Barth, P.: Das Wetter auf dem Nordatlant. Ozean vom 25. Sept. bis zum 13. Okt. 1903. 99
Nordsee und den Flußmündungen an derselben niederen Druck und stürmisches
Wetter, verschwindet aber am. darauffolgenden Tage in östlicher Richtung.
Eine andere Depression, die schon am 6. und 7. (vielleicht als das frühere
T. VI.) vermutet werden muß, tritt am 8. Oktober nordöstlich von dem West-
indischen Inselland mit ‘schnell zunehmender Stärke auf und scheint sich hier
in zwei getrennt fortschreitende zyklonale Erscheinungen, die schon am 7. Oktober
erkennbar sind, zu teilen, von denen die eine von großer Ausdehnung und ge-
ringerer Stärke sich mit sehr kleiner Geschwindigkeit in N-Richtung fortbewegt,
während die andere, östlicher liegende, von sehr großer Intensität in NO-Richtung
mit großer Geschwindigkeit vorwärts schreitet und in ihrem Bereiche unheil-
volle Zerstörungen anrichtet, Die beiden Depressionen bleiben noch am 9,
und 10. Oktober durch ein Gebiet tiefen Druckes verbunden, und diese Ver-
bindung wird erst am 11. von dem von der Labradorküste nach SO vor-
dringenden Hochdruckgebiet zerrissen, Bei dem westlichen Depressionsgebiet
nimmt die Vertiefung nach innen nur sehr langsam zu, auch scheint die
größte Intensität der Erscheinung in ihrem nördlichen Teile zu liegen, wie es
die hier näher zusammenliegenden Isobaren und die größeren Windstärken
andeuten; doch führt dieses Tiefdruckgebiet wirklich schwere Stürme nirgends
mit sich. Sich nach und nach verflachend erscheint am 13. Oktober diese
Depression nur noch als sehr unbedeutend. Anders das zweite Tiefdruckgebiet,
Bei diesem ist die Fortpflanzungsgeschwindigkeit am 8. und 9. Oktober außer-
ordentlich groß und erst nach zwei weiteren Tagen nimmt seine Fortpflanzungs-
geschwindigkeit, Ausdehnung und Intensität ab. Der Luftdruck in der Mitte
der Depression, also das Minimum, nimmt aber während der ganzen Dauer
4es Sturmes nicht zu, denn zeigte am 9. Oktober das Barometer als Minimum
733 mm, so wurden am 12. und 13. Oktober in Südengland und Irland auch
noch 734 und sogar nur 730 mm beobachtet. Mit der zunehmenden Aus-
dehnung des Gebietes nimmt die große Intensität des Orkans aber merklich
ab und am 12. und 13. Oktober wurden Windstärken über 10 nicht mehr
beobachtet.
Bemerkenswert sind noch einige Beobachtungen von Schiffen, so am
9. Oktober diejenigen der in 38,5° N-Br. stehenden Schiffe »Pangani« und
‚Prinzeß Irene«, die durch steifen S- bezw. SSO-Wind darauf hinweisen, daß
nördlich von ihnen sich wahrscheinlich ein Gebiet niederen Luftdrucks befindet.
Ebenso zeigen Beobachtungen des Dampfers »Valdivia«, der am 10. Oktober
morgens 2k von Windstille, also der Mitte der Depression, passiert wird, daß
sich wahrscheinlich innerhalb der großen Depression noch eine zweite Teil-
depression befunden hat. Der Dampfer beobachtet nämlich nach dem Passieren
des Minimums und der Windstille schweren Orkan aus der Gegenrichtung
(hier aus W), der bald abnimmt und unstetig wird. Daraufhin fällt das
Barometer wieder, der Wind dreht zurück und wird wieder zum Sturm und
zeigt, daß das Schiff von einem Tiefdruckgebiet soeben verlassen, von einem
zweiten überholt wird.
Nachfolgende Tabelle, sowie die Übersichtskarte zeigen Richtung und
Schnelligkeit der Fortbewegung der einzelnen Druckgebiete, und es sei hier
besonders darauf hingewiesen, daß die Tiefdruckgebiete II, VI. und VII. aus-
zeprägt tropische Stürme zu sein scheinen und daß das Tiefdruckgebiet VI.
sehr wahrscheinlich in vorliegender Form in T. VIII übergeht.‘ Interessant
ist auch die Nachricht des »Journal of the Meteor. Society of Japan«, die be-
sagt, daß am 283. September in 35° N-Br., 137° O-Lg. ein schwerer Taifun
herrschte, und läßt die Vermutung einer gewissen Analogie auf verschiedenen
Teilen des Erdballs zu.