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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

106 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1905, 
Nach 1% V, wurde es windstill und blieb das Schiff eine volle Stunde im 
Zentrum des Orkans, Der Wind drehte langsam während dieser Zeit von 
SW über S nach O und NO und fiel aus dieser Richtung mit voller Orkan- 
stärke um 2h V, ein, Eine gewaltige, hohe See brach fortwährend über dem 
Schiffe zusammen. Der niedrigste Barometerstand war der in der Mitte des 
Sturmfeldes beobachtete: 738,1 mm. Nach dem Einfallen des Windes aus NO 
begann das Barometer langsam zu steigen, und es wurden für die folgenden 
Stunden nachfolgende Beobachtungen gemacht: 
Um 4% V. des 9. Okt. Wind NO, Sturm, Barometer 743 mm; 
12h mittags Wind NO, stürmisch, Barometer 759,6 mm; 
44 N, Wind NNW, frischer Wind, Barometer 759,7 mm. 
Der Wind drehte dann auf W; es wurde klares Wetter. Der Dampfer erlitt 
keinen Schaden. 
Das bereits oben erwähnte Hamburger Barkschiff »Obotrita«, Kapt., 
Schwebke, ist ebenfalls in der Mitte des Orkans gewesen und hat ziemlich 
stark von See und Wind leiden müssen. »Obotrita« beobachtete am 7. Ok- 
tober auf 82,5° N-Br. und 36° W-Lg. drohende Luft in NW und langsam fallendes 
Barometer. Am 8, Oktober auf 383,8° N-Br. und 35,5° W-Lg. fiel das Glas stetig 
weiter, und es herrschte Tags über zunehmender SSW-Wind mit Schmutt und 
dicker Luft. Abends 8% heftiger Regen und Gewitterböen mit Donner und 
Blitz, mit umlaufenden Winden und grober südwestlicher See. Außer dem 
Seegang war eine nordwestliche Dünung, Stärke 4, bemerkbar. Am 9. Oktober 
auf 35,9° N-Br. und 34,2° W-Leg. fiel das Glas von 6° V, rasch, der SSO-Wind nahm 
schnell zu, ebenso die See, Um 8h wehte bereits voller Sturm aus SSO (10) 
mit 733,4 mm und hoher See aus SSO. Um 9% V. erreichte das Barometer 
mit 731,4 mm seinen niedrigsten Stand, währenddem es ganz flau war, also 
die Mitte der Depression über das Schiff hinzog. Um 101/,h fiel dann plötzlich 
der Wind aus N mit Stärke 12 wieder ein; eine sehr hohe, wild durcheinander- 
laufende See brach über dem Schiff wieder und wieder zusammen, der Wind holte 
abflauend nach NW, um von hier nochmals als Sturm (10) loszubrechen, flaute 
dann aber bei schnell steigendem Barometer schnell ab, wie auch die See 
schnell abnahm. Kapt. Schwebke schreibt, daß er am 8. Oktober abends 
Gewitter mit starkem Regen und umlaufenden Winden beobachtet habe. Nach 
10h N. klarte es ab, und der Wind frischte aus O auf, Da die Luft aus SW 
zog, der Wind bei fallendem Glas dann südlich holte, glaubte Kapt. Schwebke 
es mit einem gewöhnlichen aus S auffrischenden Wind zu tun zu haben. Als 
um 68 V, des 9, Oktobers das Barometer noch immer fiel und die Luft ein 
verdächtiges Aussehen bekam, wurden die Bramsegel weggenommen, doch noch 
während des Festmachens fiel das Barometer so schnell, daß alle Mann an 
Deck beordert wurden, um das Schiff vor den Wind zu legen und Segel zu 
bergen. Der Wind nahm jedoch so schnell zu, daß nur die beiden Obermars- 
segel dichtgegeit werden konnten. Großsegel und Fock zerrissen bei dem 
Versuch, sie zu bergen, obgleich das Schiff vor dem Wind mit B-B. angebraßten 
Rahen lag. 
Hier bemerkt Kapt. Schwebke sehr richtig, daß er sich in Erwartung 
eines Orkans hätte vor St-B. Halsen legen müssen, doch war hier ja die erste 
Bedingung, Segel zu bergen, was leider nicht ganz gelang. Das Schiff kam 
denn auch ins Zentrum des Sturmes hinein, und der Wind wurde ganz flau. 
Hohe, wilde, steil durcheinanderlaufende See, Der Kapitän dachte, daß der 
Wind auch nicht härter aus der entgegengesetzten Richtung einfallen würde, 
als er aus SSO gewesen. Um 101/, Uhr kam jedoch der Wind in einem Gischt 
von Wasser aus N eingefallen, so daß das ganze Schiff zitterte und in Wasser- 
dampf eingehüllt war. Zu sehen war nichts vor Regen und Gischt, ohne Tau 
konnte man sich nirgends halten, und der Kapitän behauptet, daß er in seiner 
28 jährigen Tätigkeit als Seemann nie einen so starken Wind beobachtet hat. 
Zum Glück war der Wind schon kurz vorher auf N gegangen, und hatte 
Kapitän Schwebke das Schiff in Erwartung von mehr Wind vor den 
Wind gelegt. Die Rahen blieben B-B. angebraßt, so daß der Wind nun längs
	        
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