Ein- 
gang des Finnischen Meerbusens, das bei seinem Fortschreiten nur ganz all- 
mählich an Tiefe abnimmt, während auf seiner Rückseite der Luftdruck sehr 
schnell steigt (Christiansund 14 mm). Dagegen liegen im Südwesten und Süd- 
osten des Kontinents Hochdruckgebiete, von denen das erstere sich rasch nach 
Nordosten ausbreitet, während das letztere sich langsam nach Osten zurück- 
zieht. Die Winde haben an der ganzen deutschen Küste stürmischen Charakter 
und wehen an der Ostseeküste aus W, an der Nordseeküste aus NW. Die 
Temperatur beträgt überall 2° bis 5° über 0. Die östlichsten Stationen haben 
zum Teil hohen Seegang. 
Am Morgen des 13. (Karte II, Tafel 4) ist das Minimum ostsüdostwärts 
bis nahe an Petersburg vorgeschritten und der Luftdruck über Skandinavien 
sehr stark (12 bis 15mm) gestiegen. Das Gebiet der stärksten Barometer- 
steigung hat sich von Christiansund nach der Gegend von Hernösand ver- 
lagert und zeigt in seiner Fortbewegung eine südöstliche Bahnrichtung. Die 
Winde sind unter Drehung nach NW und NNW im westlichen Teil der Ostsee 
bedeutend schwächer geworden; selbst im östlichen Teil ist nur noch an ver- 
einzelten Stationen (Brüsterort und Schiewenhorst) Sturm verzeichnet. Auch 
der Seegang hat zum Teil recht erheblich nachgelassen. Die Temperatur ist 
infolge des Umspringens der Windrichtung nach NW und NNW stellenweise 
bedeutend unter 0° gesunken. 
Ann. d. Hydr. etc., 1905, Heft III.
	        
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