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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1904.
der beiden Dampfer untereinander bis auf zwei kleine Stellen in 51° 50‘ und
532° 50‘ W-Lg. recht gut übereinstimmen. Wenn auch die Positionen der beiden
Dampfer vielfach nur auf Besteckrechnung beruhen, so ergibt sich doch mit
Sicherheit, daß sich die Tiefen in jener Gegend geändert haben. Auf Taf.5 ist
auch der ungefähre Verlauf der 200 m- (109 Faden-) Grenze zwischen 28° und
32° S-Br. angedeutet; es wird ferner darauf aufmerksam gemacht, daß nach den
Angaben des Leuchtfeuerverzeichnisses die Küstenlinie, besonders in der Gegend
von Mostardas, etwa 7 oder 8 Längenminuten östlicher verläuft, als sie in der
Brit. Adm-Krt. Nr. 2522 gegeben ist.
5. Kimmprisma. Während der in Heft X1I, Jahrgang 1903 dieser Zeit-
schrift erschienene Artikel „Folgerungen aus den Koßschen Kimmtiefen-
beobachtungen zu Verudella“ im Druck war, an dessen Schluß ein kleines
Instrumentchen beschrieben ist, das mit Hilfe eines Sextanten die Kimmtiefe zu
nessen gestattet, kam ein Artikel des „Newyork Herald“ zu meiner Kenntnis,
in dem eine Erfindung des Lieutenant-Commander J. B. Blish U.S.N. be-
schrieben wird, die denselben Zweck verfolgt. Da dieses Instrument, Navigators
prism genannt, vor der von Ferguson angegebenen Hilfseinrichtung (de Zee 1895)
and der von mir vorgeschlagenen Prismenanordnung gewichtige Vorzüge
besitzt, so dürfte seine Erwähnung auch in diesen Blättern von Interesse sein.
Der Erfinder ist erst durch die Unmöglichkeit, den Ort eines Kabeldampfers
mittels einseitiger Höhenmessung richtig zu bestimmen, auf die Unregelmäßigkeiten
der Kimm aufmerksam geworden; von den systematischen Beobachtungen der
Kimmtiefe durch Koß und dessen bahnbrechenden Arbeiten scheint er keine
Kenntnis gehabt zu haben. Auch der Gebrauch des Prismenkreises, der bisher
zu demselben Zweck benutzt wurde, scheint auf dem Kabeldampfer unbekannt
zewesen zu sein. Das Instrument des Commanders Blish besteht aus einem
rechtwinkligen Prisma a b ce d, das mittels einer Aluminiumfassung an der
Handhabe des Sextanten befestigt ist, und entweder vor den großen Spiegel gesetzt
oder bei Seite geschlagen werden kann.
Die Wirkungsweise der Einrichtung
ergibt sich aus dem Strahlengang, den die
Figur veranschaulicht, Der Kimmstrahl K,
der von vorn kommt, geht am kleinen
Spiegel s vorbei direkt in das Sextanten-
“ernrohr. Der Kimmstrahl K‘, der von dem
diametral entgegengesetzten Punkt der
Kimm hinter dem Rücken des Beobachters
ausgeht, geht frei über dessen Kopf hinweg
ınd gelangt nach einer doppelten Spiegelung
an den Kathetenflächen a b und c d des
Prismas auf den großen Spiegel S und dann in gewöhnlicher Weise über den
kleinen Spiegel s ins Fernrohr F. Es ist also gerade so, als ob der rückwärlige
Kimmstrahl von dem Punkt K“ ausginge, der um ebensoviel über dem Horizont
liegt, als K‘’ darunter liegt. Daher ist, sobald die beiden Kimmbilder zur
Deckung gebracht sind, der auf dem Teilkreis abgelesene Winkel zwischen K
und K“ gleich der Summe der Kimmtiefen vor und achter dem Beobachter.
Sind diese beiden gleich, so ist also die Hälfte des gemessenen Winkels gleich
der Kimmtiefe. Aber auch, wenn sie nicht gleich sind, was nach den Beob-
achtungen von Koß zuweilen vorkommt, dürfte der daraus entstehende Fehler
im Schiffsort kleiner sein, als der bei Anwendung der aus den Tafeln ent-
aommenen mittleren Kimmtiefe zu gewärtigende. Für die Höhenmessung, die
nach Messung der Kimmtiefe in gewöhnlicher Weise vorgenommen wird, wird
das Prisma zur Seite geschlagen.
Die Nachteile des Kimmprismas von Blish im Vergleich mit der Hilfs-
vorrichtung von Ferguson und dem vom Referenten angegebenen Prismen-
(ernrohr sind die, daß das Bild der rückwärtigen Kimm durch die viermalige
Spiegelung und den langen Weg im Glase des Prismas so stark abgeschwächt
wird, daß es bei schwacher Kimm nicht mehr zu sehen sein dürfte. Ferner
gestattet das Prisma nur Winkel in der Nähe von 180° zu messen, so daß der
yzrößere Verwendungsbereich, den die beiden anderen Vorrichtungen haben, mit
Bo
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