Barth, P.: Das Wetter auf dem Nordatlant. Ozean vom 25. Sept. bis zum 13, Okt, 1903. 105
ein Rettungsring und eine Teakholzplanke sind die einzigen Überbleibsel eines
großen, starken Schiffes gewesen. Als erstes Schiff, das diesen Orkan zu be-
stehen hat, muß der Hamburger Dampfer »Cheruskia», Kapt. Lüning, gelten,
der am 8. Oktober morgens 8 Uhr auf 32,4° N-Br. und 38,7° W-Lg. steht. Der-
selbe beobachtete von 12h bis 4h V des 8. eine weißgraue Luftfarbe, einen großen
Hof um den Mond, diesige Luft und auffrischenden . Wind. Um 51/,h N zog
ein Gewitter mit Blitz und Donner über das Schiff, und gleichzeitig nahmen
Wind und See schnell zu. Um 82N auf 31,5° N-Br. und 41,1° W-Lg. war das
Schiff gezwungen beizudrehen, da gewaltig hohe Seen von allen Seiten über das
Schiff brachen, die Decksladung wegschlugen und das Deck beständig über-
fluteten. Von 9h bis 11h N. wütete ein voller Orkan aus SO, dann S und
zuletzt W (12). Die Luft‘ hatte ein bleigraues Aussehen. Unter schweren
Böen holte der Wind dann NW und flaute aus dieser Richtung ab. Das
Barometer zeigte den niedrigsten Stand um 11h N. mit 7831,83 mm bei W-Wind
{12), stieg nachdem aber schnell, und bei Sonnenaufgang flaute es schnell ab;
auch nahm die See schnell ab, so daß wieder Kurs gesteuert werden konnte,
Das Journal der »Cheruskia« zeigt für diesen Tag folgende Aufzeichnungen:
r . 4
= . & so zz r
3 E13 | E51] 5 |
ala 5 | | Sala 13718
ä{ Ss Z = = | ' Rn D
3.
an
A
h
a. 31° 27
% 27'410
11h )
Dh
SSo
380
SO
SSO
So
3
W
VW
760.2
756.2
747.0
743.1
738.3
731.3
A201
SSo
SSo
350
30 |
Ö
7
7
Bemerkungen.
+Sce von allen Seiten.
Desgl.
Desgl.
Desgl.
Desel.
4h V NW | 10
Sh [se 6 9 | NNW | 8 |
oh NW 5
‚Cheruskia« ist offenbar eben südlich des Zentrums vorbeigegangen
und hat so in der von dem Orkan aufgewühlten See furchtbar aushalten
müssen.
Der 9. Oktober bringt nun einer Reihe von Schiffen den schweren
Orkan, und ist es hier vor allem der englische Dampfer »Ancobra«, der vom
Zentrum des Orkans selbst passiert wird und in demselben eine Stunde fast
windstilles Wetter hat. Der niedrigste beobachtete Barometerstand ist hier
jedoch 738 mm, während derselbe bei einem etwas westlicher stehenden Schiffe,
welches auch von der. Mitte des Orkans überlaufen wird, dem Hamburger
Segler »Obotrita«, Kapt. Schwebke, nur 731,5 mm beträgt. Nun konnte aber
das Barometer der »Ancobra« nicht kontrolliert werden, es kann also ein
schlechteres Instrument sein, und es darf hierauf nur weniger Wert gelegt werden.
Der Bericht der »Ancobra«, der im Hafen von Charlotte-Amalie (St. Thomas)
dem Kommandanten 8. M. S. »Vineta«, Kapt. z. See Scheder, übergeben wurde,
zeigt, da der Wind von Orkanstärke aus SW nach dem Vorübergang der
Orkanmitte nach .»NO — voller Orkan« überspringt, daß die ungefähre Bahn
des Orkans in dieser Richtung gelegen haben muß. Der Bericht lautet:
Der englische Dampfer »Ancobra« aus London (African Steam Ship Co.),
von England nach St. Thomas mit Kohlen unterwegs, traf ungefähr 1300 Sm
östlich der Bermudas einen schweren Orkan, Anzeichen, die auf die An-
näherung eines solchen schließen ließen, wurden nicht bemerkt, Beobachtet
wurde:
Am 8. Okt..mittags auf 34° 30’ N-Br. 37° 47’ W-Lg. Wind SW 7; Barometer-
stand 759,7 mm (schwerer Regen);
124 N. SW-Sturm, schwere See; Barometerstand 756,5 mm;
3. Okt. 15 V. voller Orkan aus SW; schwere, hohe See;. Barometer-
stand 738,1 mm.