Stach, E.: Über Mitwindbestimmung bei Anemometer-Prüfungen.
*-
-
a7
Der Bochumer Versuchsraum befindet sich im
Erdgeschoß der Bergschule, ist vom Korridor durch
nur eine Tür zu betreten, hat mit anderen Räumen keine
Verbindung und besitzt doppelte Fensterverglasung,
um jede Zugluft nach Möglichkeit abzuhalten.
Die Abmessungen sind: 7 >< 11 m Rechteck-
grundfläche und 3,5m. Höhe. Der. Aktionsradius
beträgt 3,185 m entsprechend 20 m Umfang der Bahn
der Anemometerachse bei einer Umdrehung der
Prüfungsarme, deren zwei von gleicher Länge vor-
handen sind, um gleichzeitig zwei Anemometer prüfen
zu können. Zeitdauer eines Versuches, Umdrehungs-
zahl der Prüfungsarme und Anemometerangabe während
der Versuchsdauer werden elektrisch begrenzt, die
Umdrehungszahl kann an einem Zählwerk abgelesen werden.
Durch drei Vorgelege und zwei Widerstände können mit dem elektrisch
angetriebenen Apparat 357 verschiedene Geschwindigkeiten in den Grenzen
0,5 bis 22 m in der Sekunde erreicht werden.
Die Anwendung des elektrischen Stromes zum Antrieb des Apparats und
zu den Versuchsbeobachtungen ist wohl zum erstenmale in so vollständiger,
persönliche Beobachtungsfehler ausschließender Weise durchgeführt. Der Über-
gang von einer Geschwindigkeit zu einer höheren oder niederen vollzieht sich
bequem und schnell.
Der Apparat ist unter sachlicher Mitwirkung des Verfassers von der
Firma R. Fuoß-Stoglitz ausgeführt und in „Glückauf“ 1902, Nr. 47 eingehend
beschrieben.
Bei der geringen Breite des Versuchsraumes nähern sich die zu prüfenden
Anemometer der inneren Längswand einerseits und dem aus Spiegelglas her-
gestellten Doppelabschluß des Mittelfensters anderseits bis auf etwa 300 mm,
während die Entfernung nach der nächstgelegenen Schmalseite über 1000 mm
beträgt.
Es schien daher nicht ausgeschlossen, daß Rückstaue des im Raume er-
zeugten Mitwindes die Ergebnisse der Aichungen ungünstig und unkontrolierbar
beeinflußten. Mehrfach wiederholte Aichungen eines und desselben Anemometers
ergaben zwar immer die gleiche Korrektion, doch war dadurch höchstens er-
wiesen, daß der Einfluß der nahen Wände und toten Ecken bei gleichen Ge-
schwindigkeiten sich in gleicher Höhe erhält.
Um diese Frage näher zu untersuchen und bei dieser Gelegenheit einen
Beitrag zur genaueren Kenntnis der. Mitwindgröße zu liefern, wurde eine
kreisrunde Einkleidung des Raumes um den Versuchsapparat von 7m Durch-
messer eingebaut. Hierzu wurde geteertes Wettertuch (in Gruben zur Teilung
einer Strecke in einen zuziehenden und einen abziehenden Wetterstrom ge-
bräuchlich) von 1,4 m Breite benutzt, welches an der oberen Langseite mittelst
Haken an einem an der Decke des Versuchsraumes befestigten Flacheisenring
aufgehängt und an der unteren Seite durch einen zweiten in Haken liegenden
Ring gespannt wird.
Die Laufzone der Anemometer befindet sich in der Mitte dieser 1,4 m
hohen zylindrischen Auskleidung, die Luft kann aus dem Zylinder nach oben
und unten in den äußeren Raum entweichen, aber niemals von den Wänden
zurückprallend die Anemometerflügel treffen.
Der Mitwind läuft nach den angestellten Versuchen selbst bei der geringen
Umfangsgeschwindigkeit der Prüfungsarme von 1m in der Sekunde noch etwa
80: kreisförmig um, nachdem der Apparat nach einer Mitwindbestimmung still
gesetzt ist. Bei höheren Umfangsgeschwindigkeiten hält das Nachlaufen des
Mitwindes noch erheblich länger an und es darf wohl daraus geschlossen werden,
daß bei dieser Art der Prüfung Reduktionen der ermittelten Mitwindgrößen bei
kleineren Versuchsgeschwindigkeiten, wie von Cleveland Abbe angegeben,
nicht erforderlich sind.
Der Mitwind wurde an mehreren Stellen mittelst eines sehr empfindlichen
Glimmer - Flügelradanemometers von 150 mm Gehäusedurchmesser mit der
Korrektionsgleichung v = 0,091 -+ 0,898 m bestimmt, worin v die gesuchte und m