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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1905.
„Am 27. September abends war der Himmel größtenteils mit cum-Wolken
bedeckt, im Süden zeigten sich cir-str, Auf der Abendwache von 8 bis 12%
traten einzelne Böen aus der Windrichtung (OSO) bis zu Stärke 5 auf; im
SW wurde Wetterleuchten beobachtet und der Mond hatte einen starken Hof.
Von 12h N, hatte das Barometer Neigung zum Fallen, das Wetterleuchten er-
streckte sich über den ganzen Horizont; die stärker werdenden Böen brachten
Regen, und der Wind drehte langsam von SOzO auf O0. Um 8h N, des
28. September zeigte das Barometer 757 mm und fiel von jetzt an auffallend
schnell und steil. Aus den Beobachtungen und der Kurve des Schreib-
barometers war erst jetzt mit
Sicherheit auf die Annäherung
eines Orkans zu schließen.
Sturmsignale wurden von Land
aus nicht gemacht. Aus neben-
stehender Kurve ist der zeit-
weise alle 10 Minuten abgelesene
Barometerstand ersichtlich; der
niedrigste Stand, 740,4 mm
(reduziert 737,5), trat um
ih 45min N, ein. Von 12h mittags
bis 4h N, raste der Sturm mit
außerordentlicher Gewalt, die
Windstärke der Böen wurde auf 12 geschätzt, ein dichter, ununterbrochener
feiner Regen peitschte mit großer Heftigkeit über das Schiff. Das Gesicht
schmerzte, als wenn es von Hagel getroffen würde, und eine Verständigung
mit der Stimme, selbst auf nur ganz kurze Entfernung hin, war ausgeschlossen.
Im Hafen lief die See, wenn auch nicht sehr hoch, so doch wild durcheinander,
Der weiße Gischt peitschte über die 15 m hohe Kommandobrücke hinweg, und
nur mit Mühe konnte man sich an den über Deck gezogenen Leinen fort-
bewegen. Wie kochendes Wasser, sprudelnd, milchähnlich gefärbt, sah die
schäumende, vom Wind aufgewühlte Wasseroberfläche aus. Es war so dunkel,
daß man von den 300 bis 500 m entfernt liegenden englischen Kriegsschiffen
»Indefatigable« und »Hotspur« nur zeitweise schwach die Umrisse wahrnehmen
konnte, Beim niedrigsten Barometerstand um 1b 45min N, hatte der Wind bis
N herumgedreht; die Mitte der Depression schien südöstlich in nahem Ab-
stand die Bermuda-Inseln zu passieren, wenigstens zeugte dafür das schwache
Durchbrechen der Wolkenwand und Sichtbarwerden des blauen Himmels für
einige Minuten. Von jetzt ab begann das Barometer in demselben Verhältnis zu
steigen, als es vorher gefallen war. Um 43 N. war der Wind NNW, das Ab-
nehmen der Windstärke war deutlich zu bemerken, aber noch immer lief eine
kurze unruhige See. Um 8° N, stand das Barometer auf 757 mm. Der Sturm-
mittelpunkt entfernte sich schnell auf östlicher Bahn, der klare Himmel brach
durch und die Sterne wurden sichtbar,
Schiff und Zubehör erlitten keine Beschädigung, hingegen waren die
Verheerungen auf der Insel recht erheblich, Die Telegraphen- und Telephon-
verbindung war zerstört, der größere Teil der Stangen aus der Erde gerissen;
nehrere Gebäude wurden in Trümmerhaufen verwandelt und nur wenige
Häuser blieben ganz ohne Beschädigung.“
Der am 28. September auf den Bermudas fällige Postdampfer »Pretoria«
stand zur Zeit des Passierens des Sturmes mit SO-Kurs nur 150 Sm von den
Inseln entfernt und beobachtete nur eine lange starke Dünung aus öst-
licher Richtung, aber keinerlei atmosphärische Störung.
ww.