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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1905,
Nachdem am 27. ein Hochdruckgebiet mit einem Maximum über Jüt-
land fast ganz Europa bedeckt hatte, trat sehr starke Abnahme des Luftdrucks
über Nordeuropa ein; auf ein in der Nacht zum 28. im hohen Norden vor-
üiüberschreitendes Minimum folgte bereits an diesem Tage nördlich von Schott-
land das Herannahen eines neuen Minimums, so daß die nordwestlichen Winde
zurückdrehten und damit bereits am 28. ein Steigen der Temperatur eintrat.
Ein am 29. von der nördlichen Nordsee über die südliche Ostsee nach West-
rußland schreitendes tiefes Minimum hatte an der ganzen Küste steife bis
stürmische südwestliche und vielfach nach dem NW-Quadranten drehende
Winde, im Westen von der Stärke 7 bis 8, im Osten überall bis zur Stärke 8
bis 9 im Gefolge. Einen sehr schweren Sturm brachte aber ein tiefes Minimum,
Jas in der Nacht zum 380. nordwestlich von Schottland her nach der Mitte
der Nordsee vorgedrungen war und zu dieser Zeit bereits an der Nordsee-
küste stürmische Südwestwinde hervorrief, während die Winde im Osten nach
Entfernung des voraufgehenden Sturmwirbels abgeflaut waren. Auf seiner
züdostwärts gerichteten Bahn lag der neue Sturmwirbel nachmittags 2 Uhr
über den Dänischen Inseln, abends 8 Uhr an der Odermündung und am 31,
morgens über Polen und Galizien. Verhängnisvoll für die Küste wurde es,
daß der Luftdruck nicht allein im Rücken des Wirbels stark stieg, wie dies
häufig beobachtet wird, sondern daß auch eine außergewöhnlich starke Luft-
druckzunahme über Skandinavien stattfand, wo ein Hochdruckgebiet südwärts
vordrängte. An der Nordseeküste erreichten die Winde zunächst aus dem
Südwestquadranten wehend die Stärke 8 bis 9 und nahmen nach dem Abend
hin aus nordwestlichen Richtungen überall bis Stärke 10 und stellenweise bis
11 zu, um dann bei weiterem Rechtdrehen im Laufe der Nacht abzuflauen
und am 81. nur noch vereinzelt Stärke 7 bis 8 zu besitzen. An der Ostsee-
küste hatte der Westen die gleiche Drehung der Winde, doch nahm die Stärke
der südwestlichen Winde ostwärts hin ab, während die der späteren nord-
östlichen anwuchs. In der weiteren Umgebung der Odermündung folgte auf
steife Südwestwinde ein rascher Eintritt von Nordoststürmen, während weiter
ostwärts zunächst stürmische Winde von der Stärke 8 bis 9 aus dem SO-
Quadranten eintraten und die Winde dann unter starker Zunahme in der
Nacht über Ost nach Nordost drehten. In der Nacht zum 31. erreichten die
Nordostwinde an der Ostsee fast überall die Stärke 10 und vielfach 11, zumal
im Osten, und noch am folgenden Tage hatte die Ostseeküste ostwärts bis
Rügen Nordostwinde von der Stärke 8 bis 9 und weiter ostwärts lang an-
haltende Stürme meist von der Stärke 10 bis 11. Dieser schwere Nordoststurm
an der Ostsee rief eine sehr schwere Sturmflut hervor, die zu der stärksten
je beobachteten gehört und viel schweres Leid für die Bevölkerung herbei-
geführt hat, Mit den Nordostwinden trat ein starker Temperatursturz ein, so
daß die Küste am 31., zum ersten Male in diesem Winter, über dem ganzen
Gebiete Frostwetter hatte, und es folgte jetzt im Bereiche hohen Luftdrucks
zu Beginn des neuen Jahres nach den milden und niederschlagsreichen Tagen
aine kurze Periode mit überwiegend trockenem Frostwetter.
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